Starthilfe für die Elektromobilität

Neun Monate lang haben zwei Planungsbüros an dem Konzept gearbeitet, das in der vergangenen Woche im Landratsamt vorgestellt wurde. Die Vorträge der Planer dauerten deutlich länger als geplant, sodass sich die Reihen der Zuhörer – zahlreiche Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter aus dem Kreis – schon deutlich gelichtet hatten, bis der entscheidende Punkt an die Reihe kam: Was kann der Landkreis tun, um mehr E-Autos auf die Straße zu bekommen.

96 öffentliche Ladestationen für den Landkreis

Das Konzept sieht vor, dass es schon ab dem Jahr 2018 im Landkreis Bayreuth 96 öffentliche Ladesäulen geben soll. Zwei in jeder Gemeinde mit bis zu 3500 Einwohnern. Vier in den größeren Gemeinden. Und acht Säulen in Pegnitz als größter Stadt im Kreis. Mehr müsse bis 2030, das ist der Zeithorizont des Konzeptes, bei den Ladesäulen dann nicht mehr getan werden.

Denn die Macher gehen davon aus, dass vier von fünf E-Autofahrern zu Hause laden können. Weitere zehn Prozent könnten beim Arbeitgeber Strom zapfen. Der restliche Bedarf müsse durch öffentliche Ladestationen abgedeckt werden. Detlev Schmidt von der regionalen Entwicklungsagentur geht davon aus, dass beispielsweise Einzelhändler nach und nach ein Angebot schaffen könnten, um E-Autofahrer als Kunden anzulocken.

„Das war eine sehr schlechte Veranstaltung ohne Ergebnis“

Die Krux ist aber: Der Kreis hat zwar das E-Mobilitätskonzept für 70 000 (Förderanteil Bund 56 000 Euro) gezahlt, schafft aber die Ladestationen nicht an. Das Landratsamt bündelt die Ausschreibung, um damit einen günstigeren Preis für die Ladestationen zu erzielen. Jede Gemeinde muss also für sich selbst entscheiden, ob sie dabei sein will.

Doch von dort regt sich erste Kritik. Der Kirchenpingartener Bürgermeister Klaus Wagner sagte über die Präsentation des Elektromobilitätskonzeptes in seiner Gemeinderatssitzung: „Das war eine sehr schlechte Veranstaltung ohne Ergebnis.“ Die endgültige Version des Konzeptes soll am 25. Mai vorliegen, teilt Landratsamtssprecher Michael Benz mit.

Landratsamt will seinen Fuhrpark teilen

Neben den Ladestationen für E-Autos ist das sogenannte Carsharing die zweite Säule des Konzeptes. Der Landkreis will erreichen, dass Autos – vor allem Elektromobile – nicht die meiste Zeit rumstehen, sondern auf die Straße kommen. Dafür soll es künftig ein landkreisweites Carsharing-Modell unter dem Dach eines einheitlichen Anbieters geben.

Das ist freilich noch Zukunftsmusik. Zuerst will das Landratsamt für diese Idee werben und darüber breit informieren. Und die Behörde will mit gutem Beispiel vorangehen. Der eigene Fuhrpark, der nach und nach auf Elektroautos umgerüstet werden soll, soll außerhalb der Nutzung der öffentlichen Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Der E-Auto-Markt ist schon weiter als die Bevölkerung

„Das Konzept ist breit angelegt und wegweisend“, sagt Detlev Schmidt. „Wir wollen vorangehen, ohne der Herr des Prozesses zu sein.“ Sprich: Im Landratsamt baut man darauf, dass andere dem Modell freiwillig folgen. Landrat Hermann Hübner ist überzeugt, dass es der richtige Weg ist, der Elektromobilität Starthilfe zu leisten. „Der E-Auto-Markt ist schon viel weiter, als das bisher in der Bevölkerung wahrgenommen wird.“

Gibt es eine Kooperation mit der Stadt in Sachen E-Mobilität? Tausende Menschen aus dem Kreis pendeln täglich nach Bayreuth. Detlev Schmidt sagt: „Es muss das Ziel sein, das Konzept auf die Stadt und die gesamte Region zu übertragen.“ Noch gibt es keine Zusammenarbeit.

Grundsätzlich begrüße die Stadt das Konzept, teilt Sprecher Joachim Oppold auf Kurier-Anfrage mit. „Die Nutzung von E-Fahrzeugen ist allerdings nicht zwingend von öffentlicher Ladeinfrastruktur abhängig“, sagt er. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe habe den städtischen Beauftragten für Verkehrsfragen, Günter Finzel, beauftragt, das Thema E-Mobilität voranzubringen.

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