So verändert das E-Auto die Rohstoffwelt

Alle Welt redet vom Elektroauto. Haben wir dafür ausreichend Rohstoffe?

Torsten Brandenburg: Die geologische Verfügbarkeit der Rohstoffe ist nicht das Problem. Rohstoffe für die Elektromobilität gibt es in der Erdkruste genug. Die Herausforderung ist, die Rohstoffproduktion dem schnellen Wachstum der Elektromobilität anzupassen.

 

Das passiert auch schon?

Brandenburg:  Derzeit werden bei allen Batterierohstoffen die Kapazitäten massiv ausgebaut. Zudem können bereits heute durch Recycling Rohstoffe zurückgewonnen werden.

 

Es geht vor allem um die Batterien. Welche Rohstoffe brauchen wir?

Brandenburg: Graphit, Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan - jeweils in weiterverarbeiteter Form, z. B. Lithiumkarbonat, Nickelsulfat oder Kugelgraphit.

 

Wie viel wird aktuell gefördert? Wo sitzen die wichtigsten Rohstoff-Lieferanten?

Brandenburg: Bei Graphiterz (1,05 Millionen Tonnen 2015) sind die wichtigsten Lieferanten China (70 Prozent), Indien (zwölf Prozent) und Brasilien (sieben Prozent). Bei Nickel (2,15 Millionen Tonnen) sind es die Philippinen (22 Prozent), Russland (zwölf Prozent) und Kanada (zehn Prozent).  Bei Kobalt (138.000 Tonnen) sind die Hauptproduzenten DR Kongo (61 Prozent), China (sieben Prozent) und Australien (vier Prozent). Bei Lithium (33.000 Tonnen) sind es Australien (40 Prozent), Chile (36 Prozent) und Argentinien (elf Prozent). 

 

Der Abbau belastet die Umwelt?

Brandenburg: Bergbau stellt immer einen Eingriff in die Natur dar. Der Abbau der Batterierohstoffe unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen mineralischen Rohstoffen.

 

Das Elektroauto verliert mehr und mehr seine ökologische Unschuld?

Brandenburg: Wichtig ist, die Anstrengungen im Bereich Recycling zu erhöhen, die Rohstoffe im Kreislauf zu führen und ein verantwortungsvoller Einkauf von Rohstoffen.

 

Wie können sich die deutschen Autobauer die Rohstoffe fürs E-Auto sichern?

Brandenburg: Durch langfristige Lieferverträge, Abnahmeverträge zur Finanzierung von Projekten und Beteiligungen an Projekten. Zusätzliche Lieferanten können vor Lieferengpässen schützen. Materialeffizienz reduziert ebenfalls die Abhängigkeit im Einkauf.

 

Die Preise werden stark steigen?

Brandenburg: An Preisspekulationen beteiligt sich die Dera nicht. In den letzten Monaten haben die Preise für Batterierohstoffe stark zugelegt. Für Lithium und Kobalt haben sie sich verdoppelt, zuletzt ist auch der Preis für Graphit gestiegen. Wie sich die Preise in der Zukunft verhalten, ist nicht vorherzusagen. Mit steigendem Angebot kann es auch wieder mehr Konkurrenz geben, was wiederum zu sinkenden Preisen führen könnte.

 

Es entstehen neue Abhängigkeiten?

Brandenburg: Die Automobilhersteller haben es mit neuen Marktteilnehmern und mit zum Teil  engen, konzentrierten Märkten zu tun. Beispielsweise konzentriert sich die Förderung von Lithium auf nur drei Länder – Chile, Australien und Argentinien. Die Produktion wird von vier Unternehmen kontrolliert.

 

Wie sieht es bei den anderen Rohstoffen aus?

Brandenburg: Der Graphitmarkt ist ebenfalls hoch konzentriert. Rund 70 Prozent der Produktion stammen aus China. Die Weiterverarbeitung findet fast exklusiv in China statt. Bei Kobalt besteht eine große Anhängigkeit gegenüber der DR Kongo. 60 Prozent der Kobaltförderung stammen aktuell aus diesem Land, das auch die größten Reserven besitzt. Im Falle der Batterie- und Zellfertigung konzentriert sich die Produktion fast vollständig auf China, Südkorea und Japan.

 

Die Industrie warnt vor Engpässen. Übertrieben?

Brandenburg: Wie gesagt, die Rohstoffmärkte sind zum Teil hoch konzentriert. Das gilt auch für die Märkte der Batterierohstoffe. Hoch konzentrierte Märkte weisen nach Einschätzung der Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR/Hannover) hohe potenzielle Preis- und Lieferrisiken auf. 

 

Andere Länder haben bessere Rohstoff-Zugänge als Deutschland? Welche?

Brandenburg: China kann die gesamte Wertschöpfung abdecken und hat sich dort, wo es auf Importe angewiesen ist, in jüngster Zeit an großen Projekten beteiligt.

 

Konkret?

Brandenburg: Die Chinesen sind über ein Joint Venture an dem größten australischen Lithiumproduzenten Talison Lithium beteiligt, der Lithiumkonzentrat zur Weiterverarbeitung nach China liefert. Im letzten Jahr hat ein chinesisches Unternehmen auch ein großes Kupfer-Kobalt-Projekt in der DR Kongo übernommen. In der Weiterverarbeitung aller Batterierohstoffe ist China ohnehin führend.

 

Rohstoff-Probleme werden das E-Auto nicht stoppen?

Brandenburg: Langfristig ist das nicht zu erwarten, da die Kapazitäten erweitert werden. Wichtig bleibt aber ein nachhaltiger, wettbewerbsfähiger Rohstoffbezug.

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