Stärken des DHB-Teams nie gleichzeitig

Viele positive Ansätze ließ der Vergleich mit Spanien erkennen: Starke Torwartparaden, solide Abwehrarbeit, hohes Tempo, Wurfkraft aus dem Rückraum, spielerische Lösungen. Um den Weltmeister von 2013 zu bezwingen, hätte das allerdings alles gleichzeitig auftreten müssen, und das war so gut wie nie der Fall. Beim starken Beginn fehlte es an Rückhalt in der Defensive, um mit der Durchschlagskraft der Distanzwerfer Steffen Fäth und vor allem Christian Dissinger eine höhere Führung als 6:4 (6.) und 9:7 (12.) vorlegen zu können. In der zweiten Hälfte hinterließ dann die Deckung einen guten Eindruck und hatte im eingewechselten Torwart Andreas Wolff einen verlässlichen bis glänzenden Rückhalt, doch dafür reichten die spielerischen Mittel nicht aus, um gegen die robusten und routinierten Spanier mit dem ehemaligen Welthandballer Arpad Sterbik im Tor eine Wende zu erzwingen.

Dabei fehlte es an Alternativen, wenn der Rückraum nicht aus dem anfänglichen Tempo heraus abschließen konnte, sondern gegen die formierte spanische Abwehr in Schwierigkeiten kam. Das durchaus erfolgreiche Spiel über Erik Schmidt oder Hendrik Pekeler am Kreis wurde mitunter übertrieben und dadurch riskant, dafür wurden die Außenpositionen vernachlässigt. Auch die Gegenstöße wirkten nicht sicher. So ergab sich nur eine einzige Chance, den ständigen Rückstand von zwei bis vier Toren auf nur noch eines zu verkürzen: Niclas Pieczkowski scheiterte beim Stand von 26:28 an Sterbik (52.).

Entscheidende Phase vom 10:10 zum 11:18

Entscheidend blieb somit die einzige Phase, in der die Qualitäten der DHB-Auswahl alle gleichzeitig gefehlt hatten: Nach den ersten Wechseln waren Ballverluste und daraus resultierende spanische Gegenstöße dafür verantwortlich gewesen, das aus dem 10:10 (16.) ein 11:18-Rückstand geworden war.

„Ich ärgere mich über die Niederlage“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Wir hätten vielleicht etwas holen können. Wir haben gut gekämpft, auch gut gespielt. Aber es fehlten Kleinigkeiten.“ Zudem habe Spanien bei den französischen Schiedsrichtern „einen kleinen Bonus“ gehabt. Am Tag danach überwog beim Isländer aber das Positive: „Wir müssen uns nicht schämen für dieses Spiel.“

Auch Schweden mit vielen jungen Spielern

Schon im zweiten EM-Spiel wird man aber mit einem guten Eindruck nicht zufrieden sein können. Gegen die Schweden, die ihr erstes EM-Spiel der Gruppe C mit 23:21 gegen Slowenien gewonnen haben, ist ein Sieg für das deutsche Team fast schon Pflicht. Acht der Skandinavier spielen in der Bundesliga, darunter die herausragenden Torhüter Mattias Andersson (Flensburg) und Mikael Appelgren (Rhein-Neckar Löwen), aber im Blickpunkt steht auch schon eine junge und im Ausland noch weitgehend unbekannte Generation von Rückraumspielern wie Lukas Nilsson, Jesper Konradsson, Philip Stenmalm und Viktor Östlund. „Da sitzen die Schweden im gleichen Boot wie wir“, sagt Sigurdsson. „Das sind nicht alles Spieler mit 200 oder 300 Länderspielen. Das heißt aber nicht, dass die keine Qualität haben. Das sind richtig gute Spieler. Aber man hat auch gesehen, dass wie bei uns Schwankungen im Spiel sind“, befand der Bundestrainer. Gegen Slowenien war aus einer 16:9-Führung der Schweden bei Halbzeit ein 20:20 (50.) geworden, ehe hauptsächlich Andersson den Sieg ins Ziel rettete.

Statistik

Deutschland: Lichtlein (Gummersbach), Wolff (Wetzlar) – Sellin (Melsungen) 1, Lemke (Magdeburg), Reichmann (Kielce/Polen) 5/3, Wiede (Berlin) 1, Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) 2, Weinhold (Kiel) 3, Strobel (Balingen), Schmidt (Hannover) 4, Fäth (Wetzlar) 4, Dahmke (Kiel) 1, Ernst (Gummersbach), Pieczkowski (Lübbecke) 2, Dissinger (Kiel) 6, Kohlbacher (Wetzlar).

Spanien: Sterbik, Perez de Vargas – Gurbindo 2, Maqueda 3, Tomas 6, Entrerrios 1, Aguinagalde 1, Ugalde 1, Canellas 3, Morros 1, Garcia 1, Rivera 7/3, Guardiola 3, Mindegia, Del Arco 3, Dujshebaev.

Strafminuten: 8/14; Rote Karte: Maqueda (30. – grobe Unsportlichkeit; SR: Pichon/Reveret (Frankreich); Zuschauer: 5000.

Mit Material von dpa

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