Teil eins: Die Ligarivalen der Tigers

Eispiraten Crimmitschau

Nach den Erfahrungen der vergangenen Spielzeit erscheint es naheliegend, den Eispiraten Crimmitschau die größten Probleme im Kampf gegen den Abstieg aus der DEL2 zu prophezeien. Schließlich haben sie eine Seuchensaison hinter sich, in der erst im dramatischen Playdown-Finale gegen Rosenheim der Klassenerhalt gelang.

Nun folgt also der x-te Neustart. Dabei geht es auch darum, die Fans zurückzugewinnen, die man im letzten Jahr „aus dem Stadion gespielt“ hat. Mit Jakub Körner, Daniel Bucheli, Lukas Pozivil und Jason Pinizzotto haben durchaus prominente Namen den Verein verlassen, die zuletzt aber teilweise auch sehr enttäuschten.

Wesentlicher Teil des großen Umbruchs ist der Torwartwechsel: Wie fast alle Playdown-Kandidaten vergibt man diese Stelle an einen Kontingentspieler. Der langjährige Rückhalt Ryan Nie hat die Eispiraten verlassen und wurde durch Olivier Roy ersetzt. Der Kanadier war zuletzt in der länderübergreifenden EBEL für Villach und davor Ljubljana aktiv, wo er Teamkollege von Tigers-Neuzugang Ziga Pesut war. Man hofft sich von ihm ähnlich starke Leistungen wie von seinem Vorgänger – und die werden auch nötig sein.

In der Defensive konnte man mit dem Slowenen Ales Kranjc einen Verteidiger aus Bad Nauheim verpflichten, der für sein Land im Mai an der WM in Deutschland teilgenommen hat. Von den Lausitzer Füchsen kam der vom Stürmer zum Verteidiger umgeschulte Elia Ostwald, der mit seiner Erfahrung aus 212 Spielen in der DEL und 297 in der 2. Liga für Stabilität sorgen soll. Mit Will Weber spielt nun ein Verteidiger aus der ECHL erstmalig in Europa, der neben dem US-Pass auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und damit keine Kontingentstelle belegt. In Nordamerika hat Weber immerhin 155 AHL-Spiele absolviert, und bei ansprechenden Leistungen könnte er schnell in den Fokus einiger DEL-Teams rutschen.

Vom Deutsch-Kanadier Jordan Knackstedt erhofft man sich deutlich mehr Durchschlagskraft in der Offensive. Unterstützen sollen ihn Robbie Czarnik und Ossi Saarinen, ein Amerikaner und ein Finne. Saarinen kann beide Außenpositionen besetzen und hat nach vielen Jahren in Finnlands höchster Liga sowie zwei Jahren in Dänemark zuletzt in der slowakischen Extraliga gespielt. Czarnik kommt mit der Empfehlung von 65 Punkten in 72 Saisonspielen in der ECHL zu den Westsachsen. Zuvor kam er bereits zu 150 Einsätzen in der AH, und nun debütiert er in Europa. Dazu gesellt sich ein Stamm aus deutschen Spielern wie Erik Gollenbeck, Christoph Kabitzky, Bernhard Keil und Vincent Schlenker, die durchaus eine gute Basis bilden, aber eben auch geführt werden müssen.

Bereits zur vergangenen Saison wurde der langjährige DEL-Torjäger Ivan Ciernik verpflichtet, der die Führungsrolle aber über weite Phasen der Saison kaum ausfüllen konnte. In den Playdowns drehte der Routinier aber mächtig auf, lieferte zwölf Scorerpunkte in elf Spielen und hatte damit großen Anteil am späten Klassenerhalt.

Einer der wenigen Spieler, die in der Vorsaison nicht enttäuschten, ist Patrick Pohl, der nach mehreren Anläufen in der DEL nun in Crimmitschau seine sportliche Heimat gefunden zu haben scheint. Ansonsten gibt man in Crimmitschau einigen jungen Talenten die Chance, sich zu beweisen.

