Steakalm macht zu

Am Donnerstagmorgen hat Roland Herzog sein Gewerbe bei der Stadt zum Ende des Monats abgemeldet. „Jetzt bin ich frei“, sagt er. Als er das erzählt, lächelt er und lehnt sich im Stuhl zurück. Zurücklehnen konnte er sich lange nicht. Vor 20 Jahren eröffnete er die Steakalm in Pegnitz. Sie wurde zum Anlaufpunkt für alle Schichten. Auch sozial Schwache hatten die 5,50 Euro für Schnitzel oder Steak übrig. Morgens ab 5.30 Uhr kamen die Nachtschichtler von KSB zum Frühstück, mittags die Bier-, nachmittags die Kaffeetrinker.

Es gibt keine Alternative

Um seine Stammgäste tut es Herzog leid. „Wir hatten richtig klasse Kunden“, sagt der 53-Jährige. Und die hätten in Pegnitz keine Alternative zur Steakalm. Denn es gibt keine Wirtschaft, die um 5.30 Uhr öffnet und um 18 Uhr schließt. „Die Polizei, das Krankenhaus und wir haben zu diesen Zeiten geöffnet.“ Seinetwegen allerdings tut ihm der Entschluss, die Steakalm dicht zu machen, nicht leid. Im Gegenteil

„Ich hatte zweimal lebenslänglich mit Einzelhaft“, sagt er. Zeit zum Leben blieb in den vergangenen 20 Jahren nicht. 19 Jahre lang hatte die Steakalm, wo es alles gibt, von Bäckereiwaren bis hin zu warmen Gerichten, je 365 Tage geöffnet. Kein Urlaub, kaum Ruhe. Seit einem Jahr sind Dienstag und Mittwoch Ruhetage. Eigentlich wollte er schon eher aufhören, aber irgendwas kam immer dazwischen.

An den Rhythmus gewöhnt

Herzogs Arbeitstag ist knallhart durchgetaktet: 23.30 Uhr Arbeitsbeginn, Teig- und Backproduktion, ab 5 Uhr Laden einräumen, ab 11 Uhr Mittagessen kochen, am Nachmittag Kaffeegeschäft, ab 18.30 Uhr Lebensmittel einkaufen, Buchführung bis 21 Uhr. Danach ins Bett, um ein wenig zu schlafen.

Herzog hat sich an diesen Rhythmus gewöhnt, „ich komm nicht mehr runter“. Er bezeichnet die vergangenen 20 Jahre deshalb als „Einzelhaft“, weil er während der Nachtarbeit niemanden zu Gesicht bekam. Die Backstube nennt er seine „Zelle“.

Immer etwas zu tun

Ja, ab und zu hatte er schon mal Freigang, mehr aber auch nicht. Zu tun gibt es immer was. „Ich muss schnell das eine Essen auf den Teller hauen, ich bin gleich wieder da“, sagt er und springt auf. Zu Hochzeiten hatten die Herzogs 15 Filialen und über 100 Lieferstellen – zum Beispiel Gasthäuser und Altenheime.

Herzogs Frau Simone fällt der Abschied schwerer. Seit sie 14 Jahre alt war, arbeitet sie in der Gastronomie, ein „Wirtshauskind“. „Es ist ein Job, der mir absolut Spaß macht, ich arbeite unglaublich gern mit Leuten“, sagt die 51-Jährige. Und genau die werden ihr fehlen. Denn über die Jahre wurde manch ein Stammkunde zum Freund.

Wohlverdienter Ruhestand

Mit dem Ende der Steakalm ist auch ein langes Arbeitsleben für Altgeselle Gottfried Leiß vorbei. „Mit 80 Jahren kann er endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen“, sagt Roland Herzog. Auch Simone Herzogs Mutter Erika hat immer tatkräftig mitgeholfen, genauso wie Simones Schwester und die Tochter der Herzogs. Anders waren Sonntage mit 140 Essensbestellungen nicht zu stemmen.

Bald heißt es für Roland und Simone Herzog: Auftanken. Sie haben sich ein neues Wohnmobil gekauft, es geht erst mal nach Italien. Herzog will aber weiter Gas geben. Und zwar in Teilzeit als rechte Hand seines Sohnes, Chef von Reifen Wagner. Denn so ist er auch kranken- und sozialversichert. „Ich hab endlich wieder ein normales Leben“, sagt er. Endlich wieder mal abends in die Kneipe gehen, endlich mal wieder Geburtstagsfeiern besuchen. Seine Frau freut sich darauf, mehr Zeit mit ihren Enkeln und Tieren zu verbringen. Und mit ihrem Mann. „Ich will ja nicht, dass er mit 60 in der Kiste liegt. Roland kann das nicht mehr durchhalten“, sagt sie.

Eine Riesenlücke gerissen

Bis zum 26. Juni ist noch geöffnet. Noch ist kein Mieter gefunden, der die Steakalm weiterführt. Nicht unbedingt als Bäckerei, aber als Café, Restaurant oder Bistro, so Herzog. „Wir wären froh, wenn jemand rein geht, weil eine Riesenlücke gerissen wird“, meint er.

Lesen Sie hierzu auch die Artikel Fehler in der Stadtentwicklung und Alte Schätze in der alten Scheune.

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Kommentare

Versteh ich das aus dem Abschnitt "An den Rhythmus gewöhnt! richtig ,dass dieser Herr Herzog über einen Zeitraum von 20 Jahren durchschnittlich 2,5 Stunden Schlaf pro Tag hatte.
Mal davon abgesehn das man sowas eigentlich gar nicht duchhalten kann und es schwer gesundheitsschädigend sein muß versteh ich auch ein Stück weit nicht wie man sich sowas antun kann!
Bei diesen Öffnungs- und Arbeitszeiten ist das schon schwer, hoffe das Einkommen nach Steuern war dafür entsprechend .....