Sübkültür kämpft um Raum

Seit 1999 gehört der Stadt das Anwesen Kämmereigasse 9 1/2. Die fraktionslose Stadträtin Christa Müller-Feuerstein drängt darauf, dass sich die Stadt um das Haus kümmert. Dass sie es saniert, zu einem Schmuckstück macht. Und damit weitere Projekte im Gassenviertel, in dem jedes zehnte Haus stark sanierungsbedürftig ist, anstößt. Sie sagt: Wie kann die Stadt Engagement privater Immobilieneigentümer erwarten, wenn sie sich nicht um ihr eigenes Haus kümmert?

Dazu kommt: Das Historische Museum, das nur ein paar Meter entfernt liegt, braucht mehr Platz. Um Ausstellungsstücke, die Bayreuth im 19. und 20. Jahrhundert charakterisieren, zu zeigen. Zum Beispiel die Modelle der Gaustadt Bayreuth, wie sie sich Adolf Hitler vorgestellt hat, sagt Kulturreferent Fabian Kern. Die schlummern derzeit in einem Depot im RW 21. Kern sagt: Wenn man sie zeigen will, kommt dafür das Erdgeschoss des Hauses an der Kämmereigasse in Frage. Daher das Konzept: Das Historische Museum soll das Haus künftig nutzen. Zumindest im Erdgeschoss. Und eine öffentliche Toilette soll dort auch hinkommen.

Einfach vor die Tür setzen? Das geht nicht.

Doch in der Kämmereigasse 9 1/2 bietet das Forum Phoinix und die Sübkültür seit über zehn Jahren alternative Kultur an. Die Oberbürgermeisterin sagt: Darauf kann Bayreuth nicht verzichten. Die Sübkültür soll bleiben können oder die Stadt müsse ihr ein anderes Gebäude anbieten. Baureferent Hans-Dieter Striedl sagt aber: Die Stadt kann das Haus an der Kämmereigasse kaum aufwendig sanieren und Flächen darin anschließend quasi zum Nulltarif abgeben. Die Stimmung unter den Stadträten im Bauausschuss ist eindeutig. Stefan Specht (CSU) sagt: Die Sübkültür einfach vor die Tür setzen, das geht nicht. Ausgerechnet jene, die das Haus belebt haben, vor den Kopf zu stoßen, das will auch Thomas Bauske (SPD) nicht. Und Stefan Schlags (Die Grünen und Unabhängigen) meint: Wenn das Historische Museum dort einzieht und die Fensterfront an der Kämmereigasse dicht macht, kommt das Gegenteil des Gewollten heraus: „Dann haben wir statt mehr Leben im Gassenviertel weniger Leben.“ Spätestens jetzt ist klar: Die Mehrheit im Bauausschuss ist mit den Plänen der Verwaltung nicht zufrieden.Also biegt die Oberbürgermeisterin die Debatte ab. Am 20. August, sagt sie, finden Gespräche mit Sübkültür statt. Die solle man abwarten. Das beschließen die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig.

Kulturinitiativen: "Die Einschläge kommen näher"

Im Zuschauerbereich des Sitzungssaals verfolgen Anja Zeilinger von Sübkültür und Alexander Stiefler vom Forum Phoinix die Debatte. Danach sagen sie: „Jetzt sind wir genau so schlau wie vorher.“ Das Positive an der Diskussion sei, dass es dabei auch um eine langfristige Perspektive für die beiden Kulturinitiativen geht, sagt Stiefler. „Denn die Einschläge kommen näher.“ Im Haushalt der Stadt für dieses Jahr war bereits Geld für Sanierungsplanung der Kämmereigasse 9 1/2 eingeplant. Im letzten Moment hat der Stadtrat den Posten wieder gestrichen. Sonst wären vielleicht schon Fakten geschaffen.

Bis zum 20. August wird der Verein, der hinter der Sübkültür steht, ein Nutzungskonzept für das Gebäude erarbeiten, sagt Anja Zeilinger. Man geht es selbstbewusst an: Sübkültür ziehe Woche für Woche mehr Besucher als das Historische Museum an. In dem Konzept sollen alle Interessen berücksichtigt werden. „Wir suchen nach einer sinnvollen Lösung. Für uns, für die Stadt und auch für das Museum.“ Warum nicht zusammenarbeiten? Mit dem Kunstmuseum, das auch gleich nebenan liegt, hat das bereits funktioniert.

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Kommentare

Eine öffentliche Toilette im Erdegeschiss - großartig!
Daher vielleicht auch der Tippfehler vom Erdgeschoss zum "Erdgeschiss".
Daher vielleicht auch der Tippfehler vom Erdgeschoss zum "Erdgeschiss".
Treffpunkt der Bayreuther Kulturszene! Welche Kulturszene?
Rausschmeißen und renovieren!