Streik: Mehr Lohn und weniger Befristung

Zum Warnstreik am Dienstagvormittag, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, waren Angestellte der Autobahnmeistereien Trockau und Münchberg, von der Straßenmeisterei Münchberg, der Uni Bayreuth, des Staatlichen Bauamtes, der Schlösser- und Gartenverwaltung und von Bayernhafen in Bamberg gekommen. Mit Trillerpfeifen, Ratschen, Fahnen und Transparenten zog der Streiktross über den Unicampus zur Kundgebung vor die Mensa.

Auch andernsorts in Oberfranken hatte Verdi zu Streiks aufgerufen.

An der Mensa präsentierte Peter Igl, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Oberfranken-Ost, die Forderungen der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst der Länder. Im Kern geht es ihnen um sechs Prozent mehr Lohn. Daneben fordert die Gewerkschaft 90 Euro mehr pro Monat für Auszubildende sowie ein Ende von grundlos befristeten Anstellungsverhältnissen. Die Meinung von Peter Igl dazu: "Das ist eine Unverschämtheit. Das muss weg."

Während die Gewerkschafter vor der Mensa das Gespräch mit Studenten und Uni-Angestellten suchten, ging Uni-Personalrat Oliver Gschwender näher auf das Problem der befristeten Anstellungen an der Uni ein. "Es hat System, dass an der Uni Stellen befristet sind", sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Anteil der befristet Beschäftigten an der Uni sei deutlich höher als in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

Uni nicht zufällig als Ort für den Warnstreik ausgesucht

Dabei sei in vielen Fällen klar, dass die Stellen auf Dauer angelegt seien. Wenn es Gründe für eine Befristung gebe - etwa eine Schwangerschafts- oder Elternzeitvertretung - "das kritisiert niemand", sagte Gschwender. Aber in den vergangenen Jahren würden Anstellungsverträge immer öfter auch ohne solchen Anlass auf Zeit geschlossen. Das sorge bei den Arbeitnehmern für Unsicherheit in allen Bereichen.

Die Gewerkschaft hatte sich die Bayreuther Uni nicht zufällig als Ort für ihren Warnstreik ausgewählt. Denn unter den dortigen Angestellten ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad lange noch nicht so hoch, wie anderswo. So machten die Verdi-Mitglieder an der Uni auch Werbung in eigener Sache und verteilten Flugblätter zur Mitgliederwerbung.

Autobahnmeistereien mit einer großen Abordnung dabei

Mit einer großen Abordnung waren auch die Angestellten der Autobahnmeistereien Trockau und Münchberg nach Bayreuth gekommen. "Wir wollen auch die Beschäftigen erreichen, die nicht organisiert sind", sagte Andreas Held von der Autobahnmeisterei. "Wir kommen nur weiter, wenn wir uns zusammenschließen." Die Forderung von sechs Prozent mehr Lohn ist aus seiner Sicht nicht überzogen.

Held stört vor allem die steigende Zahl der befristet Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Auch bei den Autobahnmeistereien gebe es viele Saisonkräfte, die nur im Winter angestellt sind. "Richtig ist das nicht", sagt er. "Bald sind wir soweit, dass jeder drei Arbeitsplätze braucht, um seinen Kindern ein gutes Leben bieten zu können."

Bisher kein Angebot der Arbeitgeber

Sorgen macht sich Held auch um die Zukunft der Angestellten in den Autobahnmeistereien. Sein Blick schweift über die streikenden Kollegen vor der Uni-Mensa. "Das machen wir jetzt und 2019 nochmal", sagt er mit Blick auf die turnusmäßigen Arbeitskämpfe. "Dann werden wir eh privatisiert." Die Privatisierung der Autobahnmeistereien zum 1. Januar 2021 sei beschlossene Sache. Er und seine rund 30 Kollegen in Trockau gingen in eine ungewisse Zukunft.

In seiner Rede warf Peter Igl indes einen Blick auf die Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Länder, die bisher eigentlich gar keine gewesen seien. Zweimal seien die Verhandlungspartner bereits ergebnislos auseinander gegangen. "Es hat nicht einmal ein Angebot der Arbeitgeber gegeben", schimpfte Igl. Bei Verdi stellt man sich auf harte Verhandlungen mit der Gegenseite ein.

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