Fazit:Die Hoffnungen in Sachsen sind erneut groß, doch zunächst muss man die treuen Fans zurückgewinnen. Gegen Ende der Hauptrunde waren die Zuschauerzahlen im Sahnpark erschreckend schwach, was natürlich zum nicht unerheblichen finanziellen Minus nach der Saison beigetragen hat.

Lausitzer Füchse

Das Team aus Weißwasser war in der vergangenen Saison eine der Überraschungen der Liga und schaffte auf einem starken sechsten Platz sogar den direkten Einzug in die Playoffs. Trainer Hannu Järvenpää wurde verdientermaßen zum Trainer der Saison gewählt, hat nun aber die nicht wirklich dankbare Aufgabe, aus einem beinahe komplett neuen Kader wieder eine Mannschaft zu formen, die zumindest die Pre-Playoffs erreicht.

Im Tor hatte man vor einem Jahr ausschließlich auf junge deutsche Torhüter gesetzt – und dieses Vertrauen wurde mit starken Leistungen belohnt. Auch im diesjährigen Kader stehen mit Marvin Cüpper (23 Jahre), Maximilian Franzreb (21), Konstantin Kessler (21) und Niklas Zoschke (20) ausschließlich junge Torleute, wobei man auf dieser Position auch von der Kooperation mit den Eisbären Berlin profitiert.

Der Aderlass im gesamten Kader war groß, doch besonders in der Defensive haben beinahe alle Leistungsträger wie Patrik Parkkonen, Dominik Bohac, Nick Bruneteau und Elia Ostwald die Füchse verlassen. Nur Andre Mücke und Roberto Geiseler sind vom Stamm übrig geblieben. Dazu kamen viele junge Neuzugänge, die teils nur über wenig Erfahrung verfügen. Folglich wurden zwei Kontingentstellen in die Abwehr vergeben: Der Tscheche Jakub Kania pendelte in seinem Heimatland über viele Jahre zwischen erster und zweiter Liga und steht nun erstmals in Deutschland unter Vertrag. Dabei besteht die Hoffnung, dass der 26-jährige in naher Zukunft einen deutschen Pass erhält. Der Kanadier Chris Owens kommt aus Budapest (EBEL) in die Lausitz, wo auch Akzente für die Offensive von ihm erwartet werden. Zuletzt gelangen ihm 15 Scorerpunkte in 54 Spielen, so dass hier eine Steigerung nötig sein wird.

Auch in den Angriffsreihen musste man namhafte Abhänge hinnehmen: Topscorer Dennis Swinnen zog es in die DEL zum ERC Ingolstadt, Jakub Svoboda zur Konkurrenz nach Ravensburg und Jeff Hayes nach Schweden (Karlskoga). Dafür werden nun zwei schwedische Neuzugänge für Qualität auf den Kontingentstellen garantieren müssen. Anders Eriksson war bisher ausschließlich in Skandinavien aktiv und gilt als harter Arbeiter und nicht unbedingt als Scoring-Maschine. Mit Viktor Lennartsson kommt ein Mann aus der zweiten schwedischen Liga, der vor einigen Jahren in Salzburg auch als Scorer in Erscheinung trat.

Der Kanadier Kyle Just, der in der Aufstiegssaison der Bayreuth Tigers noch für deren Finalgegner Tilburg spielte, kam bereits zum Ende der vergangenen Saison und empfahl sich für eine weitere Zusammenarbeit. Alle drei ausländischen Stürmer werden ganz entscheidende Rollen einnehmen müssen, damit man in der Lausitz erneut keine Sorgen um den Abstieg haben muss. Denn mit Thomas Götz und Artur Tegkaev finden sich nur zwei weitere Stürmer im Kader, die älter als 26 Jahre sind. Mit Christian Neuert wechselte ein Stürmer aus Rosenheim nach Weißwasser. Dazu gesellen sich Steven Bär (Heilbronn) und Feodor Boiarchinov (Kassel), die zumindest über etwas Erfahrung in der DEL2 verfügen.

