Stadthalle: Immer wieder Überraschungen

Haps! Und wieder graben sich die stählernen Zähne in Mörtel, Ziegel und Holz. Der eiserne Hals spannt seine hydraulischen Sehnen, der Kopf ruckelt und fährt dann in einem Sprung zurück, einen Schleier aus Staub hinter sich ziehend. „Wie ein Dinosaurier“, sagt Urte Kelm, die als Stadtbaureferent in sicherlich öfter schon Bagger bei der Arbeit beobachtet hat. Aber halt selten so eindrucksvoll wie beim Abtragen des Kleinen Hauses der Stadthalle.

Dach und westliche Wand sind schon abgetragen, die Treppe scheint frei zu schweben, im abgesperrten Bereich des Geißmarktes liegen Sandsteinquader des Kleinen Hauses auf Europaletten gestapelt, ein jeder mit einem roten Plastikschildchen mit Nummer darauf versehen: damit er beim Wiederaufbau an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Bis dahin werden die Steine in Polen zwischengelagert werden. In Polen? Warum in Polen? Sache des Auftragsnehmers, sagt Urte Kelm, der habe für sich ausgerechnet, dass sich das innerhalb des vereinbarten Kostenrahmens rechne.

Ein Bühnenbild für den "Ring"

Atemberaubend sind die Veränderungen im Inneren des Stadthallenkomplexes. Verschwunden sind die Holzverkleidungen, zum ersten Mal seit Jahrzehnten liegen die Sandsteinmauern der alten markgräflichen Reithalle bloß. Die Decke ist entfernt, das Dach mit daran aufgehängten Wartungsstegen wölbt sich wie ein ungeheures Zelt über die Halle. Der Fußboden ist längst rausgerissen, die Gräben für die Hydraulik im hinteren Teil der Stadthalle und den Orchestergraben klaffen. Als sei die Stadthalle von Schluchten durchzogen, so wirkt das vom Rang aus. Ein Arbeiter durchtrennt darunter mit dem Schneidbrenner Eisenarmierungen, der Funkenflug erhellt das Halbdunkel, die Stadthalle wirkt wie ein Bühnenbild für den „Ring“.

Im Bereich der ehemaligen Handwerkskammer, dort, wo sich künftig das Foyer des Balkonsaals befinden wird, sind Estrich und Putz entfernt wie überall sonst in der Stadthalle auch. Über einen Raum ruhen riesige Stahlträger, eine Überraschung für die Leute vom Fach. Bei barocken Bauten wisse man, wo man ist, sagt Projektsteuerer Stefan Bergmann,. „Aber hier...“ fährt er fort und weist auf eine nackte Wand. Schon klar: Vor allem seit 1945 wurde immer wieder mal nachgeflickt. „Das erfordert situationselastisches Bauen“, sagt Bergmann. Hochbauamtschef Stefan Bouillon, späht nach den flachen Schwalbenschwanzziegeln, die den viele Hundert Kilo schweren Trägern als Auflage dienen. „Hält aus Gewohnheit, sagen da die Statiker.“ Die Stadthalle und ihre Überraschungen: Normalerweise freue man sich als Architekt ja aufs Bauen, sagt Bouillon noch. „Aber hier ist schon der Rückbau spannend.“

Bislang ist man offensichtlich im Zeitplan. Soll es so weitergehen, können die Bayreuther nicht allzu viele Überraschungen brauchen.

Wie steht's mit dem Konzept für die Halle?

Im November vergangenen Jahres hat der Stadtrat ein Nutzungskonzept für die sanierte und modernisierte Stadthalle beschlossen, das grundsätzlich definiert, welche Kultursparten in dem historischen Gebäude künftig angeboten werden sollen. Auf den Weg gebracht ist inzwischen ein Betriebskonzept, dessen Ausschreibung derzeit verwaltungsintern vorbereitet wird. „Wir versprechen uns hiervon weiterführende Erkenntnisse für eine optimale Organisationsstruktur des künftigen Stadthallenbetriebs“, sagte Merk-Erbe. Der Stadtrat hat dafür 50.000 Euro freigegeben. Voraussichtlich im Frühjahr sollen Ergebnisse vorliegen.

 

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