Stadthalle: Nix ist fix

Die Katze ist aus dem Sack, 44 Millionen Euro sollen Sanierung und Umbau der Stadthalle kosten. Diese Schätzung verkündete Hochbauamtsleiter Stefan Bouillon bei der Sitzung des Bauausschusses. Und sandte damit Schockwellen aus. "Wir  haben nicht Juhu geschrieen, Herr Striedl (der Leiter des Baureferats, Anm. der Red.)  und ich", sagte Bouillon, "aber das ist leider das Maß der Dinge."

Auf Nachfrage des Kuriers nannte Bouillon gestern auch einen groben Zeitplan. Wie bereits bekannt, soll die Halle Ende Januar 2016 geschlossen werden. Die Verjüngungskur wird die Halle für vier Jahre lahmlegen, erst 2020 soll sie wieder eröffnet zu werden. "Die Stadthalle ist so etwas wie ein guter alter Freund. Wenn es dann so ist, dass man sie noch wiedererkennt, sie aber irgendwie doch verjüngt ist - dann wird es super", sagte Bouillon.

Wie hältst du's mit der Akustik?

Seit dem Architektenwettbewerb und dem Zuschlag für das Büro Knerer + Lang vor einem Jahr sind die Planungen zumindest in Umrissen bekannt. In Erz gegossen sind sie nicht. Ebenso wie die Kostenschätzung und der Zeitplan. Weil offenbar noch Klärungsbedarf herrscht. Deswegen hatte trotz scharfer Kritik am bisher bekannten Mehrzweck-Konzept die CSU im Stadtrat zugestimmt. Ebenso die Grünen, die zuvor noch Nachholbedarf im Großen Haus geltend gemacht hatten. Nun, so der Auftrag der Stadträte an die Fachleute in der Verwaltung, soll weiter geplant und geprüft werden, nicht zuletzt, was Akustik und Sichtbedingungen im Großen Haus betrifft.

Ob darin Verbesserungen erreicht werden können, ist für CSU-Fraktionschef Stefan Specht die "Gretchenfrage". Er sähe das Große Haus der Stadthalle gern als reinen Konzert- und Theaterraum, "am liebsten mit einem fest eingebauten, ansteigenden Auditorium". Die derzeit noch eingebaute Hubmechanik sei schlecht für die Akustik und müsse überhaupt genau geprüft werden - vor Jahren war sie schon mal als marode eingestuft worden. "Ich gehe davon aus, dass mehrere Varianten geprüft werden", sagte Specht. Ein festes Auditorium müsse im übrigen nicht das Ende der Bälle bedeuten. Auf der Bühne und der neuen Seitenbühne entstehe neu nutzbarer Platz. Desgleichen im Kleinen Haus, das künftig je nach Bedarf in mehreren kleinen Räumen oder auch als großer Saal zu nutzen ist. "Es ist grob irreführend, wenn man sagt, ein fest eingebautes Auditorium schließe eine solche Nutzung aus", sagt Specht. 

Im Unterschied zu den CSU-Kollegen setzt Stefan Schlags von den Grünen klar auf eine Mehrzwecknutzung mit Kongressen und Tagungen. Aber auch klar auf eine "Priorisierung von Musik". Kompromisse müsse man schließen sagt er, aber auch genau hinschauen, "auch, wenn es fürs Große Haus dann ein Jahr länger dauern sollte". Jedenfalls werde seine Fraktion nächste Woche einen eigenen Vorschlag vorlegen.

Viele Unwägbarkeiten

Dass es noch einige Male hin und her gehen wird, davon ist auch Stefan Bouillon überzeugt. Es gebe immer viele Unwägbarkeiten, vor allem, wenn das Gebäude so alt sei wie die Stadthalle. Auch für Kosten von 44 Millionen Euro könne niemand garantieren. Weil eben niemand wisse, ob nicht unerwartete Altlasten auftauchten oder wie marode das Bauwerk wirklich sei. "Wir haben Probebohrungen genommen, aber wir können natürlich keinen Schweizer Käse aus der Stadthalle machen", sagt er. Auch Inflation und andere Unbekannte in der Rechnungen trieben Kosten in die Höhe, "wie das gehen kann, haben wir bei Haus Wahnfried gesehen". Dort sind die Kosten von rund 15 auf rund 20 Millionen Euro gestiegen.

So will Christa Müller-Feuerstein ihre Warnung vor einem "Waterloo" in der Sitzung des Bauausschusses als "Mahnung" verstanden wissen. "Wir müssen aufpassen, dass uns nicht die Kosten davonlaufen." Gleichwohl ist die SPD-Stadträtin überzeugt, dass die Stadthalle "zukunftsfähig" sei, "wir müssen sie eben so sanieren, dass sie ein Schmuckstück für Bayreuth wird".