Fazit:Wohl und Wehe der Füchse wird von zwei Faktoren abhängen: Kann Trainer Hannu Järvenpää aus der zusammengewürfelten Truppe erneut eine schlagkräftige Mannschaft formen? Bringen die Kontingentspieler die nötigen herausragenden Leistungen, um die vielen jungen Spieler anzuführen?

EHC Freiburg

Neben den Bayreuth Tigers war der EHC Freiburg in der vergangenen Saison das Überraschungsteam der DEL2. Als sicherer Playdown-Kandidat gestartet, mauserte er sich still und heimlich zum Anwärter für die Pre-Playoffs und schloss die Hauptrunde auf dem siebten Platz ab. Gestützt auf einen gewachsenen Kader mit vielen Einheimischen haben sich die Breisgauer in der 2. Liga etabliert, doch in diesem Sommer fand ein für ihre Verhältnisse größerer Umbruch statt. Acht Spieler wurden verabschiedet, darunter auch einige Leistungsträger.

Allen voran ist hier Eigengewächs Nikolas Linsenmaier zu nennen, der als Topscorer nach vielen Jahren in Freiburg nun sein Glück in der DEL (Krefeld) sucht. Ihn adäquat zu ersetzen, erscheint schlicht unmöglich. Zudem hat mit Torwart Lukas Mensator der große Rückhalt das Team ebenso verlassen wie die Routiniers Marton Vas und Milos Vavrusa in der Defensive sowie Petr Haluza in der Offensive.

Im Vertrauen auf die hervorragenden Kontakte von Trainer Leos Sulak haben die Freiburger im Sommer versucht, sich neu aufzustellen. Im Tor setzt man erneut auf einen Tschechen: Miroslav Hanjuk wird ebenso wie Mensator hervorragende Leistungen abrufen müssen, damit sein Team den Anschluss hält. In der Abwehr haben sich die Wölfe bei zwei Ligakonkurrenten bedient, um die Abgänge zumindest zu kompensieren. Mit Jakub Körner kommt von den Eispiraten Crimmitschau ein Mann mit der Erfahrung aus knapp 500 Spielen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse, der in den vergangenen beiden Jahren aber lange verletzungsbedingte Zwangspausen einlegen musste. Aus Kaufbeuren konnte man Jannik Woidtke verpflichten, dessen Augenmerk aber eindeutig auf der Sicherung der eigenen Zone und kaum in der offensiven Produktion liegt. Dazu gesellen sich mit Dennis Meyer, Alexander Brückmann und Philipp Rießle drei Eigengewächse sowie mit Fabio Frick und Daniel Maly zwei Nachwuchskräfte, denen es noch an Erfahrung in der DEL2 mangelt.

Im Sturm war die Weiterverpflichtung von Oldie Radek Duda lange nicht sicher. Sein Abgang hätte die Sorgenfalten im Breisgau wohl noch tiefer werden lassen. Mit dem Slowaken Roman Tomanek hat man einen Kontingentstürmer verpflichtet, der in der vergangenen Saison nur wenige Spiele absolvieren konnte, in den Vorjahren in seinem Heimatland aber seine Scorer-Qualitäten schon bewiesen hat.

Eine Abweichung vom doch recht starr verfolgten osteuropäischen Weg markiert der Amerikaner Ben Walker, den Trainer Sulak aber in der zweiten tschechischen Liga entdeckt hat. Vor dieser ersten Station in Europa kam Walker in seiner Heimat auch schon zu über 50 Einsätzen in der AHL. Mit Christian Billich konnte immerhin der neben Linsenmaier punktbeste Spieler gehalten werden, ebenso wie Marc Wittfoth, Jannik Her, Tobias Kunz und Enrico Saccomani.

