Sprecherin der Anti-Fracking-Initiative: "Mit Fukushima hätte auch niemand gerechnet"

Frau Keis-Lechner, schenken Sie der Aussage der Staatsregierung Glauben, dass es keine Lizenz für Fracking in Bayern geben wird?
Dagmar Keis-Lechner: Man kann viel glauben. Es wäre aber wesentlich einfacher, wenn es eine Festlegung per Gesetz gäbe. Und deshalb haben wir diese Petition formuliert. Wenn wir ein gesetzliches Verbot bekommen, dann ist alles Beteuern und Glauben nebensächlich. Dann werden Fakten geschaffen. Ich gehe nicht davon aus, dass ein Unternehmen eine Million Euro für die Erkundung von Erdgasvorkommen ausgibt und anschließend auf Fracking verzichtet.

Dagmar Keis-Lechner

Was sind die zentralen Punkte Ihrer Petition?
Keis-Lechner: Wir wollen erreichen, dass das Bergrecht geändert wird, um Fracking zu verbieten. Durch den Abbau der Bodenschätze befürchten wir Risiken für Natur und Umwelt. In erster Linie wollen wir da unser Grundwasser schützen. Wir sehen auch, dass der Klimaschutz, den wir uns alle mal auf die Fahnen geschrieben haben, nicht mehr zu erreichen ist, wenn durch Fracking die letzten Reserven verheizt werden.

Die Befürworter von Fracking sagen: Wir müssen uns durch eigenes Gas unabhängig machen von Importen aus dem Ausland…
Keis-Lechner: Das bleibt ein Traum. Anerkannte Experten gehen davon aus, dass die Vorkommen maximal für zehn Jahre reichen. Die Internationale Energieagentur sieht das Potenzial nur bei sieben Prozent des Bedarfs. Damit kann ich nicht einen Winter lang in Deutschland heizen. Unsere einzige Möglichkeit ist ein komplettes Umdenken.

Befürchten Sie nicht, dass sich eine Hintertür für Unternehmen auftut, wenn ein Fracking-Gesetz geschaffen wird?
Keis-Lechner: Das Problem ist immer, wenn es Ausnahmen im Gesetz gibt, die Fracking unter Umständen doch erlauben. Aber Deutschland ist doch viel zu dicht besiedelt, um sich solchen Gefahren auszusetzen. Es ist ein Fehler, über eine neue Methode die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verlängern, anstatt zu versuchen, uns komplett neu aufzustellen.

Fracking wird in Deutschland in begrenztem Maß seit 30 Jahren gemacht. Es ist noch nie etwas passiert.
Keis-Lechner: Die Meldungen aus den USA lassen aber nicht hoffen, dass das im großen Stil umweltverträglich funktioniert. Es besteht ja nicht nur die Gefahr, dass ein Unternehmen nicht sauber arbeitet. Es kann auch sein, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen durch die Natur überwunden werden. Bei Fukushima hätte auch niemand mit dem gerechnet, was da passiert ist. Wir brauchen andere Lösungen für unseren Energiebedarf.

Das Gespräch führte Moritz Kircher

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06