Manchmal gibt es ja auch unerwartete Kosten, denen man überhaupt nicht aus dem Weg gehen will, sagt Bouillon. Wie etwa bei Details der Villa Wahnfried. "Der Stuck, die Farben - das ist ein Traum", sagt er. "Das sind 60 000 Euro, mit denen hatte niemand gerechnet. Doch dieser Effekt ist jeden Euro wert."

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Kommentare

die sollen sich ruhig etwas Zeit lassen. Am Ende eines jeden Baubooms sind noch immer die Baupreise wieder gesunken.
Das Thema Sanierung Stadthalle war schon Thema, als noch Mronz OB war, nämlich seit 2000. 15 Jahre später nach CSU-OB Hohl und mittlerweile BG-OBin Merk-Erbe gibt es noch immer keine konkreten Zielsetzungen. Fest steht nur, dass mit dem Haus etwas passieren MUSS. Für alles andere fehlt es offenbar an Mut oder an Entschlossenheit. Allerdings spiegelt das auch die unterschiedlichen Meinungen der Bürger wider, die ebenso uneins über diese Frage sind.
Wenn 44 Mio. veranschlagt werden, kann man sicherlich mit realen Kosten von 50 - 60 Mio. rechnen. Und für das Geld könnte man eine Multifunktionshalle und eine Konzerthalle bauen.
Natürlich bleibt die Stadhalle als denkmalgeschütztes Bauwerk das vor sich hinverfällt ein Problem. Trotzdem: In dieser Lage, mit dieser Größe und Ausstattung hat das Haus einfach keine Zukunft.
@BBer

Zu 100% meine Meinung. Veranschlagt 44 Millionen. Am Ende dann sicher um oder über 50 Mio. und unterm Strich nix halbes und nix ganzes.
Es fehlt der Mut etwas neues zu bauen. Denn für das Geld bekommt man ein Super Theater das auch wirklich den modernen Anforderungen entsprechen würde!

Aber das ist Bayreuth. Erst passiert viele viele und nochmal viele Jahre nix und dann kommt am Ende sowas dabei raus. Beim Stadion z.B. scheint man ne ähnliche Murkslösung anzustreben!
44 Millionen; ein Haufen Schotter. Aber die Kostenaufteilung muss man sich auch einmal zu Gemüte führen; letztlich ist ja nur ein Teil der Gesamtsumme reine Baukosten:

Bau-Nebenkosten; Planungs- und Fachprojektantenkosten: 27% -> 11,88 Mio
Baukosten: 25% -> 11 Mio
Haustechnik (Heizung/Lüftung/Sanitär/Elektro): 35% -> 15,4 Mio
Bühnentechnik: 8% -> 3,52 Mio
Ausstattung: 5% -> 2,2 Mio
In der Summe 44 Mio. (Die Anteile sind Schätzwerte, die aus recherchierten Werten abgeleitet wurden)

Selbst wenn die Stadt ein neues Haus bauen würde, wäre zu klären, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude passieren soll. Und auch Rückbau kostet Geld. Die Thematik lässt sich sicher nicht mit zwei Kommentarsätzen lösen.

@BBer: In dieser Lage, mit dieser Größe und Ausstattung hat das Haus einfach keine Zukunft.
Da bin ich anderer Meinung. Selbst die mittlerweile hochbetagte Stadthalle ist ausgelastet und wurde auch über die Jahre (bühnen)technisch aufgewertet, um den Wünschen der Veranstalter so gut wie möglich gerecht zu werden. Ob die Größe des Hauses nun problematisch ist, ist eine subjektive Einschätzung. Ob Bayreuth mit rd. 72.000 Einwohnern ein größeres Haus braucht, naja.
Die Lage der Stadthalle neben dem Hofgarten ziemlich im Stadtzentrum finde ich jetzt eigentlich ideal, da auch fußläufig erreichhbar. Welche Lage würden Sie für eine Stadthalle vorschlagen und warum?
> Selbst wenn die Stadt ein neues Haus bauen würde, wäre zu klären, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude passieren soll.