Fazit:Trotz der herausragenden vergangenen Saison wird der EHC Freiburg in erster Linie um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Der große Umbruch wird nicht spurlos am Verein vorübergehen. Man wird aber auf die Stärken der vergangenen Jahre setzen: Kompakt und mit gezielten Nadelstichen wird man versuchen, die Gegner zu ärgern. Für die mittel- bis langfristige Zukunft ist in Freiburg ein Stadionneubau zwingend nötig. Schließlich hat vor kurzem der Fußball-Bundesligist SC Freiburg als lokaler Konkurrent seine Stadionpläne veröffentlicht.

Tölzer Löwen

Für die Starbulls Rosenheim, die nach einer gebrauchten Saison den Gang in die Oberliga Süd antreten mussten, stiegen die Tölzer Löwen in die DEL2 auf. Und hier setzen die Oberbayern – anders als in der jüngsten Vergangenheit – nicht auf einen Kontingentspieler im Tor. Nach dem Abschied von Aufstiegs-Torhüter Markus Janka verpflichtete man als neue Nummer eins den bisherigen Backup der Bietigheim Steelers, Andreas Mechel. Der gebürtige Miesbacher kam in der vergangenen Saison aber nur zu acht Einsätzen.

Ebenfalls aus Bietigheim wechselte Verteidiger Andreas Schwarz nach Bad Tölz, der als talentierter Verteidiger nun den nächsten Schritt machen soll. Für eine Überraschung sorgten die Verantwortlichen der Löwen mit der Verpflichtung von Andre Lakos: Der österreichische Nationalspieler kam von Orli Znojmo aus der EBEL nach Bad Tölz. Der 38-Jährige spielte neben der EBEL (342 Spiele) schon in der AHL (240) und KHL (76) sowie für die Kölner Haie in der DEL.

Darüber hinaus setzt man in der Abwehr auf bewährte Kräfte, wobei Josef Frank mit der Erfahrung aus mehr als 500 DEL2-Spielen vorangehen soll. Dazu kommt mit Christian Kolacny ein Eigengewächs, das schon in der Saison 2008/09 in der zweiten Liga für die Löwen auf dem Eis stand.

Thomas Schenkel bringt es zwar auf 167 DEL-Einsätze, die letzten liegen aber doch schon sieben Jahre zurück. Für ihre Offensive konnten die Tölzer durchaus namhafte Spieler ins bayerische Oberland locken, mussten gleichzeitig aber auch Abgänge verkraften. Besonders der Wechsel von Stefan Reiter, der auch schon in Bayreuth aktiv war, nach Landshut schmerzt. Mit Philipp Schlager hat man einen Spieler verpflichtet, der 252 DEL- und 328 Zweitligaspiele auf dem Buckel hat. Von einem Transfer-Coup kann man bei der Verpflichtung von Marcel Rodman sprechen: Der slowenische Nationalspieler kommt von den Bietigheim Steelers und soll Dreh- und Angelpunkt der Offensive werden. Mit Tuomas Vänttinen wechselt zudem ein finnischer Stürmer aus der höchsten Liga seines Heimatlandes an die Isar. Allerdings verletzte sich der Angreifer in der Vorbereitung schwer. Sein Ausfall wird wohl durch eine Nachverpflichtung kompensiert.

Fazit:Wie jeden Aufsteiger erwartet auch die Tölzer Löwen eine schwere Aufgabe. Doch gerade die Vorgänger in dieser Rolle haben gezeigt, dass der Klassenerhalt durchaus machbar ist. Um dieses Ziel zu realisieren, wurde auch im Umfeld vieles angeschoben, mit Christian Donbeck ein in der Szene bekannter Geschäftsführer verpflichtet und die Vermarktung umgestellt. Ob der Kader für eine sportlich erfolgreiche Saison und den Klassenerhalt reichen wird, darf aber durchaus bezweifelt werden.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06