Stadtwerke haben Sicherheit schriftlich

Es geht um die Sicherheit der Anlagen, der Kunden und der Mitarbeiter. Darum betont der bei den Stadtwerken für das Netzmanagement zuständige Klaus Markolf auch: "Wir haben auch bisher alle Regeln eingehalten und ordentlich gearbeitet." Doch ebenso ist er sich mit Geschäftsführer Jürgen Bayer einig: "Man kann immer etwas verbessern." Und deshalb habe man sich dem Zertifizierungsprozess gestellt, der immerhin 50 000 Euro plus Investitionen kostete und ein gutes Jahr und die Aufmerksamkeit eines 15-köpfigen Projektteams in Anspruch nahm. Der abschließende Prüfprozess durch den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der als eine Art Tüv der Branche agiert und die von den Aufsichtsbehörden anerkannte Prozedur allein in Bayern etwa zehnmal pro Jahr durchführt, nahm noch einmal vier Tage in Anspruch.

700 Fragen

Dabei war die Bandbreite groß, 700 Fragen mussten abgearbeitet werden. Sind alle nötigen Ausrüstungen vorhanden, haben alle Mitarbeiter die nötigen Fortbildungen gemacht und können sie alle wichtigen Dokumente auch von unterwegs am Tablet abrufen? Sind alle sicherheitsrelevanten Stellen auch besetzt und sind die Zuständigkeiten klar? Aber auch die Frage, ob es Unbefugten gelingen könnte, in Anlagen der Stadtwerke einzudringen. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel bei einem der Schalterhäuser der Zugangsbereich unter anderem mit einem Zaun zusätzlich gesichert wurde.

Elektronische Dokumentation

Nachholbedarf gab es aber vor allem auch im Bereich Dokumentation. So habe die Zertifizierung auch dazu geführt, dass für diesen Bereich ein elektronisches System angeschafft wurde. Markolf: "Jetzt gilt bei uns: Nur was aufgeschrieben oder abgehakt ist, das wurde auch gemacht. Früher wurde das oft mündlich weitergegeben und war damit eine mögliche Fehlerquelle." Den sicherheitsrelevanten Vorteil für den Kunden erklärt Markolf an folgendem Beispiel: "Jetzt gibt es etwa ein Formular, in das unsere Mitarbeiter Unregelmäßigkeiten eintragen, die ihnen bei Prüfungen auffallen - etwa ein verrostetes Gasrohr. Wie bisher bekommt auch der Kunde einen entsprechenden Hinweis, doch jetzt wird nach einiger Zeit automatisch nachgefragt, ob der Schaden auch behoben wurde."

Von anderen profitiert

Stadtwerke-Geschäftsführer Bayer sagt, ihm sei vor allem auch der Wissenstransfer durch den Prüfprozess wichtig. "Die Prüfer haben ja jede Menge Erfahrung und können auch Ideen aus anderen Unternehmen einbringen." Einer dieser Prüfer ist Bernd Traue. Er hält es für ein Zeichen "guter Unternehmenskultur, sich im Laufe eines solchen Projekts bewusst auch mit eigenen Fehlern auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen". Eine Note wurde am Ende nicht vergeben, "aber die Stadtwerke Bayreuth sind aus unserer Sicht mit ihrem technischen Sicherheitsmanagement auf einem guten Weg".

IT: 100 Angriffe pro Tag

Zumal es sich laut Bayer um einen dynamischen Prozess handelt, allein schon, weil das Zertifikat nur fünf Jahre gelte. Außerdem laufe bei den Stadtwerken noch bis Anfang 2018 ein ähnliches Projekt für den IT-Bereich, das zudem noch kürzeren Fristen unterworfen ist. Kein Wunder bei rund 100 Angriffen von außen - jeden Tag.

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