Spende und ein Fass Bier

Dieses Mal hatte Bürgermeister Claus Meyer nicht nur ein Fass Bier im Gepäck, sondern eine Spende in Höhe von 1000 Euro für den dortigen Zivilschutz – abgesegnet durch eine Stadtratsentscheidung vor einigen Monaten.

Einwohner waren nicht in Gefahr

Als in Mittelitalien im August vergangenes Jahr wieder einmal die Erde bebte, spürten das zwar die Einwohner in Baschi, sie waren aber nicht in Gefahr. Rund 70 Kilometer nordöstlich von Baschi aber – dort, wo der Monti Sibilline-Nationaplark beginnt und die Apenni-Gebirsgregion – hat es wohl das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten gegeben. Zahlreiche Orte in der Region wurden schwer beschädigt, die Bevölkerung musste zum Teil evakuiert werden.

Prociv – der italienische Zivilschutz, der mit dem Technischen Hilfswerk vergleichbar ist – hatte alle Hände voll zu tun und hat es immer noch. Stationiert ist eine Einheit in Orvieto, der Nachbarstadt von Baschi. Beide Städte unterstützen den Zivilschutz.

Geld gesammelt

Man hat 15 000 Euro gesammelt, damit Kinder des Ortes Preci, der vollständig evakuiert wurde, in eine nahe gelegene Schule gebracht werden können. Die Stadt Betzenstein hat sich daran beteiligt. Claus Meyer hat den Scheck dem Prociv-Leiter Giancarlo Trippini übergeben.

Wie nötig internationale Hilfe für die Region ist, davon hat sich Jürgen Kaatz aus Betzenstein überzeugen können. Wie im vergangenen Jahr beim Besuch der Freunde in Baschi, wollten er und seine Partnerin ein paar Tage an den Besuch dranhängen und im Nationalpark Sibillini wandern. „Überall gibt es gesperrte Straßen und einige Orte sind immer noch abgeschnitten“,erzählt Kaatz: „Wo früher die viel befahrene Straße in Richtung Meer im Westen war, ist jetzt ein großer Fluss.“ Kaatz hat sich kurz das Lager angesehen, das vom Zivilschutz für die Einwohner von Preci aufgebaut worden ist und die kleine Stadt, die auf einem Hügel thront. „Dort wohnt niemand mehr, das ist eine Geisterstadt“, sagt der 46-Jährige. „Man muss Angst haben, dass einem das Dach nicht über dem Kopf einstürzt.“ Diesen Ort wieder bewohnbar zu machen, kann sich Kaatz kaum vorstellen: „Die Menschen haben ihre Heimat verloren“.

Leute sind offen und herzlich

Es waren wieder einmal besondere Eindrücke, die Kaatz und Meyer von ihrem Italienbesuch mitgebracht haben. Sie sind von Umbrien und dem dort weit verbreiteten Agriturismo (Landtourismus) begeistert. Sie wissen aber auch, dass ohne die Freundschaft zu den Baschiesi die Erfahrungen im Urlaubsland Italien vielleicht andere wären. „Du kommst in Orte und Gegenden, wo du als Tourist nie hinkommen würdest“, sagt Meyer: „Man findet Kontakte zu den Menschen und Familien und bekommst etwas vom Leben dort mit.“ Und: „Die Leute sind offen und herzlich, was für einen Franken womöglich eine ganz besondere Erfahrung ist.“  Die Verständigung wird immer besser. Langsam schlagen die  Sprachkurse der Volkshochschule Pegnitz  mit Margitta Saller und Anna Di Franco-Neubig durch. Im Gegenzug würden einige Baschiesi sich der deutschen Sprache widmen. Man baut an einem kleinen europäischen Mosaiksteinchen auf unterster, aber menschlicher Ebene. „Wir haben in Baschi ganz Europa getroffen“, sagt Meyer. Fast sämtliche europäische Nationen seien in Umbrien unterwegs – dem „grünen Herz Italiens“.

Rotwein aus der Region

 Meyer möchte die Freundschaft zu Baschi auf noch stabilere Beine stellen. Dass es künftig zu den runden Geburtstagen von Betzensteiner Bürger den Dornfelder Rotwein nicht mehr gibt, sondern einen roten Turlo aus der Region um Baschi, ist nur eine Randnotiz. Im August soll es im Freibad Betzenstein einen italienischen Abend für die Öffentlichkeit geben, wo Baschi und die umbrische Region wieder ein Stück bekannter gemacht werden soll.

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