Sexsucht, Porno, Vergewaltigung

"Ich war platt, als die Kripo sich bei mir meldete", sagt der Familienvater, der falsch beschuldigt worden war. "Ich glaube, ich habe nur gesagt: Was soll das?"

Was sollte das? Diese Frage wurde des öfteren gestellt im Strafprozess gegen den 26-jährigen Angeklagten. Der Mann war im Mai zur Kripo einbestellt worden. Im Kommissariat für Sexualdelikte wurde er als Beschuldigter vernommen.

Der 26-Jährige war per Computer auf Internetseiten unterwegs gewesen und hatte sich auffällig für Kinderpornografie interessiert. Die Kripo beschlagnahmte sein Handy und seinen Computer und fand üble kinderpornografische Bilder.

Mitten in seiner Vernehmung behauptete der Mann plötzlich, seine Freundin sei jahrelang von ihrem Vater vergewaltigt worden. Und er habe die Kinderpornos angesehen, um sich in den Vater hineinversetzen zu können.

Sie waren "völlig aus dem Häuschen"

Der Kriminalbeamte legte eine zweite Akte an. Er befragte die Ex-Freundin des Angeklagten, eine heute 18-Jährige. "Sie sagte aus, da sei nichts dran." Der Kriminaler befragte die Mutter des Mädchens: "Sie war auch völlig aus dem Häuschen."

Den Vater vernahm der Beamte nicht mehr. "Ich bin erst auf ihn zugegangen, als ich die Verfügung des Staatsanwalts in der Tasche hatte, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt ist und ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung gegen den Freund der Tochter eingeleitet war."

Was sollte das? Auf die Fragen von Amtsrichter Stefan Käsbohrer beharrte der Angeklagte darauf, dass er der Kripo nur weitergegeben habe, was seine Ex-Freundin ihm erzählt habe. Die Kinderpornoseiten im Internet habe er nur deshalb besucht, weil er sich in solche Erwachsene habe hineinversetzen wollen.

Tränen der Wut im Gerichtssaal

Was sollte das? Eine Erklärung lieferte die Aussage der 18-Jährigen. Im Denken ihres damaligen Freundes habe Sex eine zentrale Rolle gespielt. Er habe ihr einmal gesagt, er sei "sexsüchtig". Sie berichtete, dass er damit geprahlt habe, Pornodarsteller zu sein, entsprechende Filme seien angeblich im Internet zu finden.

Die Zeugin berichtete, der Angeklagte habe von ihr gefordert, mit ihm "Rollenspiele" zu spielen: Sie sollte ein Schulmädchen spielen, das von einem Erwachsenen missbraucht wird. Sie betonte, diese "Rollenspiele" seien nicht echt gewesen, sondern nur virtuell - auf Handychats. Im Gerichtssaal weinte die 18-Jährige Tränen der Wut.

Mit der Aussage der 18-Jährigen und ihrer Mutter nahm quasi auch eine Unsichtbare Platz auf der Anklagebank. Die 18-Jährige berichtete, sie habe ihrem damaligen Freund erzählt, dass eine eifersüchtige Mitschülerin vor einigen Jahren über sie in der Schule ein übles Gerücht in Umlauf gebracht habe: Sie sei selbstmordgefährdet und schwanger.

Ihre Mutter sagte aus: "Sie war weder schwanger noch selbstmordgefährdet. Die Schulpsychologin bestand darauf, dass wir ins Bezirkskrankenhaus gehen. Dort sagte die Psychologin: Dieses Mädchen hat kein Problem.

Was soll das?" Ihre Tochter sagte: "Ich habe ihm halt von den Gerüchten erzählt und dass ich deswegen die Schule gewechselt habe. Ich kann mir nicht erklären, was er sich da zusammen gesponnen hat."

Angeklagter leidet unter Psychosen

Bei der Vernehmung des Angeklagten fand Richter Käsbohrer Anhaltspunkte für eine Erklärung: Der 26-Jährige bekannte, dass er psychische Probleme habe und schon wegen Psychosen behandelt worden sei. Dass er unter Depressionen und Verlustängsten leide.

Richter Käsbohrer kam in seinem Urteil zu dem Schluss, dass der 26-Jährige mit der falschen Verdächtigung möglicherweise von seiner eigenen sexuellen Neigung habe ablenken wollen und sich die Geschichte für seine Selbstrechtfertigung zusammenphantasiert habe.

Gegen den unter anderem wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen Verbreitung pornografischer Schriften vorbestraften Mann verhängte Käsbohrer eine fünfmonatige Bewährungsstrafe.

Das ist aber nur der Anfang: Falls der 26-Jährige im Fall der Kinderporno-Vorwürfe schuldig gesprochen wird, ist danach eine Gesamtstrafe zu bilden.

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