Seehofer schenkt Selb eine Sonder-Gartenschau

Der Bayreuther Bürgermeister Thomas Ebersberger, der die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe vertritt, gibt sich zurückhaltend: „Wir würden uns natürlich für Selb freuen“, sagt Ebersberger. Allerdings werde man sehr genau hinsehen, was da für Selb geplant werde. Denn: „Man muss schon überlegen, ob das ein Präzedenzfall ist. Und ob da nicht auch für unsere Gartenschau noch Zuschüsse zu bekommen wären.“ Bayreuth investiert rund 10,5 Millionen Euro in den Bau der Gartenschau, knapp über neun Millionen Euro wird die Durchführung kosten.

So ganz genau weiß niemand, wie die Sonder-Gartenschau, die anders heißen wird, aussehen soll. Die Modalitäten werden gerade geklärt, sagt Uli Pötzsch, der Oberbürgermeister von Selb. „Damit sind mehrere Ministerien befasst.“ Die ganze Angelegenheit „steckt tief in den Kinderschuhen. Es gab auch nicht das klassische Auswahlverfahren und es wird auch eher ein großes Fest über mehrere Wochen. Also nicht die Form der klassischen Gartenschau“. Das Projekt sei damit also auch nicht mit klassischen Landesgartenschauen vergleichbar. Auch nicht mit den kleinen Gartenschauen, die „Natur in der Stadt“ heißen – und die immer die Lücke zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Landesgartenschauen schließen.

Pötzsch sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Selb und Asch gemeinsam eine Bewerbung für 2022 abgeben wollten – „für die große Gartenschau. Aber da wir uns in haushaltsloser Zeit befinden, dürfen wir uns nicht bewerben“. Deshalb habe er sich an Heimatminister Markus Söder gewandt. Die Idee Pötschs, der sei 2013 Oberbürgermeister von Selb ist: Die Region brauche einen Schub, um das verstaatlichte Porzellanikon und die Bahnlinie Selb-Eger, die gerade wiederbelebt wird, zu unterstützen – den ländlichen Raum insgesamt zu stärken. Diese Idee sei offenbar Chefsache in München geworden. „Die ganze Region wird profitieren von dem Sonderformat“, ist sich Pötzsch sicher. „Die ganze Region ist euphorisiert“ – seit Horst Seehofer „das Thema bei einem Festakt öffentlich gemacht“ habe.

Franz Stahl, der Bürgermeister von Tirschenreuth – 2013 Ausrichter der kleinen Gartenschau „Natur in der Stadt“ – nimmt kein Blatt vor den Mund: „Das ist ein Hammer“, sagt er. „Gratulation an Selb. Eine Gartenschau ist eine Wahnsinns-Bereicherung für eine ganze Region.“ Aber: „Der Zuschlag aus der Hüfte heraus für Selb hat einen bitteren Beigeschmack. Weil damit das ganze System über den Haufen geworfen wird.“ Stahl gehört der Kommission an, die Landesgartenschauen auswählt. In einem Wettbewerb. „Als wir uns beworben haben, standen wir im Wettbewerb mit 30 Kommunen in ganz Bayern.“

Eine Bewerbung, die Ideen, Zeit, Arbeit und in der Umsetzung viel Geld gekostet hat. 14,5 Millionen Euro hat Tirschenreuth investiert, als Eigenanteil waren 8,5 Millionen hängen geblieben. „Für alle, die sich bereits bis 2022 um eine Gartenschau beworben haben, ist das ein Schlag ins Kontor“, sagt Stahl. Außerdem befürchte er, dass im Extremfall die Wertigkeit der Gartenschau und der Kommission, die die Kandidaten auswählt, geschmälert werden könnte. „Das sehe ich kritisch.“ Gleichwohl, bekräftigt Stahl, freue er sich für die Städte Selb und Asch: „Ein Sechser im Lotto. Wenn auch einer mit Beigeschmack.“

Dagmar Voß, die Geschäftsführerin der Landesgartenschau-Gesellschaft und auch der Bayreuther Landesgartenschau, sagt auf Nachfrage, auch sie habe sich gewundert über das Vorgehen: „Da das nicht über das Förderprogramm der Gartenschauen läuft, haben wir auch keine näheren Infos dazu aus dem Umweltministerium. Ich kann wenig dazu sagen.“ Außer, dass die Sonder-Gartenschau im normalen Rhythmus der Gartenschauen laufen solle, eine „Natur in der Stadt“ ersetze, „weil es ja auch keinen Sinn machen würde, wenn sich die Veranstaltungen in diesem Jahr kannibalisieren würden“, wie Voß es formuliert. Ähnlich wie im Jahr 2006, als Marktredwitz und Eger eine grenzüberschreitende kleine Gartenschau ausgerichtet haben, könne die Sonderschau die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern, sagt Voß – mit der Einschränkung, dass auch Marktredwitz damals dafür zahlen musste.

„Inhaltlich sollen die bayerische-tschechische Freundschaft sowie die Umsetzung der bayerischen Heimatstrategie im Mittelpunkt stehen“, das sagt ein Sprecher des Umweltministeriums über die Selber Sonderschau, deren Umsetzung das Kabinett beschlossen hat. Eine Interministerielle Arbeitsgruppe werde zusammen mit der Stadtverwaltung von Selb die Details der Veranstaltung – „auch zu Fragen der Finanzierung“ – erarbeiten.

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