Skandinavien diskutiert Sex-Gesetze

„Sex muss freiwillig sein. Und ist er nicht freiwillig, so ist er illegal“, sagte Schwedens Regierungschef Stefan Löfven in einer Weihnachtsrede. Schweden will per Gesetz festlegen, dass man künftig aktiv um Erlaubnis für Geschlechtsverkehr bitten muss. Sonst droht eine Verurteilung wegen Vergewaltigung, auch ohne erkennbare Auseinandersetzung oder Gewalt. Das neue „Einverständnis-Gesetz“ soll im Juli in Kraft treten.

In Norwegen fordern Opposition und Menschenrechtsinitiativen ein solches Gesetz. Ein ähnlicher Vorschlag sei aber trotz positiver Anhörungen auf Eis gelegt worden, kritisierte Amnesty Norge. „Die Regierung hat wenig Interesse gezeigt, ernsthaft gegen Vergewaltigung vorzugehen“, zitierte die norwegische Nachrichtenagentur NTB eine Sprecherin. Dabei zeige die „MeToo“-Kampagne wie nötig das sei.

Auch in Dänemark fordert die Opposition schärfere Gesetze, die der Frau mehr Macht einräumten. Viele Frauen zeigten Belästigung nicht an, weil sie nicht glaubten, dass diese geahndet werde. Man müsse aber vorsichtig sein, dass ein solcher Vorschlag nicht lächerlich gemacht werde, sagte die justizpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten der Nachrichtenagentur Ritzau. „Gegner werden behaupten, dass man jetzt eine Unterschrift von seiner Geliebten braucht, bevor man das Licht ausknipst.“

In den feministisch geprägten skandinavischen Ländern hat die Kampagne gegen sexuelle Übergriffe besonders große Wellen geschlagen. Tausende Frauen unterzeichneten öffentliche Aufrufe und machten eigene Erlebnisse öffentlich.

dpa

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Kommentare

Muss nur der Mann bei der Frau die explizite Genehmigung einholen oder gilt das auch umgekehrt? Ansonsten wäre das ja höchst sexistisch! Wie erfolgt eine rechtssichere Absicherung? Mündlich wird ja im Zweifel nicht ausreichen. Wird es entsprechende Vordrucke geben? Oder wäre eine notarielle Beurkundung am Besten?

Die Menschheit geht zugrunde...
Ganz so ist es nicht! Es verschiebt sich nur unser gesellschaftliches Denken von einer Männer dominierten hin zu einer partnerschaftlichen Einstellung. Ich finde es als Mann nur richtig.
Ausweg: Voll selbstbefruchtungsfähige Hermaphroditen schaffen das Problem
aus der Welt, versehentlich entstehende männliche Drohnen werden umweltfreundlich
entsorgt.
Wie ich gelesen habe, soll das Gesetz auch für feste Partnerschaften und Ehen gelten. Um Missverständnisse zu vermeiden, und die Romantik im Vorfeld nicht durch ein "bist du auch wirklich sicher, dass du das willst? Dann sage jetzt JA in das Aufnahmegerät" zu zerstören, könnte man ja die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und beispielsweise per App ein straffreies Beischlaffenster vereinbaren, z.B. Samstag 22.00 bis 22.30. In der Übergangszeit wäre vielleicht auch eine behördliche Beaufsichtigung des Aktes möglich.
Wie soll man so einen Vorschlag lächerlicher machen als er es in sich selbst bereits ist? Es geht dabei nicht um die Intention die dahintersteht, die ist ja löblich, sondern um die Praxistauglichkeit.
Für mich ist es selbstverständlich, auch über sexuelle Belästigungen zu diskutieren, da sie nun mal vorkommen. Das sollte ohne Sarkasmus oder Schaum vor dem Mund geschehen. Dass jeder seinen eigenen Interpretationspielraum der Gesetze lebt, ist doch bei allen menschlichen Handlungen üblich.
Darum geht es hier aber gar nicht. Es geht hier darum, dass normales Verhalten kriminalisiert wird. Der Kurier Artikel enthält wenig Details, z.B. bei Focus wird die Sachlage etwas genauer beschrieben. Kurzfassung: Mann und Frau haben einvernehmlich Verkehr. Mann hat Frau vorher aber nicht explizit um Erlaubnis gefragt -> Mann ist juristisch betrachtet Vergewaltiger. Umgekehrt gilt das aber wohl nicht. Das ist nicht partnerschaftlich, das ist sexistisch und krank! Und: die Erlaubnis ist wohl jedes Mal erneut einzuholen, auch in festen Partnerschaften. Ergo: in Schweden hat Mann z.B. 52 mal im Jahr einvernehmlich Verkehr mit seiner Frau. 51 mal hat er vorher gefragt, irgend ein mal davon hat sich aber einfach so ergeben, ohne dass vorher die Erlaubnis eingeholt wurde -> Mann ist juristisch betrachtet Vergewaltiger. Megakrank!
Die Juristen müssen schon total verblödet sein, wenn sie solche Gesetze verfassen. Ob das realistisch ist?
In der Juristerei halte ich mittlerweile Alles für möglich, Hauptsache man bewegt sich im vermeintlichen Mainstream. Letztlich läuft es auf eine Verunsicherung
und gesellschaftliches Mißtrauen durch diese Form der Hypermoral hinaus. Entstehungsort vieler dieser pathologischen gesellschaftlichen Phänomene sind die USA, aber auch in Deutschland ist dieses Krankheitsbild zunehmend zu beobachten
Das ist kein Krankheitsbild, sondern ein Versuch, ein ernsthaftes Problem rechtlich in den Griff zu bekommen.

Dass eine Frau falsch aussagt, keinen einvernehmlichen Sex gehabt zu haben, gibt es bereits jetzt. Kein Mann ist auch heute vor Falschaussagen sicher und ein solches Gesetz wird daran überhaupt nichts ändern. Aber der Frau ist vor Gericht auch dann geholfen, wenn sie wahrheitsgemäß aussagt, nicht geschlagen worden zu sein oder sich nicht gewehrt zu haben.

Sicherlich nicht das perfekte Gesetz, aber ein Versuch, es den Opfern zu erleichtern.
Dass ein Staatsanwalt Klage erhebt, weil ein Ehemann bei 52 mal Sex nur 51 mal die Erlaubnis eingeholt hat, ist doch völliger Blödsinn. Es sei denn - und da ist der Knackpunkt - vor dem 52 mal kam es zur Trennung. Da können die Juristen auch dann Ermittlungen einleiten, wenn die Frau nicht Grün und Blau geschlagen wurde.