Stunden des Kleinen Hauses sind gezählt

Wenn's staubt, wird es gefährlich: Auf diesen Nenner kann man derzeit die Arbeiten in der Stadthalle bringen. Während auf den Treppen vorm Eingang Gras wuchert, sind drinnen 15 bis 20 Arbeiter zugange, reißen Holz von den Wänden, Parkett vom Boden, Waschbecken von gekachelten Wänden. Und immer wieder stoßen sie auf Stoffe, bei denen Vorsicht geboten ist: Asbest in Rohrummantelungen, Mineralfasern und bitumenhaltiger Klebstoff unterm Parkett. Bayreuth ist da kein Sonderfall - so baute man noch in den 60er Jahren.

Arbeiten bei Unterdruck

"Nicht weiter schlimm, wann man es nicht anrührt, aber bedenklich, wenn man daran arbeitet", sagt Stefan Bouillon vom Hochbauamt. Die Arbeiter im Kleinen Haus sind daher in Schutzanzügen zugange. Und bei schwachem Unterdruck, der verhindert, dass sich gefährliche Fasern vom Ort der Abbrucharbeiten aus in der Umgebung verbreiten. Auf dem Geißmarkt wiederum stehen riesige Container, in die auch eine Limousine passen würde: Holz, Metall und Keramik werden dort getrennt.

Die Arbeiten schreiten bislang gut voran, sagt Bouillon. Auch weil die Bühnenmeister dem Hochbauamt zugeordnet sind. Welche Stromkreise für welchen Bereich zuständig sind, was man abschalten muss, um dort arbeiten zu können, wie man aber gleichzeitig den Aufzug so lange wie möglich in Gang hält, um den Abtransport von Schutt und Trümmern zu erleichtern: Georg Klimek und Stefan Flaker wissen bescheid.

Die Köpfe sind weg

Über 50 Jahre lang war die Stadthalle der Mittelpunkt des kulturellen Lebens in der Stadt. Jetzt schon ist sie innen nicht mehr wiederzuerkennen. Im Vestibühl und im Treppenhaus wurde der Boden mit Grobspanplatten abgedeckt, um zu schützen, was in die neue Zeit hinüberettet werden soll. Dazu gehören auch die Bronzeköpfe in der Wandelhalle, die bereits eingelagert wurden. Möglicherweise noch in dieser Woche wird mit dem Abbau der Holzverschalung im Großen Haus der Stadthalle begonnen werden können.

Kleines Haus wird am September abgetragen

Im September werden Zaungäste auch von außen etwas erkennen können. Dann wird das kleine Haus abgetragen. "Es ist billiger, das Gebäude neu zu errichten, als das jetzige Gebäude zu sanieren und dann wegen des ungünstigen Untergrundes aufwändig abzufangen", sagt Bouillon. Das neue kleine Haus kann dann auch ztur Gänze unterkellert werden, zudem kann der Keller mit einer Wanne wasserdicht gemacht werden. Den Unterschied soll man allerdings nicht allzusehr bemerken: Was obertägig sichtbar ist, wird sorgfältig abgebaut. Die Steine werden nummeriert, für eine Rekonstruktion des alten Baus.

Stefan Bouillon sieht die Arbeiten im Zeitplan. Ende 2019 sollen die Arbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen sein, "der Betrieb soll 2020 wieder aufgenommen werden, auch in fachlicher Hinsicht ist das noch begründet", sagt Bouillon. Allerdings weiß man nicht erst seit der Elbphilharmonie, was alles passieren kann. Die neue Stadthalle wurde Anfang der 60er Jahre innerhalb der Mauern der alten Halle hochgezogen, Funde von Blindgängern darf man nie ausschließen. Noch größer wäre die Verzögerung, stieße man bei den Arbeiten im Keller der Stadthalle auf die Knochen von alten Germanen. "Würden die Archäologen etwas finden, wäre das nicht gut für die Bauzeit", sagt Bouillon.

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