Supermarkt-Täter: Kassiererin sagt aus

Der Räuber habe ihr die Pistole an die Schläfe gedrückt, sagte die Zeugin. Plötzlich habe der junge Kunde seinen Beutel auf den Räuber geschleudert. Den tödlichen Schuss habe sie nur noch beim Wegrennen gehört.

Angeklagt ist ein 42 Jahre alter Mann aus Polen, der mit seiner Überfallserie auf Supermärkte bundesweit Angst und Schrecken verbreitet hat. Bei den Taten benutzte er mehrmals seine Waffe. Im Dezember 2014 soll er den 21-jährigen Kunden in einem Supermarkt in Hannover-Stöcken erschossen haben.

Der Angeklagte ist aus Sicht der Fahnder für bis zu 43 Überfälle bundesweit verantwortlich. Gegenstand des Prozesses sind aber lediglich 24 Überfälle. Darunter Taten in Hof (3. Juni 2015) Kulmbach (10. Juni) und Pegnitz (11. Juni).

Über ein Jahr lang war er eine Phantomgestalt auf Fahndungsplakaten. Der Mann, der darauf zu sehen war, sorgte in Supermärkten im ganzen Bundesgebiet für Schrecken - und hielt die Ermittlungsgruppe „Discounter“ in Atem.

Weil der mutmaßliche Täter beim Raubzug in Hannover einen Kunden erschoss, lautet die Anklage auf Raubmord. Er ging stets nach demselben Muster vor. Zumeist als letzter Kunde legte er an der letzten geöffneten Kasse ein paar Waren auf das Band, in dem Moment, in dem die Kassiererin die Kasse öffnet, schreit er „Geld her“ und droht mit seiner halbautomatischen Ceska-Pistole.

Brutal reagierte er, wenn er nicht sofort die Scheine in seinem Stoffbeutel verstauen konnte. Mehrfach schoss er laut Anklage in den Fußboden, in die Luft oder in die Kasse. In Hamm wurde eine Kassiererin am Fuß verletzt, in Bottrop verfolgte eine Mitarbeiterin den Täter, ein Schuss prallte an der Stahlkappe ihrer Arbeitsschuhe ab.

Bei dem fatalen Raubzug am 4. Dezember 2014 in Hannover hatte der Supermarkträuber seine Beute bereits in einen Beutel gesteckt, als der 21-jährige Kunde den Laden betritt, die Situation erfasst und mit einer Tasche voll Leergut auf den Täter einschlägt. Dieser schießt, der junge Mann ist sofort tot, wie der Staatsanwalt schildert.

Die Ermittlungsgruppe „Discounter“ hatte deutschlandweit nach dem Täter gefahndet. Auf die Spur kamen die Fahnder ihm über sein Handy, das er stets eingeschaltet bei den Überfällen dabei hatte.

Anhand von DNA-Spuren konnten dem 42-Jährigen Überfälle unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Bayern zugeordnet werden. Als das Handy sich Ende Juni bei der Einreise des Mannes aus Polen ins deutsche Netz einloggte, nahmen die Ermittler ihn bei Dresden fest.

Zu den Vorwürfen äußerte er sich im Gericht nicht. Das Gericht hat sich auf ein Verfahren bis Mitte 2016 vorbereitet.

3 (1 vote)