Speichersdorf: Rat zögert mit Beitritt

Obwohl Bürgermeister Manfred Porsch und mehrere Gemeinderäte ihre Sympathie für die Genossenschaft nicht verhehlten, wird der Rat über den Beitritt erst in der nächsten Sitzung entscheiden. 17 Kommunen, ein Stadtwerk und ein Kommunalbetrieb gehören zur NEW, die 25 Dach- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen sowie zwei Windräder mit insgesamt 22 Megawatt Peak Leistung besitzt. Auch die Bürger selbst können sich an der NEW beteiligen: In der Bürger-Energiegenossenschaft West (BEW), die wiederum vollwertiges Mitglied der NEW ist. Derzeit halten 1378 Bürger 32 407 Anteile an der BEW. Knapp 37 Millionen Euro investierten die Genossen dafür seit ihrer Gründung im Februar 2009.

Weg von den Energieriesen

Bis 2030 möchte man völlig unabhängig sein von fossilen Brennstoffen und seinen Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen. In ihrem Vortrag unter dem Motto „Zwei Genossenschaften – ein Ziel“ verdeutlichten Wächter und Schmidt die Vorteile der NEW und machten deutlich, dass man vor allem auch weg wolle von den vier „Energieriesen“, die die Entwicklung der erneuerbaren Energien seit Jahren verschlafen hätten.

Photovoltaik bei Kemnath und Unterbruck

Aktuell plane man Photovoltaikanlagen in Höflas bei Kemnath und Unterbruck und sei auch ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, neue Windräder zu bauen beziehungsweise zu kaufen. „Was wir heute tun, das tun wir für unsere Kinder und Enkel“, sagte Wächter.

Bürgermeister Manfred Porsch erinnerte daran, dass die NEW in Speichersdorf bereits eine Photovoltaikanlage betreibe, aus der der regionale Strom zum Großteil gewonnen werde. „Wind und Sonne kennen keine Grenzen“, sagte Porsch und warb für den Beitritt der Gemeinde als 20. Mitglied der Genossenschaft. Ein Problem sah er aber in der ständig sinkenden Einspeisevergütung für PV-Anlagen und fragte: „Wie lange rentieren sich solche Anlagen noch?“ NEW-Geschäftsführer Schmidt verwies darauf, dass man nach wie vor eine, wenn auch gesunkene, Dividende auszahlen könne. Rudi Kirchberger (UBV) fragte, ob die NEW auch das Thema Wärmeenergie auf der Agenda habe.

Öl und Gas noch günstiger zu haben

„Derzeit ist das aufgrund der niedrigen Öl- und Gaspreise unrentabel. Grundsätzlich sind wir aber nicht abgeneigt und halten unsere Augen und Ohren offen“, sagte Helmuth Wächter. Das gelte auch für die Stromspeicherung, die keine Frage der Technik, sondern des Geldes sei, antwortete Bernhard Schmidt auf die Frage von Annke Gräbner (SPD).

Könnte sich die NEW auch einen Beitritt von INKAS+, der Interessengemeinschaft Nahwärmeheizwerk Altspeichersdorf vorstellen, wollte Christian Porsch (UBV) wissen (Wächter: „Ja“) und für Simone Walter (CSU) sollte bei einem eventuellen Beitritt der Gemeinde zur NEW vordergründig die Frage nach der Bioenergie stehen.

Hinweis auf den hohen Strompreis

Dritter Bürgermeister Wolfgang Hübner (CSU) hinterfragte kritisch den Strompreis von NEW, der viel zu hoch sei und „jenseits von Gut und Böse“ liege. Wächter sagte, dass man die Preisentwicklung prüfe, gab aber zu, dass hier noch ein steiniger Weg vor der NEW liege.

Schließlich bezeichnete Zweiter Bürgermeister Rudi Heier (SPD) den Weg der Genossenschaft, mit Geld aus der Region regionale Anlagen zu bauen, als vorbildlich. „Der Beitritt ist eine Chance für Speichersdorf.“

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