Spital: Große Pläne für ein altes Haus

Das Spital soll das Zuhause für drei Einrichtungen werden. Zum einen soll die Touristinformation, die heute noch im Rathaus untergebracht ist und daher nur an Werktagen geöffnet ist, im Spital einziehen. Indem sich die Einrichtung auf einen Schwerpunkt spezialisiert, auf Bier oder auf das Klettern zum Beispiel, soll sie zu einer Außenstelle der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz aufgewertet werden.

Kochen, nähen und noch mehr

Zweitens, soll das Spital wieder ein Haus für die Hollfelder Bürger werden. Eines, in dem Brauchtumspflege stattfindet. In dem alt und jung zusammen kochen oder nähen. Eines, in dem sich die Vereine treffen und in dessen Kapelle Einheimische und Touristen gleichermaßen Ruhe finden sollen.

Und die dritte Art der Nutzung wäre ein echter Coup

Das Hollfelder Spital soll ein Genusshaus werden. Eines, in dem Bier, Mich, Käse und vieles mehr aus der Region angeboten wird. Eines, das auch in Bayreuth im Gebäude der Sparkasse in der Opernstraße entstehen soll, das aber mangels Pächter kurz davor steht, zu scheitern. So weit soll es in Hollfeld nicht kommen. Ein Pächter werde hier gar nicht benötigt. Ein Teil des Spitals könnte vielmehr zu einer kleinen Markthalle werden.

Studenten der Bauhaus-Uni liefern Ideen

Architekturstudenten der Bauhaus-Universität Weimar haben jetzt zwölf Modelle vorgestellt, wie man das alles in der denkmalgeschützten Ruine unterbringen könnte. Während die einen den Spitalgarten zu einem Park für alle Hollfelder umgestalten wollen, planen andere auf dieser Fläche ein weiteres Gebäude. Während die einen das Gebäude aus Gründen des Denkmalschutzes so wenig wie möglich verändern wollen, planen andere die Freilegung des Fachwerks und eine großzügige Verglasung des Dachstuhls. Und während die einen im Erdgeschoss auf 150 Quadratmetern ideale Bedingungen für Ausstellungen und ein Café sehen, liebäugeln andere damit, die acht kleinen Räume im Obergeschoss zu kleinen Läden und damit zu einer Art Markthalle zu machen.

Nicht nur Hollfeld soll sich beteiligen

Über all das dürfe jetzt diskutiert werden, sagt Bürgermeisterin Karin Barwisch. Das Ziel der Nachwuchsarchitekten sei ohnehin nicht gewesen, ein fertiges Konzept zu präsentieren, sondern der Stadt bei der Frage auf die Sprünge zu helfen, was sie im Spital künftig haben will und was nicht. Und es sei nicht nur die Stadt Hollfeld, die sich darüber klar werden müsse. Barwisch hofft darauf, dass die Partnergemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft, nämlich Aufseß und Plankenfels, sowie der Verein für Regionalentwicklung „Rund um die Neubürg“, das Projekt mittragen.

Eine Absage an das Dachgeschoss

Einer Idee der Studenten gibt die Stadt daher schon jetzt einen Korb: Die beiden Dachgeschosse werden von einer künftigen Nutzung wahrscheinlich ausgeschlossen. Die Studenten sehen in den 160 und 100 Quadratmeter großen Flächen ideale Bedingungen für Veranstaltungsräume. Die Realisierung würde die Kosten, die sich schon mit der Sanierung der beiden anderen Etagen auf rund 2,2 Millionen Euro belaufen, aber wohl deutlich verteuern.

Ein Problem in Sachen Statik

Dazu kommt: Die Statik ist im Spital ein Problem. Ein Gutachten zeigt, dass die um das Jahr 1664 eingezogenen Wände und Holzbauteile in den Stockwerken versetzt und nicht übereinander eingezogen wurden. unter der Last des Hauses hätten sich daher bis heute schon Verformungen am Gebälk um bis zu zehn Zentimeter ergeben, sagt Cornelia Dittmar vom Ingenieurbüro Umbau Stadt. Zu Spannungen komme es im Spital außerdem, weil die Decken teilweise nicht direkt mit den Außenwänden verbunden seien.

Wer soll das bezahlen?

Das Spital gehört der Schmötzerstiftung, die allerdings über keine Geld mehr verfügt. Einspringen würde daher die Stadt Hollfeld, die allerdings chronisch pleite ist. Günther Neuberger, bei der Regierung von Oberfranken für Städtebauförderung zuständig, stellt aber in Aussicht, dass bis zu 90 Prozent der Kosten über Fördermittel von Land und Bund gedeckt werden könnten. Vorausgesetzt, das Konzept stimmt.

Die Regierung lädt zum Träumen ein

Und Neuberger rät daher davon ab, das historische Gebäude zu überfrachten. Weil andernfalls statische Probleme gelöst werden müssten, aus Gründen des Brandschutzes ein zweites Treppenhaus und womöglich zur Barrierefreiheit ein Aufzug gebaut werden müsste, rät Neuberger: „Planen sie lieber eine minimale, museale Nutzung des Spitals.“ Das so gesparte Geld sei in einem modernen Neubau in der Nachbarschaft sinnvoller angelegt. Und weil die Stadt trotz hoher Fördermittel dafür rund 300.000 Euro aus der eigenen Tasche beisteuern müsste, sagt Neuberger an die Adresse des Landratsamtes: „Die Haushaltsaufsicht muss begreifen, dass das Projekt auch der Konsolidierung dient.“ Neubergers Rat. „Machen sie einen großen Wurf daraus. Träumen Sie. Sie können es sich erlauben.“

Einweihung 2019

„Sehr interessant“, nach Ansicht des Regierungsmitarbeiters, auch die hinter dem Spital stehende Scheune am Wasser. Die Scheune befindet sich in Privatbesitz und ist nach Aussagen der Stadt zu Lagerzwecken vermietet. Vinzenz Dilcher vom Ingenieurbüro Umbau Stadt spricht von einer Einweihung schon im Jahr 2019. Neuberger nennt das hypothetisch.

Die Geschichte des Spitals

Es ist eines der ältesten Gebäude in Hollfeld und eines der bedeutendsten. Einem Gutachten zufolge stehen die Außenmauern des St. Bartholomäusspitals seit dem Jahr 1464. Erbaut von Wilhelm von Aufseß, dem Domherren von Regensburg und Bamber, diente es lange Zeit zur Versorgung der Kranken und durch seine Lage vor den Toren der Stadt dazu, die Ausbreitung von Krankheiten in Hollfeld zu verhindern. Im Schwedenkrieg stark zerstört, wurde das Spital im Jahr 1664 wieder aufgebaut und durch einige Innenwände, Holzbauteile und einen neuen Dachstuhl ergänzt. 1709 wurde das Spital nochmals umgebaut und um eine Kapelle und einen Kamin ergänzt. Danach diente es eines der ersten Altenheime der Region, ab 1934 war darin ein Kindergarten untergebracht. Seit 40 Jahren steht das Spital leer und ist dem Verfall preisgegeben. 

Hier finden sie noch vielmehr Bilder aus dem Innern des Spitals und weitere Modelle der Studenten.

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Kommentare

"Bauhaus" ist doch eine Heimwerkermarktkette. Will die dort einziehen?
Es spricht nicht für Sie, Kiepfer, wenn das das einzige ist, was Ihnen zum Thema Bauhaus einfällt.
Im Genusshuas gibt es doch nur immaterielle Bratwürste und immaterielees Bier. Davon werden die Leute nicht satt!