Susanna pfeift auf dumme Sprüche

Seit sie zehn Jahre alt ist, spielt Susanna Böhmer Fußball. Eigentlich nur, weil ihre zwei Jahre ältere Schwester damit anfing. „Alles was meine Schwester gemacht hat, wollte ich auch machen“, sagt sie. Auch der Papa spielte Fußball beim TSV Donndorf, und selbst die Mama hat in ihrer Heimat in Norddeutschland gekickt. Es lag also in der Familie. Erste Gehversuche machte sie beim ASV Oberpreuschwitz. Inzwischen spielt Susanna Böhmer bei der SpVgg Bayreuth in der Landesliga – und hat ihre Schwester überholt.

Zur Schiedsrichterin wurde die Bayreutherin in der Saison 2011/2012. Natürlich wegen der Schwester. „Sie hat damit angefangen“, sagt Susanna. Seitdem pfeift sie hauptsächlich Frauen- und Jugendspiele. Sie war aber auch schon bei den Herren im Einsatz: A-Klasse. „Bei den Jugendlichen und Frauen ist man als weibliche Schiedsrichterin mehr akzeptiert“, sagt die 19-Jährige. Als Frau ein Männerspiel pfeifen? „Immer irgendwie komisch.“ Und gleich im ersten Spiel kam es zu einer Grenzsituation: Susanna Böhmer pfiff ein Tor zurück, weil der Torhüter im Fünf-Meter-Raum bedrängt worden war. Der Torschütze war erzürnt. „Er hat schon ziemlich rumgeschrien, aber seine Teamkollegen haben ihn dann zurückgehalten“, berichtet sie.

Eine von 48 Schiedsrichterinnen in Oberfranken

Bayernweit gibt es 10 210 männliche und 387 weibliche Schiedsrichter, teilt der Bayerischen Fußballverband (BFV) mit. In Oberfranken ist Susanna Böhmer eine von 48 Frauen. Deren Einteilung nimmt der Verantwortliche der zuständigen Schiedsrichtergruppe vor. Entscheidend ist dabei die Qualifikation des Unparteiischen – grundsätzlich gibt es aber die Möglichkeit, sich nur für Frauen- oder Jugendspiele zu melden.

Die Frauen müssen sich in einer Männerdomäne behaupten. Fälle von sexueller Gewalt gegen Schiedsrichterinnen seien dem BFV aber nicht bekannt. Der Verband verfolge diesbezüglich eine Null-Toleranz-Politik, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Auch Prävention spiele eine große Rolle: Der BFV sensibilisiere die Vereine für das Thema, empfehle Schutzmaßnahmen wie ein erweitertes Führungszeugnis und gebe einen Verhaltenskodex vor.

Selten Probleme mit Spielern und Trainern

Mit den Spielern und Trainern hat Susanna selten Probleme. „Man darf von Anfang an keine Unsicherheit zeigen, und man muss klarmachen, dass man Ahnung von Fußball hat“, sagt sie. Die Körpersprache sei wichtig. Und die Stimme. Dann sei alles kein Problem. Sprüche gibt es manchmal von pubertierenden Jugendlichen. Auch Zuschauer machen Anspielungen. „Eben so Anmachsprüche. Wie in der Disco“, sagt Susanna. Um ihren Hintern ginge es da beispielsweise. „Die meisten machen das aus einer Gruppe heraus und drehen sich dann gleich weg, damit man nicht merkt, wer es war“, sagt die 19-Jährige.

Solche Situationen ignoriert sie meistens. Aber innerlich nervt es. „Man fühlt sich nicht ernst genommen. Aber was soll man dagegen tun?“, sagt Susanna Böhmer. Allerdings: Wenn sie den Sprücheklopfer erwischen würde, gäbe es Ärger. Aber die sind meist feige und verstecken sich in der Masse. Auf dem Feld ist das einfacher: Ausfällige Spieler würden die Rote Karte sehen, „das ist aber bisher zum Glück noch nicht vorgekommen“.

Susanna Böhmer wird dem Fußball in Bayreuth erhalten bleiben. Die 19-Jährige studiert Betriebswirtschaftslehre und ist nicht nur als Schiedsrichterin und Spielerin, sondern auch als Betreuerin bei der SpVgg Bayreuth aktiv. Sie wünscht sich, dass sich mehr Frauen trauen, Referees zu werden.

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Kommentare

„Sprüche gibt es manchmal […], aber was soll man dagegen tun?“
Die Schiedsrichterin pfeift auch Jugendspiele. Zumindest da sind Eltern als Zuschauer, und zumindest die sollten (solche) Sprüche nicht dulden. Man kann sich natürlich ärgern, man kann auch mal über eine (vermeintlich) falsche Entscheidung schimpfen – aber NIE beleidigend oder persönlich werdend.
Und man hat gerade bei Jugendspielen als Zuschauer die Pflicht, auf die Spieler positiv einzuwirken.
… oder andere Zuschauer (resp. Eltern).