Studie: Immobilien in Bayreuth günstiger?

Zusammen mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat die Postbank nach eigenen Angaben eine Studie zur künftigen Preisentwicklung erstellt. Demnach werden in mehr als der Hälfte der 401 deutschen kreisfreien Städte und Landkreise die Preise bis mindestens zum Jahr 2030 steigen. Grund für die große Nachfrage am Wohnungsmarkt seien vor allem steigende Einwohnerzahlen in den Metropolen und in Süddeutschland.

So prognostiziert der Wohnatlas 2019 für die teuerste Stadt München ein weiteres jährliches Plus von 1,5 Prozent – schon jetzt müssten dort knapp 6800 Euro für einen Quadratmeter Wohnfläche investiert werden. Bundesweiter Spitzenreiter sei Heilbronn mit einem Plus von knapp drei Prozent.

West-Ost-Gefälle

Umgekehrt: Wo die Bevölkerung eher schrumpfe, gingen auch die Immobilienpreise eher zurück. Für Oberfranken prognostiziert der Wohnatlas ein klares West-Ost-Gefälle:  In Bamberg und Forchheim steigende Immobilienpreise um bis zu 1,12 Prozent pro Quadratmeter und Jahr (Landkreis Bamberg), im restlichen Oberfranken fallende Preise. Dabei ist der vorhergesagte Wertverlust in der Stadt Bayreuth mit minus 0,56 Prozent sogar größer als im Landkreis Bayreuth (-0,04 Prozent). Immobilien im Landkreis Kulmbach verlieren demnach 1,07 Prozent, Schlusslicht in Oberfranken ist der Landkreis Hof mit 2,35 Prozent.

Nachfrage übersteigt das Angebot

Experten aus der Region kommen allerdings zu anderen Einschätzungen als die Postbank und das HWWI. Stefan Kühnlein, Immobilienmakler der Sparkasse Bayreuth, geht von mittelfristig gleichbleibenden oder sogar leicht steigenden Grundstückspreisen im Geschäftsgebiet der Sparkasse aus. In der Stadt Bayreuth sei die Nachfrage nach Immobilien seit Jahren deutlich höher als das Angebot, derzeit steige die Nachfrage stetig.  Preise in 1A-Lagen entwickelten sich positiver als in weniger gefragten Lagen, das gelte vor allem für den Landkreis. Kommunen mit guter Infrastruktur – Schule, Arzt, Nahversorgung, öffentliche Verkehrsmittel, Arbeitsplätze  – sind nach Kühnleins Einschätzung tendenziell stärker gefragt.

Markt fast leergefegt

Langfristige Prognosen hält Bernd Wehner, Immobiliengutachter für die VR-Bank Bayreuth-Hof, wegen vieler Einflussfaktoren für wenig zuverlässig. "Mit einer deutlich spürbaren Veränderung von Grundstückspreisen rechnen wir zurzeit nicht“, teilt er auf Anfrage mit. Die hohe Nachfrage in den vergangenen Jahren habe den Markt fast leer gefegt.

Keine Entspannung in Top-Lagen

Die Erschließung neuer Flächen sei nur noch beschränkt möglich und brauche Zeit. Kurzfristig sieht er im Gegensatz zur Postbank keine fallenden Preise: Das knappe Angebot werde ein Sinken der Grundstückspreise verhindern. Und in 1A-Lagen sei auch auf längere Sicht keine Entspannung zu erwarten. Bayreuth, wo viele gut bezahlte Stellen geschaffen worden seien, ziehe zahlungskräftige Neubürger in die Stadt und umliegende Gemeinden. Und dann sind da noch die Zinsen: Solange die niedrig blieben, glaubt Wehner, würden Immobilien und Grundstücke eine interessante Anlagemöglichkeit bleiben.

INFO: Für die Kaufpreisprognose wertete das HWWI nach eigenen Angaben Regionaldaten zur Bevölkerungs- und Altersstruktur, zur Haushaltsgröße, zur Einkommensentwicklung , zu Wohnausgaben und Wohnungsangebot aus und berechnete, wie sich diese Faktoren gegenseitig beeinflussen. Ergebnis ist die Kaufpreisprognose bis 2030.

 

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Kommentare

Was solche Prognosen wert sind zeigen doch z.B. solche die die Einwohnerzahlen prognostizieren.
So sagt z.B. das Bayerische Landesamt für Statistik von 2014 bis 2030 für Bayreuth einen Einwohnerverlust von ca. 3,8% voraus. 2014 hatte Bayreuth 71601Einwohner. 2016 (weiter geht dort die Statistik noch nicht) 73065 und laut Homepage Stadt Bayreuth ende 2017 sogar schon über 74700 Einwohner! Macht in weniger als 4 Jahren eine Steigerung von fast 5%. Soviel dazu.

Wenn also das Amt dort recht behalten will muß Bayreuth nun aber fleißig binnen 12 Jahren rund 6000 Einwohner (ca. 8%) verlieren ;-)
Sinn solcher Prognosen ist es, Maßnahmen zu ergreifen, damit sie - wenn sie negativ ausfallen - eben nicht so eintreffen.
Des einen Freud, des anderen Leid. Warum sollte man Maßnahmen gegen sinkende Immobilienpreise ergreifen? Wer ein Haus kaufen will, den freuen die niedrigen Preise. Wer eins verkaufen will, den freut es nicht. Das ist das ganz normale Prinzip von Angebot und Nachfrage. Und durch günstige Immobilien wird ja eine Region langfristig auch wieder für den Zuzug attraktiver - was dann wieder steigende Preise mit sich bringen dürfte.