Spinnerei: Warum Denkmalschutz nützt

Wann wird aus Industriebetrieb ein Denkmal

Denn nicht nur Sebastian Türk, Geschäftsführer der Mainleus Invest GmbH, setzt sich für den Erhalt der historisch wertvollsten Gebäude ein. Er hat auch die Kreisheimatpfleger Uwe Franke und Harald Stark sowie den Hofer Kreisarchivpfleger Adrian Roßner und die Mainleuser Geschichts-und Heimatfreunde auf seiner Seite.

Antrag auf Denkmalschutz wird gestellt

Obwohl das Verfahren noch offen und die politische Diskussion noch im Gange ist, scheint ein möglicher Denkmalschutz der künftigen Nutzung nicht im Wege zu stehen. Nach den Worten Uwe Frankes gibt es Überlegungen, einen entsprechenden Antrag auf den Weg zu bringen. "Das Ziel von Denkmalschutz ist immer auch, eine Nutzung für ein Gebäude zu finden, um Leerstand zu vermeiden."

Museale Nutzung und mehr

Seit auf dem Mainleuser Spinnereigelände der Betrieb eingestellt wurde, sei der Niedergang der Bausubstanz zunehmend sichtbar. "Denkmalschutz wäre kein Hemmschuh, sondern das genaue Gegenteil", sagt Franke. Erst so sei eine fundierte Beratung möglich, sei das passende Baumaterial auszuwählen. "Denkmalpflege heißt nicht nur, eine museale Nutzung vorzusehen. Es lohnt sich, in die Zukunft zu schauen und Bauteile zu erhalten, die einfach typisch für ihre Zeit sind, auch wenn sie noch nicht alt sind." Die Gebäude seien leer, die Hüllen jedoch dicht und die umbauten Räume weitgehend trocken. Die Oberflächen seien zwar verschmutzt, die Gebäude aber vollständig und wäre die Technik nicht ausgezogen und würden sie noch gewartet, sogar noch länger brauchbar.

Denkmalschutz kein Hindernis

Adrian Roßner spricht sich ebenso dafür aus, Teile des ehemaligen Gebäudetraktes in die Nachnutzung einzubeziehen. Der Denkmalschutz dürfe nicht als Hindernis betrachtet werden. Denn ein Eintrag in die Denkmalliste würde die Chance auf staatliche Hilfen für das gründerzeitliche Industrieensemble erhöhen. "Es geht darum, den bestmöglichen Kompromiss zu finden", sagt Roßner, der in Münchberg gemeinsam mit der Stadt ein historisches Fachwerkhaus vor dem Abriss rettete. Denkmalschutz für ein Gebäude könne jeder beantragen. Doch Denkmalschutz bewahre nicht immer vor Abriss. Denn oftmals sei ein Erhalt zu kostspielig.

Roßner: Kesselhaus sollte bewahrt werden

Im Falle Mainleuser Spinnerei, "ein wunderbares Ensemble der Hochindustrialisierung", gelte: "Vieles kann, und es muss nicht alles." Damit ist Roßner ganz bei Sebastian Türk, der vor allem das Kesselhaus, die Weberei, den Staubturm, die Verwaltung, die Baumwollhalle und den Konsum erhalten möchte. "Das Kesselhaus, von außen zwar potthässlich, ist so im Detail komplett erhalten, dass es unbedingt bewahrt werden sollte", sagt Roßner. Unter der Fassade befinde sich noch der alte Backsteinbau, der freigelegt werden könnte. Die technische Ausstattung im Inneren stamme aus der Hochzeit der Mechanisierung. Dieses "Juwel der Industriekultur" stehe etwa der Zeche Zollverein im Ruhrgebiet um nichts nach.

"Hornschuch war ein genialer Visionär"

Der Unternehmer Fritz Hornschuch war in den Augen von Uwe Franke ein "genialer Visionär". Die Fabrikanlage mit Werkbundsiedlung, die er Anfang des 20. Jahrhunderts habe bauen lassen, habe Beispielcharakter weit über Deutschland hinaus. Solche Gebäudekomplexe seien früher in Wien, Stuttgart, Karlsruhe, München, Dresden oder Prag gebaut worden. Hornschuch habe nicht nur in wirtschaftlichen, sondern auch in sozialen Dimensionen gedacht. "Er hat das Umfeld der Menschen mitgestaltet, dahinter steckte eine einmalige Ideenkraft", sagt Franke und bezeichnet dies als "ökologische Baukultur", die in die Zukunft weist. Die Skelettbauweise sei noch immer aktuell und ermögliche flexibel wachsende Bauten und Konstruktionen. Die Arbeitersiedlung Hornschuchhausen, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts, mit Wohnungen, Geschäften, Kindergarten und Turnhalle steht bereits unter Denkmalschutz.

Baugeschichtliches Erbe erhalten

Für die Lenkungsgruppe, die an einem Nutzungskonzept für das Areal arbeitet, hielt der Restaurator und Baudenkmalpfleger Franke fest: "Wir haben in Mainleus ein ganz besonderes baugeschichtliches Erbe. Sich der Verantwortung dieses kulturellen Erbes zu stellen und an die heutigen aktuellen Bedürfnisse wieder anzupassen, sehe ich als städtebauliche Chance für Mainleus." Eine wirtschaftliche Nutzung sei in Zukunft ebenfalls möglich.

Der Gemeinderat habe das erste Mal mit der Entwicklung eines Geländes in dieser Dimension zu tun. Dafür könne es keinen fertigen Plan geben, das sei vielmehr ein fortlaufender Prozess. "Da lässt sich keiner gleich festnageln, um sich selbst beim weiteren Vorgehen nicht zu behindern."

Kulmbacher waren nicht begeistert

Der Kulmbacher Stadtrat war übrigens in den neunziger Jahren wenig begeistert, als die Spinnereifabrik in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Bis heute werden für Teile des Areals, auf dem das Einkaufscenter Fritz mit Parkhaus und der Zentrale Omnibus Bahnhof und das Jugendzentrum befinden, Nutzungsmöglichkeiten gesucht.

Über das, was in die Denkmalliste kommt, entscheidet die Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege in Bamberg.

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