Test: Vielen Parkplätzen fehlt der Platz

"Aussteigen geht gerade so. Ein Kind möchte ich hier nicht ausladen müssen", sagt Petra Dieterich, die Regionalbeauftragte des ACE für Bayern. Sie und ihr Kollege Sven Hartmann haben am Dienstag im Parkhaus an der Badstraße ihre Autos abgestellt. Hartmann fährt einen Mazda 2, einen Kleinwagen, die Regionalbeauftragte einen Ford Galaxy. Zwar haben die Parkplätze die Regelbreite von 2,30 Meter, aber der Galaxy ist ein Auto, mit dessen Breite man beim Bau des Parkhauses offenbar noch nicht geplant hatte.

Die Autos werden breit und breiter

Dieterich und Hartmann haben Listen dabei: Ein VW Golf der ersten Generation war knapp 18 Zentimeter schmäler als ein heutiger Golf. Der aktuelle Opel Astra ist gar 24,4 Zentimeter breiter als der erste Opel Kadett von 1962. Den Ford Escort der ersten (1968) und der aktuellen Generation trennen sogar 27,5 Zentimeter in der Breite.

Die dicksten Brummer, die heute angesagt sind, sind knapp zwei Meter breit - Autos vom Schlag eines BMW X5 oder Audi Q7. "Das Problem ist: Die Garagenverordnung ist Ländersache. Wir sind mit unserer Forderung, bei allen Parkhausneubauten eine Parkplatzbreite von 2,50 Meter vorzuschreiben, an der bayerischen Staatsregierung schon einmal gescheitert. Mit der Aussage: 2,30 Meter reicht", sagt Dieterich.

Immer wieder aufmerksam machen auf die Forderung nach breiten Parkplätzen

Mit dem Parkhaus-Check, den der ACE in ganz Bayern flächendeckend machen möchte, wolle man nach der Methode "steter Tropfen höhlt den Stein" immer wieder darauf aufmerksam machen, dass Parkplätze Platz brauchen, um sie gut nutzbar zu machen, um Schäden an Nachbarfahrzeugen oder am eigenen durch ungünstige Architektur so gering wie möglich zu halten. "Oft ist ein Ein- und Aussteigen nicht möglich, ohne ans benachbarte Fahrzeug anzustoßen. Und Parkrempler sind teuer."

Außerdem wolle man mit den unangekündigten Tests die Eigentümer der Parkhäuser aufmerksam machen auf mögliche Defizite, "die oft ganz einfach zu beheben sind", wie Dieterich sagt. "In Ansbach und Schwandorf wurden beispielsweise sehr schnell Familienparkplätze neu eingerichtet, indem aus drei Parkplätzen zwei große gemacht wurden. In Deggendorf haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass Rollstuhlfahrer niemals den Kassenautomaten erreichen können, der auf einem Sockel stand. Der hat wenig später eine Rampe bekommen."

Sechs Parkhäuser, keines wirklich schlecht

Und Bayreuth? Sechs Parkhäuser haben die Tester unter die Lupe genommen und nach einem Punktesystem bewertet. Selbst das im Test schlechteste Parkhaus hat noch befriedigend erreicht - "wir hatten auch schon Parkhäuser, die nur ausreichend bekommen haben. Insofern ist Bayreuth nicht unbedingt ein Ausreißer nach unten", sagen Dieterich und Hartmann im Gespräch mit dem Kurier.

Das im Vergleich neueste Parkhaus, das des Rotmain-Centers, hat am besten abgeschnitten und die Note sehr gut bekommen. Wegen Parkplätzen, die 2,50 Meter breit sind, wegen der Tatsache, dass das Parkhaus gut ausgeschildert ist und weil alle notwendigen Sonderparkplätze - für Behinderte, für Frauen und für Familien - vorhanden sind.

Ausschilderung ist schlecht

Auf den zweiten Platz kommt das Parkhaus Oberfrankenhalle, "auch wenn es für Auswärtige schlecht zu finden ist. Wir standen erst auf der anderen Seite, im Wendehammer an der Oberfrankenhalle, als wir die Adresse ins Navi eingegeben hatten". Die Parkplätze seien mit 2,40 Meter immer noch breiter als gefordert, das Parkhaus und die Toiletten: "Sehr sauber", sagt Dieterich. "Allerdings sind die Sonderparkplätze sehr schlecht ausgeschildert." Abzüge gibt es auch für Fahrbahnteiler, an denen man sich das Auto beschädigen kann.

