Tauschrausch: Vier Schnipsel für eine Hose

Wer kennt das nicht? Bei kritischer Durchsicht des Kleiderschrankes fallen einem Stücke auf, die man länger nicht mehr angezogen hat, die aber ganz schön viel Platz wegnehmen. Was tun damit? Second-Hand-Shop? Altkleidersammlung? Es gibt eine weitere Möglichkeit: das Tauschen der Sachen mit anderen, denen es genau so geht.

Gestern war es wieder so weit im Glashaus auf dem Campus. Kurz nach 12 Uhr füllte sich der Innenraum mit Tauschwilligen, und im Nu wuchs das Angebot an Textilien auf bereitgestellten Tischen und Garderobenständern. Hosen, warme Pullover, Mützen und Schals, aber auch selbstgestrickte Socken und Schuhe, luftige T-Shirts, Tops und anderes Sommerliches sowie Accessoires, Schmuck und ein kleiner Teil an Kosmetik lag zum Anfassen und Ausprobieren bereit.

Die Tauschbörse gibt es nun schon einige Jahre, und sie wird richtig gut angenommen, sagt Marius Hasenheit, Organisator und Mitglied des Vereins Glashaus. Und das nicht nur von Studenten: Auch Interessentinnen, manche auch ein bisschen älter, aus der Stadt und dem Landkreis kommen regelmäßig dazu und suchen nahezu euphorisch im Angebot. Denn oftmals werden tolle Sachen von guter Qualität angeboten, die der ehemaligen Besitzerin nicht mehr passen und so den Weg in die Börse gefunden haben.

Der Tausch ist einfach: Wer Kleidungsstücke abgibt, bekommt dafür als „Währung“ Papierschnipsel, mit denen man dann anderes „bezahlen“ kann. Für eine Hose etwa erhält man vier Schnipsel und kann dafür vielleicht eine Mütze und einen Schal erstehen. Das Tauschgeschäft erfolgt komplett bargeldlos.

Am frühen Nachmittag ist nur noch schwer ein Platz vor dem Spiegel zu ergattern, das Gewusel ist dicht im nicht allzu großen Glashaus. Pia ist eine, die zum Tauschen gekommen ist, mit einer ganzen Gruppe der Bayreuther Greenpeace-Initiative gekommen. Eifrig sucht sie und wählt aus. Ohrringe, eine Jacke und einen Pulli hat sie weggegeben und dafür einen anderen Pullover erstanden. Auch eine Tasche hätte ihr gut gefallen, aber eine Konkurrentin war schneller. Macht nichts, sie sucht weiter, das Angebot wächst und verändert sich schließlich ständig.

Dann sind da Katharina und Nina, zwei Freundinnen, die in einer Wohngemeinschaft zusammenleben. Sie haben den Termin im Internet entdeckt, haben gemeinsam Kleidung aussortiert und sind nun hier, um sich neu einzukleiden. Sie haben auch Dinge mitgebracht, die von früheren Bewohnern der WG beim Auszug vergessen worden waren und hoffen, Hübsches oder Zweckmäßiges dafür bekommen.

Giacomo und seine Freundin Micol aus dem italienischen Monza sind ebenso auf der Suche nach Schnäppchen. Auch sie tauschen T-Shirts, Hosen und Jacken aus und wollen bunt bedruckte T-Shirts mit nach Hause nehmen. Dazu hat Giacomo noch eine Halskette erstanden, die er an Weihnachten verschenken möchte. So kann sich nicht nur er die Ausbeute freuen, sondern auch noch die Beschenkte.

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