Söder hilft Launert und sich selbst

Wer nach links will, hat es schwer, zu Markus Söder zu gelangen. Die Grünphase an der gerade neu eingestellten Linksabbiegerampel zwischen der Autobahn-Ausfahrt und Oberkonnersreuth lässt jeweils nur drei Autos durch, der Verkehr staut sich zurück. Alle wollen sie an diesem Donnerstagmittag zum bayerischen Finanzminister, der Saal in der Sudpfanne mit 140 Plätzen wird proppenvoll.

Rückenwind auf den letzten Metern

„Die eigenen Leute mobilisieren, das kann Söder ja.“ Silke Launert strahlt bei diesen Worten. Die Veranstaltung ihrer Partei unter dem Motto „Lunch und Politik“ ist für sie organisiert worden, soll der neuen CSU-Bewerberin um das Direktmandat drei Tage vor der Bundestagswahl Rückenwind auf den letzten Metern bringen. Eine „aufmunternde Rede“ von Söder erhofft sich denn auch Sabine Habla, Vorsitzende der Frauenunion von Bayreuth-Land, die auch einmal im Rennen um die Direktkandidatur war und dann verzichtet hatte. Hans Unterburger, früherer Bürgermeister von Seybothenreuth, erwartet von Söder klare Aussagen zur Flüchtlingspolitik: „Ich habe Sorge, dass die AfD drittstärkste Partei wird.“

"Ich bringe mich selbst mit"

Söder enttäuscht seine Fans nicht. Auf die Frage, was er für seine Parteifreundin Launert im Gepäck habe, sagt er dem Kurier: „Ich bringe mich selbst mit.“ Söder ist locker, kommt im karierten Hemd und ohne Krawatte, schüttelt Hände an den Tischen, lässt sich fotografieren und sagt viele Nettigkeiten – allerdings nicht zur Flüchtlingspolitik. Über allen Wahlkampfthemen drüber stehe das Thema Sicherheit und kulturelle Identität, doziert er. Der Finanzminister kriegt den Dreh zum Thema spielend: Für Asyl gebe der Freistaat mehr aus als für die Ressorts Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft zusammen, sagt er. Söder bekräftigt die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge, nach mehr Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber und Anerkennung der deutschen Leitkultur durch diejenigen, die bleiben. Für AfD-Sympathisanten – sollten welche im Saal sein – hat er die Botschaft: „Es gibt nur eine denkbare Partei, die in der Flüchtlingspolitik Verbesserungen durchsetzen kann, und das ist die CSU.“

Wünsche an den Finanzminister

Moderator Joffrey Streit vom Sender TV Oberfranken, der der CSU am Ende viel Glück wünscht, wagt den Hinweis, es gebe auch noch andere Themen, die die Menschen bewegen. Silke Launert nimmt die ihr zugedachte Rolle, wie eine Bürgeranwältin Wünsche an den Finanzminister heranzutragen, dankbar an, trägt Söder vor, dass es in Tüchersfeld keinen Mobilfunk gibt, dass Mehlmeisel Unterstützung für einen Baumwipfelpfad braucht und natürlich das Festspielhaus noch jede Menge Geld benötigt. Söder äußert zu jedem einzelnen Punkt Verständnis, ohne sich auf Zugeständnisse festzulegen.

Die Sache mit Joachim Herrmann

Am Ende wirbt er um beide Stimmen für die CSU: Die erste „schöne“ für Silke Launert, die zweite für Joachim Herrmann. Der bayerische Innenminister ist kein Direktkandidat und kann nur dann in den Bundestag einziehen, wenn die CSU mehr Zweitstimmen bekommt, als Umfragen derzeit vorhersagen. Dann wäre Herrmann, möglicher Rivale Söders im Ringen um die Nachfolge von Horst Seehofer, weg aus Bayern und würde Minister werden. Söder selbst hatte die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl abgelehnt. Geht es Söder jetzt darum, dass er Herrmann los wird? Er antwortet selten diplomatisch: „Ich setze mich dafür ein, dass er mit einem möglichst guten Ergebnis gewählt wird.“

3 (2 Stimmen)

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