Sensation: Der Eremit, der vom Baum fiel

Er galt als verschollen, der Eremitenkäfer. Wie Ingo Berens, der stellvertretende Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth und Eremitage, am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung sagt: "Der Käfer war ein Mysterium." Und er war einer der Gründe, dass Teile der Eremitage als Schutzgebiet gemäß der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) ausgewiesen worden waren. Allein: "Man hat nie ein Exemplar gefunden, obwohl die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde immer danach gesucht haben." Jetzt jedoch hat der Eremitenkäfer auf sich selbst aufmerksam gemacht. "Auf kuriose Weise: Er ist bei Baumpflegearbeiten einem unserer Mitarbeiter auf den Helm gefallen", sagt Berens. "Und im Korb des Hubsteigers gelandet."

Mitarbeiter setzen den Käfer an eine Baumhöhle

Die Mitarbeiter, die im Steiger an einer 120 bis 150 Jahre alten Linde zu Baumpflegearbeiten wegen der ersten Sommerstürme unterwegs waren, haben "geistesgegenwärtig reagiert", sagt Berens. "Einer der Kollegen hatte ein Brillenetui dabei, hat den Käfer dort hinein gesetzt und auch gleich fotografiert. Im Anschluss haben die beiden den Käfer an einer Baumhöhle abgesetzt. In der ist er dann schnell verschwunden." Ein paar Tage später, sagt Berens, habe man von Hedwig Friedlein von der Höheren Naturschutzbehörde die Bestätigung bekommen: es ist der Eremitenkäfer, der zuletzt 1983 in der Eremitage nachgewiesen worden war. Hedwig Friedlein wird in einer Mitteilung der Schlösserverwaltung mit den Worten zitiert, dass es sich um einen "höchst erfreulichen Fund" handle.

Faul und die meiste Zeit in seiner Höhle

Der Eremitenkäfer sei "ein besondere Käfer", sagt Berens. "Er bewegt sich nicht weit fort, ist eher faul. Er bewegt sich maximal 100 Meter von seinem Geburtsort fort." Der Geburtsort: Baumhöhlen. das sei auch genau der Grund, warum es kaum noch Eremitenkäfer gebe. Die alten Baumbestände in historischen Parkanlagen wie der Eremitage gehören zu "den wenigen noch verblieben Rückzugsräumen dieser Art", heißt es in der Mitteilung der Schlösserverwaltung. Die Rapen des Käfers bleiben nach den Worten von Berens "drei Jahre in der Mulmhöhle. Ist der Käfer geschlechtsreif, bleibt ihm ein Sommer. Deshalb ist es auch ein großer Glücksfall, dem Käfer zu begegnen, weil er die meiste Zeit seines Lebens in der Höhle verbringt".

Höhlenbäume gibt es kaum noch. In der Eremitage schon.

Höhlenbäume wie es sie in der Eremitage gibt, finde der Käfer kaum noch, "weil die Bäume in der Forstwirtschaft dieses Lebensalter gar nicht mehr erreichen", sagt Berens. "In der Eremitage dürfen die Bäume viele hundert Jahre lang stehen." Die Schlösserverwaltung wolle mit fachgerechter Baumpflege die Biotopbäume des Eremiten möglichst lange erhalten. "Damit", schreibt die Schlösserverwaltung, komme man der "Verpflichtung nach, neben dem Erhalt des einzigartigen kulturellen Erbes der Schloss- und Gartenverwaltung auch deren Bedeutung für den europäischen Artenschutz zu wahren".

In Bamberg und Forchheim gab es Eremitenkäfer. Hier nicht mehr.

Manfred Scheidler, der Artenschutzreferent der Regierung von Oberfranken, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, er kenne den Käfer sonst eigentlich nur aus Bäumen in Parkanlagen wie dem Bamberger Hain oder einem Park in Forchheim, in dem alte Kopfeichen stehen. "Es ist schon eine Sensation, dass wir ihn hier in der Gegend gefunden haben." Denn: "Der Käfer mag es an sich ein bisschen wärmer." Der Käfer wird etwa drei Zentimeter groß. Nachdem er geschlüpft ist, "pflanzt er sich fort, mehr macht er eigentlich nicht", sagt Scheidler. Es sei wichtig, sagt Scheidler, dass Bäume, in denen der Käfer sein Zuhause hat, so lang wie möglich stehen bleiben. "Solche Bäume werden von dem Käfer von Generation zu Generation auch mehr als 100 Jahre genutzt."

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