Six Pack-Mitgründer Rolf Waldhier ist tot

Rolf Waldhier, der Mann mit dem Bart und der Halbglatze, war schon lange, bevor Six Pack aus der Taufe gehoben wurde, eine treibende Kraft der Bayreuther Musikszene. Wie Six Pack schreibt, hat der gebürtige Thurnauer mit Bands wie Mamagenta oder Mr. Pink musikalische Ausrufezeichen gesetzt. Bei Mr. Pink arbeitete Waldhier bereits drei Jahre vor der Gründung der Band mit einem der späteren Six-Packer zusammen: Markus Burucker. Burucker erinnert sich am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung daran, dass er Waldhier erst einmal einen Korb gegeben habe, als der ihn 1990 gefragt hat, ob er bei Six Pack mitmachen wolle. "Er fragte, ob ich Lust auf A-Cappella hätte. Ich hab kurz überlegt und dann gesagt: Naa." Aus dieser spontanen Absage sind inzwischen 27 Jahre Six Pack geworden.

"Mein Mentor"

Burucker hat zu Waldhier, den er als "meinen Mentor" bezeichnet, "als einen Mann, von dem man unheimlich viel lernen konnte", fast "eine Vater-Sohn-Beziehung, die schon aus der Sicht nicht immer einfach war". Waldhier, sagt Burucker, war "ein begnadeter Musiker, Hauptsächlich an den Tasten. Gitarre hat er auch gespielt. Aber er war Lehrer für Klavier, kam ursprünglich aus der Klassik". Dennoch war, wo Waldhier war, "Rock'n'Roll. Für mich war er der deutsche Frank Zappa". Waldhier sei ein "Typ mit Kante" gewesen, "ein extravaganter Kerl, ein facettenreicher Charakterkopf. Und er war furchtbar gebildet, buddhistisch, man konnte viel mit ihm diskutieren. Philosophieren. Er war musikalisch unglaublich beschlagen. Irgendwie war er alles", sagt Burucker.

Lars Kienle, einer der Gründer von Six Pack, dreht im Gespräch mit unserer Zeitung das Rad der Geschichte ebenfalls auf das Jahr 1990 zurück: "Six Pack, das war die Idee von Hannes Betz, Klaus Meile und mir. Wir sind auf Rolf zugegangen und haben ihn gefragt, ob er uns unterstützen kann." Waldhiers Diagnose der Situation: Gerade heraus. Und niederschmetternd. "Er hat uns erst mal erklärt, dass wir weder vernünftig singen noch irgendetwas arrangieren könnten. Aber wenn wir noch drei Mann, darunter einen gescheiten Bass auftreiben könnten, dann könnte es was werden." So, sagt Kienle, seien sie in das Abenteuer Six Pack "erst mal reingestolpert". 

"Ohne ihn wäre das Projekt gescheitert"

Rolf Waldhier habe "mit Proben alter Schule" die Band geformt, sagt Kienle. "Im Grunde hat Rolf uns überhaupt erst das Singen beigebracht. Ohne ihn wäre das Projekt als Schnapsidee gescheitert", sagt Gründungsmitglied Johannes Betz. "Er hat uns am Klavier seine Arrangements vorgespielt, wir haben versucht, das zu verinnerlichen", sagt Kienle. "Der Rolf war ein unglaublich erfahrener Mensch. Zehn, 15 Jahre älter als wir. Er war der Papa der Band. Er stand über uns, hatte eine klare Meinung. Die oft nicht unserer Meinung entsprach."

Dass Rolf Waldhier die Band 2008 verlassen hat, um sich neuen Projekten zuzuwenden, habe die Band überrascht. "Wir haben es akzeptiert. Aber es war ein großer Bruch." Dennoch: Noch heute spielt Six Pack viele der Arrangements, die aus der Feder von Rolf Waldhier stammen. Zu den Klassikern gehört "Je ne regriette rien" von Edith Piaf oder die Bearbeitung von "L'amour est un oiseau rebelle" aus George Bizets "Carmen". Songs, die den Zuschauern auch heute noch die Tränen des Lachens in die Augen treiben.  

Das Lachen ist verstummt, die Arrangements leben weiter

In ihrem Nachruf bringt die Band den kraftvollen Charakter Rolf Waldhiers, der in den vergangenen Jahren oft im Zuschauerraum, nicht mehr wie früher am Mischpult oder als Regisseur der Shows im Saal war, mit einem Satz auf den Punkt: "Ich verlange unbedingten Gehorsam, brülltest du vor langer Zeit, und hast dich dabei vor Lachen geschüttelt." Das Lachen ist verstummt, seine Arrangements leben weiter. Und ohne Waldhier hätte es Six Pack nicht gegeben.

 

Im Probenraum mit Six Pack:

 

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