Das ist wohl das Problem... Da das Haus ja als Stadthalle denkmalgeschützt ist, müsste es wohl auch als solche erhalten werden. Denn soweit ich weiß, besteht der Denkmalschutz ja auch und vor allem auf die Innengestaltung. Das heißt, saniert werden müsste auf Grund der Baufälligkeit sowieso, egal ob man noch ein hochmodernes Kongress-Konzert-Theater-Veranstaltungsgebäude irgendwo anders baut. Warum dann nicht das Geld für den Neubau sparen und die sanierte Stadthalle wieder sinnvoll als Stadthalle nutzen?
Nun, allein das Thema Auslastung kann man ja hier seitenweiße diskutieren. Meiner Meinung nach gibt es eine überschaubare Anzahl an Events, die auch wirklich ausverkauft sind, spontan fallen mir der Ball der Stadt und der Fasching ein, zusätzlich der eine oder andere Showact (wahrscheinlich z.B. auch Dieter Nuhr). Dafür gibt es genügend Veranstaltungen, die nur sehr mangelhaft besucht sind. Da fallen mir div. Veranstaltungen im Doppeljubiläumsjahr ein, wo glaube ich keine mit mehr als 30% besucht war.
Internationale Events (und mittlerweile auch überregionale) laufen ja schon an der OFRA vorbei, an der Stadthalle sowieso. Nur wird man den Spagat zwischen regionaler Kleinkunst und (gewollter) überregionaler Bedeutung mit dieser Halle nicht hinbekommen. Das Feld der Hallen in dieser Größe und mit moderner Ausstattung ist selbst in unserer näheren Umgebung gut besetzt, fast jeder Landkreis in unserem Regierungsbezirk kann etwas gleichwertiges aufbieten.
Ich würde - wenn Wunschkonzert ware - nur das große Haus erhalten und hier entsprechende Möglichkeiten zur Nutzung als Theater- und Konzertbau.
Zusätzlich eine Multifunktionshalle in Autobahnnähe (leider haben ja die Stadträte mit Logistikfunktion sich schon das Filetstück gekrallt), in der Oberfrankenhalle die Tribünen raus und für den Breitensport umbauen (Turnhallenknappheit haben wir ja auch noch) oder ganz abreißen und den Grund veräußern. So viel mehr als diese Sanierung der Stadthalle, 44 Mio. + x kann das auch nicht kosten, v.a. wenn sowas als PPP Projekt realisiert wird.
Bei Ihrem Vorschlag wären dann in der neu zu schaffenden Multifunktionshalle folgende Veranstaltungen:
Ball der Stadt, Abschlussbälle der Schulen, A Capella Nacht, Diverse Tagungen, Ausstellungen, Messen, Börsen, Pop-Konzerte. Ungeklärt die Frage nach den Punktspielen der Basketballer.
Die Nähe zur Autobahn wäre Fluch und Segen gleichermaßen: Die Innenstädter sind wohl kaum bereit, extra mit dem Auto von Bayreuth nach Bayreuth zu fahren, einen (u. U. kostenpflichtigen) Parkplatz zu suchen und dann noch den Abend lang Alkoholfrei bleiben, um auch wieder nach hause zu kommen.
Des weiteren müsste die Multifunktionshalle schon enorme Ausmaße haben, um auch parallele Veranstaltungen abhalten zu können, da sonst wohl kaum eine Attraktivitätssteigerung gegenüber einer sanierten Stadthalle zu verzeichnen wäre.
Fazit: Ein guter Alternativvorschlag mit Schwächen.
Ich denke eher Abschlußbälle, Ball der Stadt und dergleichen könnten in einer aufs nötigste sanierten Stadthalle bleiben. Siehe meinen ergänzenden Vorschlag was eine neue Multiarena angeht.
Was die Wege angeht. In anderen Städten liegen die Hallen/Theater auch nicht (immer) in bester Innenstadtlage und soooo groß ist Bayreuth ja nicht als dass man Veranstaltungsbesuchern 3,4 oder auch mal 5 km innerhalt der Stadt zumuten könnte!
Das scheitert doch wieder schon alleine an einer dann notwendigen flexiblen Bestuhlung des Zuschauerraumes. Und dann wäre auch die von BBer angedachte reine Konzert- und Theaternutzung vom Tisch, ergo dann zwei Multifunktionshallen. Auch nicht zielführend.
Zum einen hat es die Stadt geschafft, einen privaten Investor für ein Kongresszentrum zu vergraulen (obwohl es ja immer heisst es gebe hier ja keine Investoren). Tagungen und kleinere Veranstaltungen hätten durchaus auch dort stattfinden können. Chance verpasst.
Zum anderen wäre erstmal interessant, wie stark eine Stadthalle überhaupt belegt ist. Dadrüber hört man ja auch nicht wirklich was. An öffentlichen Veranstaltungen finden im Februar ganze 7 (!!!) Events statt, von denen ich mal behaupte das nur die Mohrenwäscher-Prunksitzung voll sein wird. Alle anderen "Events" könnte man wahrscheinlich - zumindest von der Größe des Auditoriums - auch im Zentrum stattfinden lassen.
Was ja wohl keiner will, ist eine sanierte Stadthalle mit 10 Events pro Monat mit im Schnitt 40% Besuchern. Dann hat Bayreuth alles falsch gemacht, was es falsch machen kann.
Zur Belegung der Stadthalle: Na klar gibt es da Informationen. Einfach mal ins Programmheft der Stadthalle schauen.
Gerade zur Faschingssaison gibt es dauernd Veranstaltungen - allerdings für verschiedene Zielgruppen: Kurier-Kinderfasching, Seniorenfasching, Fasching für Menschen mit Handycap, Sportlerfasching.
Ob der Polizeiball auch dort stattfindet, weiss ich nicht.
Im Sommer steht klar Wagner im Vordergrund mit Einführungsvorträgen im kleinen Haus und Proben/Konzerte Großes Haus Festival Junger Künstler.
Ein paar Tage vor und nach dem Fasching ist kurz ruhe - der Deko wegen (muß auf- und abgebaut werden). Weihnachten sind generell kleines Haus Märchenvorstellungen für Grundschulen und Kindergärten. Highlights wie das "Kochduell" in der Wandelhalle, Aufführungen des Hofer Theaters (Auf- und Abbauzeiten nicht vergessen), Bamberger Symphoniker, diverse Auftritte von lokalen Künstlern.

