Stadtrat gibt Parteibuch ab

Einen Tag, nachdem CDU, CSU und SPD sich für Frank-Walter Steinmeier als gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt ausgesprochen hatten, verschickte der Hollfelder Stadt- und Kreisrat ein Fax in dreifacher Ausfertigung. An Ortsverband, Kreisverband und Landeszentrale der CSU. Inhalt: Sein Austritt aus der Partei. Röhm sagt: "Wir Konservativen haben ja keine Alternative mehr."

"Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren"

Entscheidend sei das Verhalten der CSU in Berlin gewesen, nicht das in München oder in der Region, darauf legt Röhm Wert. Aber es gebe eben nur diese eine CSU, nicht eine für den Bund und eine für die Region, und mit der könne er sich als Erzkonservativer, als Politiker rechts der Mitte, wie er sich selbst bezeichnet, nicht mehr identifizieren.

"Steinmeier ist für mich eine persönliche Niederlage"

Der 41-Jährige sitzt nicht nur für die CSU im Hollfelder Stadtrat und ist Fraktionssprecher der Jungen Liste im Kreistag. Er ist auch der Regionalsprecher des Konservativen Aufbruchs, einem von der CSU nicht anerkanntem Interessenverband erzkonservativer Christsozialer. Und als solcher habe er in letzter Zeit nicht mehr ruhig schlafen können. "Wenn Merkel und Seehofer Steinmeier so gut finden, dann sollen sie doch die Partei wechseln", sagt Röhm. Für ihn persönlich sei Steinmeier eine Niederlage. Er hätte sich einen konservativen Kandidaten gewünscht, auch auf die Gefahr hin, dass dieser Scheitern könnte. Edmund Stoiber zum Beispiel, oder jemanden aus der freien Wirtschaft.

"Hochgeschleime und Geschacher um Posten"

So aber, sei er wieder einmal Zeuge einer Politik geworden, die in Hinterzimmern gemacht werde. Röhm sprich von "Hochgeschleime" und einem "Geschacher um Posten" und sagt: "So eine Politik trage ich nicht mehr mit."

Er sei konservativ erzogen worden, seine Eltern immer politisch interessiert gewesen, hätten aber nie einer Partei angehört. 1998, Gerhard Schröder (SPD) war gerade Bundeskanzler und Rudolf Scharping und Joschka Fischer die Verteidigungs- und Außenminister, sei Röhm erstmals im Büro der CSU in der Bayreuther Wölfelstraße vorstellig geworden. Aus Protest, wie er heute sagt. Damals war Röhm 23 Jahre alt und damals wie heute sei er von Personalien enttäuscht gewesen. Zehn Jahre später saß Röhm für die Junge Liste im Kreistag, 15 Jahre später für die CSU im Hollfelder Stadtrat.

"Nie mehr Partei"

In letzterem, wo die Fraktion CSU/Offene Liste heißt, wolle er auch ohne Parteibuch weiter Politik machen. In der Fraktion der jungen Liste im Kreistag, wo mit dem Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär ein weiterer Parteiloser vertreten ist, sowieso. Zumindest vorerst. Die nächste Kommunalwahl findet im Jahr 2020 statt. Was dann passiert, weiß Röhm noch nicht. Nur eins sei sicher: "Nie mehr werde ich in irgendeine Partei eintreten. Nie mehr werde ich mich auf diese Ochsentour begeben", sagt Röhm. Jetzt könne er wenigstens wieder ruhig schlafen.

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Kommentare

Respekt vor dieser Entscheidung und Glückwunsch dazu! Die CSU wird immer mehr zu einer Linkspartei und ist mittlerweile der Steigbügelhalter für Kanzlerin Merkel. Es geht wie immer in der "großen" Politik nur um Macht und letztendlich darum, dass die eigenen Taschen schön gefüllt bleiben. Zum kotzen ist das!
Das ist ja mal ein kleiner Paukenschlag. Aber der Mann hat doch auch Recht. Was soll man in einer Partei, wenn man deren Positionen, deren Vorgehen in Berlin nicht mehr mittragen kann?!? Ich finde seine Entscheidung ehrlich und konsequent. Und man kann auch OHNE Parteibuch gute Kommunalpolitik machen, finde ich.
Respekt....
... die AfD wäre doch was für dich. Da kannst noch Karriere machen :)
Die AfD ist doch keine Lösung. Besser wäre es, die linksgerichtete Kanzlerin abzusägen. Das Bundesregierungsschiff ist längst vom Kurs abgekommen und steuert mit voller Fahrt Richtung Crash!
Sehe ich ebenso wie Basti15. Die AfD ist nicht die Lösung. Es wäre viel wichtiger, dass die Regierenden wieder mehr aufs Volk hören, die Nöte und Sorgen aufnehmen und ernsthafte Lösungsansätze erarbeiten. Dann braucht es auch eine AfD nicht, die eh nur wenn aus Protest gewählt wird. Die Volksparteien nebst dieser Bundeskanzlerin sind doch das Problem, weile diese nicht aufs Volk hören und machen, was sie wollen und nicht, was das Volk möchte.
Wenn es nach _dem_ Volk ginge, müsste wohl die Todesstrafe wieder eingeführt werden. Pfui Deifl!
So ein Quatsch Seismosaurus! Politik sollte doch lediglich dem Menschen Gehör schenken und die Nöte und Sorgen der Menschen erkennen. Das heißt doch nicht, dass alles was draußen gefordert und gepoltert wird auch gut ist und politisch umgesetzt werden muss. Glaube, dass Du da was falsch verstanden hast ;)
Denk mal intensiver nach, vielleicht klappt es dann mit dem Begreifen.
Quatsch ist doch eher das, was Herr Röhm oder Basti15 hier erzählen wollen.
Erzkonservatismus führt zu Zuständen wie vor 100 Jahren.
Naja Seismosaurus. Lieber einen gesunden Konservatismus, wo noch Werte und Realismus zählen, als einen sozialistischen Einheitsbrei aus SPD, Grüne und CDU mit Tolerierung durch die CSU. Wo das hinführt erleben wir zur Zeit und werden es noch bitter ausbaden müssen.
Was den Georg Röhm auch zum Austritt bewogen haben könnte,
ist die durchgedrehte Ansicht der Merkel, Vorsitzende einer Weltmacht zu sein:

„Deutschland ist in der Lage, die Ordnung in der Welt aufrecht zu erhalten“

Das ist das gute an öffentlichen Auftritten,
dass es immer wieder zu unfreiwilligen Selbstoffenbarungen kommt.
Die jahrelange FDJ Kaderschulung lässt sich einfach nicht „wegwischen“.
Hier ein freudscher Versprecher, der selbst Obama blass werden lässt:

"Dafür bin ich damals in der DDR nicht froh gewesen,
dass das Volk dann was zu sagen hatte, nachdem es Jahrzehnte das nicht hatte…“