Strafe für Präventivschlag auf Kerwa

Am 8. Juli in der Frühe um 3.20 Uhr war es in der Bar in Glotzdorf, wie es oft ist auf einer fränkischen Kerwa um diese Zeit. Die Stimmung ist Stunden nach der Misswahl jenseits des Höhepunkts, bei einigen kippt sie. Die Alkoholpegel bei einigen Kerwagängern nähern sich den Höchstwerten.

Auch bei einem 27-Jährigen aus Weidenberg. Er hat eine normale, schlanke Figur und damals 2,4 Promille intus. Ein Polizist, der zusammen mit seinem Streifenpartner wegen der Schlägerei nach Glotzdorf gerufen wurde, sagt aus: „Schon erstaunlich, dieser Wert.“

Denn damals habe man mit dem Geprügelten gut sprechen können, „trotz der Zähne“. Die beiden vorderen Schneidezähne des 27-Jährigen waren nach schräg hinten verschoben. „Sie sind wieder festgewachsen“, sagt er vor Gericht. Mit Hilfe einer Spange sind sie sogar wieder gerade.

Für ihn ist die Sache erledigt, er will noch nicht einmal Schmerzensgeld. Als Zeuge vor Gericht sagt er aus: „Ich bin in die Bar rein und dann weiß ich kaum noch was. In der Toilette bin ich vor dem Spiegel wach geworden. Ich hatte Blut im Gesicht.“

Der Mann ging wieder hinab und fragte: „Wer war das?“ Und jemand sagte: „Der Schläger ist auf einem Motorrad abgehauen.“ Zeugen merkten sich das Kennzeichen, der Angeklagte wurde ermittelt.

Im Krankenwagen war die Erinnerung des Geschlagenen noch besser, sagt der Polizist: „Er sagte, dass er grundlos geschlagen worden sei.“

Erst amüsiert der Angeklagte sich, dann schlägt er zu

Vor Gericht bestreitet der „Schläger“: Er sei nicht „abgehauen. Ich war noch mindestens eine halbe Stunde auf der Kerwa.“ Der Angeklagte bestätigt: Ja, er habe habe den anderen niedergestreckt. Mit einer rechten Geraden. Weil der mit einem Glas in der Hand auf ihn losgegangen sei.

Der Angeklagte war nüchtern. Er traf sich mit einem Kumpel. In der Bar, so sagte er, rangelten einige Leute herum. Darunter der 27-Jährige. Der habe ihn angepöbelt. „Ich habe mich amüsiert“, erklärte der Angeklagte und als der 27-Jährige zunächst auf ihn zugekommen sei, habe er ihn weggeschoben und ihm „ans Herz gelegt, er soll mich bitte in Ruhe lassen.“ Der andere habe daraufhin gefragt: „Soll ich dir eine verpassen?“ und habe die Hand gehoben. „Er hatte ein Glas oder eine Flasche in der Hand – da habe ich ihm eine verpasst. Weil er aufgezogen hat.“ Ein Präventivschlag also, den Verteidiger Jörg Stingl als Notwehr ansieht.

Das Opfer - wohl eher betrunken als aggressiv

Doch – war der Präventivschlag erforderlich, um einen Angriff abzuwehren? Der Niedergeschlagene selbst sagt nur: „Es kann sein, dass es Stress gab, aber ich weiß es einfach nicht mehr.“

Der Präventivschlag war heftig: Ein Zeuge – er ist im Glotzdorfer Kerwaverein und war mit 0,7 Promille relativ nüchtern – stand im Moment des Treffers direkt daneben: „Ich hörte das Krachen, trotz des Lärm im Festzelt.“

Der Zeuge erinnert sich nicht, dass der 27-Jährige auf den Angeklagten losgegangen sei: „Ich sah nur, dass sie sich gegenüber standen.“ Dass der 27-Jährige aggressiv gewesen sei oder etwas anderes in der Hand hatte als einen Plastikbecher – „andere Trinkgefäße gibt es in der Bar nicht“ – kann der Zeuge nicht bestätigen.

Amtsrichter Stefan Käsbohrer genügt diese Aussage, um eine Notwehrsituation zu verneinen: „Ich glaube schon, dass er ihnen blöd kam und etwas gesagt hat. Aber gerechtfertigt war der Schlag nicht.“

Für die vorsätzliche Körperverletzung setzte der Richter eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro fest.

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