Ich empfehle den Besuch folgender Seite:
www.stadthalle-bayreuth.de
@BBer

Wäre eigentlich die beste Lösung. Man spart sich den Neubau der neuen großen Dreifachturnhalle und gestaltet die OFRA um. Da muß man gar nix groß rausreißen da Teleskoptribünen. Das würde auf diesem Sektor eine große Entlastung bringen und die Halle könnte zumindest noch für kleinere Veranstaltungen weiter genutzt werden.
Das großteils eingesparte Geld der wegfallenden neuen Dreifachturnehalle fließt in eine Sanierung der Stadthalle um sie so wenigstens weiter nutzbar zu machen, ebenfalls für kleinere Veranstaltungen.
Und die 44+ Mio. nimmt man für den Bau einen neuen zweckmässigen Multifunktionsarena die auch wieder große Vernastalltungen nach Bayreuth locken könnte und obendrein das Problem der Basketballer von medi über kurz oder lang eine größere und vorallem moderere Halle zu brauchen ebenfalls lösen würde.

Aber soviel Weitsicht kann man in Bayreuth nun wirklich nicht erwarten!
Nimmt man das Beispiel der neuen Halle in Ulm (die sicherlich eine Nummer zu groß für Bayreuth wäre).
Diese Halle hat 28 Mio. gekostet, gemeinsam mit einem privaten Investor (der vielleicht in Bayreuth nicht so leicht zu finden wäre oder aber nicht soviel investieren würde) hat das die Stadt Ulm 15 Mio. Euro gekostet.
Mir ist völlig klar das eine Multifunktionshalle nicht das bietet wie das große Haus (kein Schnürboden, kein Bühnenturm, usw.). Aber was bringt uns eine Sanierung dieser Halle für die dreifachen Kosten wie das Beispiel in Ulm? Bekommen wir dadurch neue oder andere oder mehr Events? Ich bezweifle das stark. Und so eine Summe nur für eine Bestandserhaltung? Welcher Stadtrat kann bei sowas zustimmen?
Und schon haben wir den Geldgeber gefunden: Die Firma medi
... guter Vorschlag, TOM61 !!!
medi baut doch schon den Basketballern ne neue Halle ;-)
Wie wäre es mit einer "WEDLICH"-Halle?
Wedlich Halle? Die schaffen es ja nicht mal ihr Logistikzentrum auf das sie so gepocht haben zu erschließen!!
Der gute Vorschlag von TOM61 hätte noch als sehr positiven Nebeneffekt, dass mit der neuen Halle gleich eine Ausweichspielstätte für die Zeit der Stadthallensanierung existieren würde.
Außerdem könnten gleichermaßen der Charme der zentralen Stadthalle (z.B. für Bälle etc.) erhalten werden und eine wettbewerbsfähige tolle Halle entstehen, die wieder zeitgemäße größere Veranstaltungen in BT ermöglichen würde.
Wir können doch nicht tatenlos zusehen, wie die Nachbarstädte uns die Butter vom Brot klauen. Wenn BT schon nicht agiert, muss es wenigstens REAGIEREN! Was waren das früher noch für überregionale Veranstaltungen in der Oberfrankenhalle, die Leute nach BT gebracht haben. BA und sogar HO haben uns das incl. Personal abgeluchst - seitdem hat hier im Rathaus keiner auch nur ansatzweise darauf reagiert ...