Stadthalle: Ein Weltstar soll es richten

Auf dem Podium: Robert Baums, der stellvertretende Vorsitzende der Kulturfreunde. Des Vereins also, der einer der wichtigsten Mieter der Stadthalle war und des Friedrichs-Forums sein wird. Dazu Clemens Lukas vom Veranstaltungsbüro Kulturpartner und Udo Schmidt-Steingraeber, Chef der Klaviermanufaktur Steingraeber. Im Publikum: zahlreiche Kulturschaffende der Stadt. Darunter Veranstalter und Musiker Cornelius Sturm, Opernregisseur Stephan Jöris, Kulturamtsleiterin Gabriele Röhler und Kaspar Schlösser vom Jazz-Forum. Einzig die Zahl der anwesenden Stadträte ließ bei der bereits zweiten Veranstaltung dieser Art zum zweiten Mal zu wünschen übrig. Den Weg in das Kunstmuseum hatten nur Elisabeth Zagel (SPD), Stefan Sammet (Bayreuther Gemeinschaft) und Norbert Aas (Grüne) gefunden.

Kritik auch an der Stadt. Die Stadthalle Bayreuth, einst Flaggschiff der Region, in dem Bamberger und Hofer Symphoniker ihre Premiumprogramme früher zeigten als in der Heimat, sei schon seit den 90er Jahren sanierungsbedürftig gewesen. „Am Ende war sie versifft und verranzt. Der Name ist verdreckt. Es wäre ein exorbitant hoher Werbe-Etat nötig, um das zu ändern“, sagte Schmidt-Steingraeber.

Bayreuther machen Kultur

Clemens Lukas forderte die Bayreuther auf, mehr Engagement zu zeigen. Es sei ein Irrglaube, dass das Festspielhaus die Kultur der Stadt widerspiegele. „Die bringen Glamour, aber keine Kultur in die Stadt“, so Lukas. Diese Aufgabe müssten in einer Stadt ohne eigenes Stadttheater und Orchester private Initiativen übernehmen. Die Kultur werde in Bayreuth von Bürgern gemacht, sagte Lukas, der darin auch eine Chance sieht. Man müsse mit diesen Initiativen nur genauso umgehen, wie andere Städte mit ihren Ensembles. Dann könne Bayreuth mit Abwechslung punkten.

Es wurde aber nicht nur kritisiert. Das Nörgeln der Bayreuther sei sowieso schon hinderlich. „Es dringt nach außen. Wir werden als zänkisches Bergvolk wahrgenommen“, sagte Schmidt-Steingraeber. Anstelle von Kosten sollte von Investitionen gesprochen werden. Eine Mitschuld an dem Genörgel der Bürger trage die Stadt. Bei solch großen Bauprojekten müssten die Bürger in freudige Erwartung versetzt werden. Über eine Homepage, auf der über Baufortschritte berichtet werde. Über Baustellenführungen und eine Web-Cam. Wie das funktioniere, mache die bayerische Schlösserverwaltung bei der Sanierung des Opernhauses vor. Den Einwand von Kurier-Kulturchef und Moderator des Abends, Michael Weiser, „mit vollen Hosen lässt es sich eben besser stinken“, ließ Lukas nicht gelten. Es sei eine Frage des Willens, nicht des Geldes.

Kultur rentiert sich

Die Stadt müsse begreifen, dass Kultur kein Draufzahlgeschäft sein müsse. Dass jeder Euro, der in Kultur investiert werde, 1,45 Euro zurück in die Stadtkasse spüle. Unter anderem dadurch, dass die Stadt Heimat für kulturinteressierte junge Familien werde, die es sonst niemals hierher verschlagen würde. Dazu kommt: Das Friedrichs-Forum solle freilich die Heimat von Abschluss- und anderen Bällen bleiben. Aber auch die von Kongressen und sehr gut zahlenden Konzertveranstaltern werden.

Für die Eröffnungswoche im Frühjahr 2020 wünschte sich Schmidt-Steingraeber daher „einen Weltstar, von dem alle überrascht sind, dass er in Bayreuth auftritt“. Nur so bekomme man in die Köpfe der Bayreuther hinein, dass sie neben dem Festspielhaus und dem Opernhaus bald ein drittes Haus von internationalem Format haben. Den ersten Abend, so Robert Baum, sollten aber Bayreuther Musiker und Chöre gestalten.

Konzept im Mai Thema im Stadtrat

Im Mai wolle die Stadt dem Stadtrat ein Betreiberkonzept vorschlagen, ergänzte Kulturamtsleiterin Röhler. Höchste Zeit, fand Lukas. Ensembles von Format für die erste Spielzeit zu bekommen sei höchstens noch bis Ende des Jahres möglich. Umso wichtiger, dass die Stadt schnell einer Person die Planungen übertrage und Vertrauen schenke. Die Experten plädierten für eine Doppelspitze. Kulturamt und Kulturreferat der Stadt sollten zusammengelegt und mit mehr Personal ausgestattet, dem Leiter dieser neuen Einheit dann ein Intendant zur Seite gestellt werden. Ob Kulturmanager oder Theatermann, beides habe Vorteile, sagte Baums. Gemeinsam mit den Kulturfreunden sei es ohne weiteres möglich, ein ganzjähriges Programm auf die Beine zu stellen, sagte Lukas.

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