Eine befriedigende Bewertung bekommen die restlichen vier getesteten Parkhäuser Unteres Tor (verwirrende Kennzeichnung, keine Familienparkplätze, nicht sehr sauber), die Tiefgarage Rathaus (zu viele Säulen, die das Parken schwierig machen, kein Aufzug, schlechte Ausweisung der Sonderparkplätze), die Tiefgarage im Sonnenhaus (schwer zu finden, enge Einfahrt) und das Parkhaus Badstraße (schlechte Markierung, keine Sonderparkplätze, enge Parkplätze).

Kontakt zu den Eigentümern, sagt Petra Dieterich, nehme man im Vorfeld des Tests bewusst nicht auf. Aber: "Wir haben den Eindruck, die Ergebnisse werden durchaus positiv aufgenommen."

Das sagen die Betreiber

"Wir bewegen uns im öffentlichen Raum, wir müssen uns messen lassen. Insofern sind solche Tests durchaus hilfreich", sagt Jan Koch, Pressesprecher der Stadtwerke. Wobei man auch sagen müsse: Auf die Schnelle breitere Parkplätze einzurichten sei nicht zuletzt wegen der baulichen Gegebenheiten schwierig. Den Stadtwerken sei bewusst: "Wir haben eine gewissen Erneuerungsbedarf."

Aber: Um den Kunden eine vernünftige Dienstleistung bieten zu können, überprüften die Stadtwerke selbst regelmäßig die Anlagen. "Daher freuen wir uns über das positive Testergebnis des ACE. Vor allem über die Note ‚gut‘ für unser Parkhaus an der Oberfrankenhalle." Das Testergebnis bestärke die Stadtwerke in den Bemühungen, "unsere Parkeinrichtungen nach Kräften zu sanieren".

Vorschriften von anno dazumal

Aufgrund der Bauvorschriften "von anno dazumal", sagt Norbert Raithel vom Sonnenhaus auf Anfrage unserer Zeitung, könne man "an den baulichen Gegebenheiten schwer etwas ändern, zum Beispiel am Kurvenradius unserer Zufahrt". Man bemühe sich jedoch, den Kunden entgegen zu kommen - etwa mit der Einrichtung von drei Familienparkplätzen, die die Tester "vielleicht übersehen haben".

Grundsätzlich, sagt Raithel, müsse aber auch die Stadt mehr tun. Und die Parkmöglichkeiten in der Stadt besser ausschildern. Gerade bei großen Veranstaltungen würden viele Gäste an der Beschilderung verzweifeln.

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Kommentare

Warum soll sich ein Parkhaus dem SUV-Trend anpassen? Wer der Meinung ist mit so einem Ding in die Stadt zu fahren, muss halt sehen wo er parken kann. Ich komme auch nicht mit meinem Wohnmobil in Städte und erwarte, dass ich überall hinpasse.
Vielleicht ist der Trend ja auch in absehbarer Zeit rückläufig. E-Autos werden evtl. mehr werden, und vielleicht werden auch die Autos wieder kleiner und leichter um Schadstoffgrenzen einzuhalten.
Beim Thema Auto setzt das Hirn halt hier in Deutschland aus. Das ist viel zu emotional aufgeladen.
Eine Idee wäre, falls Parkplätze breiter werden sollen, dass es breitere und normal breite (z. B. jetzige Norm) gibt. Die breiteren Parkplätze kosten dann entsprechend mehr als die normal breiten Parkplätze. Das wäre dann auch fair. Wer ein schmales Auto hat, zahlt weniger, weil er weniger Platz verbraucht. Derjenige, der ein breites Auto hat, zahlt mehr, weil er auch mehr Platz verbraucht.
Problem gelöst. So werden die Kosten durch den Wegfall von Parkplätzen von denen getragen, die verantwortlich dafür sind, dass Parkplätze wegfallen.
Es sind ja wohl beileibe nicht nur die SUV. Auch für normale Autos sind die Parkplätze in der Regel zu eng bemessen. Allein wenn der Nachbar (oft genug) nicht mittig steht muß man sich regelrecht aus dem Auto schälen. Oft sind kleine Delle inklusive!

Warum sind die Parkplätze so eng? Das die Autos in Schnitt gewachsen sind ist sicher nicht der einzige Grund. Nö, nö. Um so mehr Autos man auf die Parkfläche quetscht um so mehr Geld kann man einnehmen!
Das Hauptproblem besteht eher darin, deass die meisten nicht einparken können. Der erste hat Platz und stellt sich "bequem" hin. Das heißt, auf der einen Seite ist noch eine halbe Lücke - nicht mehr verwendbar. Der nächste stellt sich auf der anderen Seite daneben und lässt Abstand - schon sind 3 Plätze weg. Und so setzt sich das fort. Sehe ich jeden Tag aug auf unserem Firmenparkplatz.
Montag, 13. November 2017 - 11:06