Seulbitz: Ende der Umleitung ist nah

"Wir sind im Zeitplan. Wir wollten bis Ende der Sommerferien fertig werden. Und das schaffen wir auch", sagt Robert Wolfrum, beim Tiefbauamt der Stadt der Bauleiter für das Großprojekt in Seulbitz, dessen erster Bauabschnitt - der kleinere von zwei Abschnitten - kurz vor dem Abschluss steht. Nach der Asphaltierung soll der Verkhr schnell wieder rollen, auch wenn in den Randarbeiten noch Restarbeiten zu machen sein werden.

Die ersten Randsteine sind gesetzt

Die ersten Randsteine und Wassereinläufe sind schon gesetzt, aber zwischen dem künftigen Fahrbahnrand und den Häusern in der Seulbitzer Straße klaffen noch viele Löcher. Löcher, in denen man erkennen kann, wie eng es zugeht unter der Fahrbahn. "Man muss sich wundern, wie viele Leitungen da zusätzlich zum Kanal und den anderen Versorgungsleitungen verlegt werden", sagt Klaus Becher, der Seulbitzer Ortssprecher, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bis sieben Meter tief lag der Kanal

Es ist nicht allein die Enge, die den Bauarbeitern zu schaffen machten. Es ist auch die Lage des Kanals: "Wir mussten teilweise sieben Meter tief rein", sagt Bauleiter Wolfrum. Das habe auch die Anlieger beeindruckt. Im Vorfeld der Sanierung in der Ortsdurchfahrt hatte es mehrfach Umplanungen gegeben, weil die Seulbitzer sich gegen die Pläne der Stadtverwaltung gewehrt hatten. "Man hat aber gesehen: Es gab vorher mehr Bedenken und Probleme als während der Bauphase", sagt Norbert Hübner, der Leiter des Tiefbauamtes der Stadt.

Gewinn für die Barrierefreiheit

Der Ausbau der Ortsdurchfahrt wird nach den Plänen gemacht, "die im Bauausschuss vorgestellt wurde", sagt Hübner. "Es wird unterschiedliche Bordsteinhöhen geben: Vor den Einfahrten drei Zentimeter hoch, sonst sechs Zentimeter hoch. Der Gehweg soll auch von überbreiten Fahrzeugen aus den landwirtschaftlichen Betrieben mit genutzt werden können." Die Bushaltestellen werden entsprechend angepasst: Es gebe keine Bus-Buchten mehr, sondern Bus-Caps - also Haltestellen mit erhöhtem Bordstein, die den Passagieren ein leichteres Zu- und Aussteigen ermöglichen sollen. Das sei nicht nur ein Gewinn für die Barrierefreiheit und gewünscht von den Verkehrsbetrieben, sagt Hübner. "Das trägt auch zur Verkehrsberuhigung bei, wenn man hinter dem Bus anhalten muss."

Kanal musste raus

In den vergangenen Monaten haben die Bauarbeiter alles ausgetauscht, was Probleme bereitet: "Der Kanal bestand aus Rohren mit 30 bis 40 Zentimetern Durchmesser. Jetzt haben wir 150 Meter Kanal mit einem Durchmesser von einem Meter und 140 Meter Kanal mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern verlegt", sagt Wolfrum. Der alte Kanal sei marode, zudem bei stärkerem Regen überfordert gewesen - Rückstau in Keller inklusive. Künftig laufe die Entwässerung auch getrennt: Die höher gelegenen Gebiete von Seulbitz werden über den Kanal in der Seulbitzer Straße entwässert, "der auch als Stauraumkanal dient", wie Hübner sagt. Die Wassergasse und die Alte Dorfgasse hängen dann nicht mehr an diesem System, was die Gefahr von Überflutungen reduziere.

Wasserleitung platzte noch einmal

Die alte Wasserleitung, die während der Bauarbeiten noch für einen Rohrbruch gesorgt hatte, wurde ebenfalls getauscht. "Da ist jetzt eine Leitung aus Polyethylen drin", sagt Wolfrum. Insgesamt wurde die Leitung auf einer Länge von 330 Metern getauscht. Zudem wurde in der Seulbitzer Straße auf einer Länge von 250 Metern eine neue Gasleitung verlegt, auch Strom und weitere Kabel wurden erneuert. Ebenfalls nicht unwichtig: Die Seulbitzer Straße hat in dem ersten Bauabschnitt einen etwa einen Meter starken Unterbau bekommen, der die immer größeren Lasten tragen kann. "Die Straße hatte vorher überhaupt keinen Unterbau", sagt Hübner. Die Kosten allein für Tiefbau und Asphaltierung liegen bei rund 630.000 Euro. Die Kosten, die bei den Stadtwerken für den Leitungsbau aufgelaufen sind, beziffert Stadtwerke-Sprecher Jan Koch auf rund 270.000 Euro.

Zweiter Abschnitt dauert länger

Der zweite Abschnitt soll, wenn die Mittel zur Verfügung stehen, "schon sehr bald im nächsten Jahr angegangen werden", sagt Hübner. Dieser zweite Streich in Seulbitz zwischen Neunkirchner und Lenzstraße ist "fast doppelt so lang. Und da werden wir auch länger brauchen. Bis zum Spätherbst wird das sicher dauern".

Das sagt der Ortssprecher

Der Seulbitzer Ortssprecher Klaus Becher hat sich vor gar nicht langer Zeit noch einmal im Tiefbauamt die Videoaufnahmen angeschaut, die vom Kanal gemacht wurden, weil es Zweifel gegeben habe, dass der Kanal tatsächlich so schlecht gewesen sei, sagt Becher auf Anfrage unserer Zeitung. "Der war marode, ohne Zweifel", sagt Becher. Zu den Bauarbeiten und der Umleitung sagt Becher: Es gebe nach wie vor den einen oder anderen, "der über die Umleitung mosert". Aber: Die Absprachen vor allem mit den direkten Anwohnern und den Landwirten, die ihre Betriebe an der Seulbitzer Straße hätten gut funktioniert. "Man hat mir berichtet, dass die Arbeiter Überstunden gemacht haben, damit Landwirte am nächsten Tag rein und raus fahren konnten."

Unsicherheit wegen der Kosten für die Bürger

Große Unsicherheit, sagt Becher, herrsche aber nach wie vor, was die Kosten betrifft, die - wie Tiefbauamtsleiter Norbert Hübner bestätigt - nach der Straßenausbaubeitragssatzung (SABS) auf die Anwohner umgelegt werden sollen. "Das ist ein Problem, das sicher in drei bis vier Jahren auftauchen wird, wenn abgerechnet wird", sagt Becher. "Da gibt es bei den Anliegern große Fragezeichen, wie das ausfallen wird."

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