Sexualkunde und Bayernhymne

Frau Eixenberger, Sie haben Ihre Zulassungsarbeit fürs Lehramt über das Thema „Dialekt im Unterricht“ geschrieben. Vermutlich auf Hochdeutsch...

Christine Eixenberger: Das ist richtig.

 

Darf man denn als Lehrer im Freistaat so richtig breiten Dialekt sprechen?

Eixenberger: Es ist schon so, dass Dialekt im Unterricht gewünscht ist, allerdings kann man sich damit auch selbst ein Bein stellen. Wenn man mathematische Inhalte erklärt, macht es schon Sinn, das auf Hochdeutsch zu tun. 2006 hat aber das Kultusministerium eine Handreichung an alle Schulen rausgegeben, wonach Dialekt im Unterricht gefördert werden soll. Beispielsweise mit Unterrichtsstunden, in denen bayerisches Liedgut gesungen wird oder bayerische Begriffe erklärt werden sollten. Das ist aber natürlich hinsichtlich der Kompaktheit des Lehrplans und dem Druck, der da auf allen Parteien lastet, sehr schwer in den Unterricht zu integrieren.

 

Früher wurde ja Dialekt gleichgesetzt mit provinziell. Sehen Sie da einen Wandel?

Eixenberger: Der bayerische Dialekt ist ja der beliebteste in ganz Deutschland. Ich würde schon sagen, dass der Dialekt einen Zugewinn erfahren hat. Das hat auch etwas mit Identität zu tun. Im Unterricht ist heute sehr wichtig, dass man switchen kann. Es geht darum, dass man beides kann. Es gibt ja Kinder, die mit Dialekt aufwachsen und dann Hochdeutsch lernen, also zweisprachig aufwachsen. Das ist schon eine große Leistung.

 

Wo sind denn mehr Entertainerqualitäten gefragt: Wenn man als Lehrer vor einer Grundschulklasse steht, oder wenn man als Kabarettist sein Publikum bei Laune halten will?

Eixenberger: Der Unterschied ist: Die Leute, die zu mir ins Programm kommen und Eintritt bezahlen, machen das freiwillig. Die Kinder, die man vor sich sitzen hat, sind da nicht freiwillig und die muss man erst mal kriegen. Als Lehrer sollte man Kinder für Inhalte begeistern können. Das Kabarettpublikum erwartet vor allem eine gute Show. Die wollen lachen, Spaß haben und nebenbei noch etwas „für sich mitnehmen“.

 

Sie haben ja drei Semester Jura studiert. Gab es dabei Situationen, die sie eins zu eins ins Kabarettprogramm übernehmen konnten?

Eixenberger: Ich habe in Passau studiert. Das war ja die Vorzeigeuni für Rechtswissenschaft...

 

Wenn das jetzt die Bayreuther hören ...

Eixenberger: ... zumindest als ich studiert habe, waren die Passauer im Ranking ganz oben. Da waren viele Studenten, die aus einem Akademikerhaushalt kamen und schon im ersten Semester sehr überzeugt von ihrem Wissen waren. Die haben unserem Staatsrechtsdozenten immer Mails geschrieben und dessen Inhalte korrigiert. Das hat er dann vorgelesen und die Texte der Korrigierer nochmals korrigiert. Daraus sind sehr lustige Situationen erwachsen.

 

Haben Sie kabarettistische Vorbilder?

Eixenberger: Es gibt bestimmte Menschen, die ich sehr bewundere, allen voran Josef Hader. Er schlägt für mich perfekt die Brücke zwischen Theater und komödiantischen Aspekten. Aber als Vorbild würde ich niemanden bezeichnen.

 

Schreiben Sie Ihre Texte selbst?

Eixenberger: Ich schreibe mit einem Autor, der mich überhaupt erst zum Kabarett gebracht hat, zusammen. Er hatte mich in Passau gefragt, ob ich Lust auf Ensemble habe. Dann habe ich gesagt: Ja, ich habe eh gerade Baurecht. So habe ich mein Studium abgebrochen (lacht).

 

Machen Sie politisches Kabarett?

Eixenberger: Für mich will ich diese Grenze gar nicht ziehen. Klassisches politisches Kabarett ist das bei mir nicht. Es ist vielleicht eher ein sozialkritisches Typenkabarett und ich habe viele komödiantische Aspekte drin, die für sich selbst stehen. Ich nehme gewisse Gesellschaftskreise unter die Lupe, was sich etwa beim Thema Pädagogik auch stark anbietet.

 

Nach Bayreuth kommen Sie mit Ihrem Programm „Lernbelästigung“. Werden Sie die Oberlehrerin geben?

Eixenberger: Das würde ich nicht sagen. Ich mache in meinem Programm einen Klassenzimmer-Plot auf, aber ich will mein Publikum nicht belehren. Ich glaube, dass das auf witzige Weise verpackt ist. Ich habe viele schnelle Rollenwechsel. Dabei unterhalten sich meine Kinder auf der Bühne mit mir als Lehrkraft. Zum Beispiel zum Thema „Sexualkunde“. Oder interpretieren die Bayernhymne neu.

 

Müssen am Schluss alle aufstehen und die Bayernhymne singen?

Eixenberger: Das müssen sie nicht, aber das machen sie gerne immer freiwillig. Ich stimme immer an und dann hört man, dass sie mitsingen. Neulich bei einem Auftritt in Frankfurt am Main haben die Leute so laut mitgesungen – das war total krass. Das ist mir in Bayern so noch nie passiert.

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