Seniorin an der Haustür überrumpelt

"Dreist, gemein", sagt Polizeisprecher Alexander Czech. "Dreist, gemein", sagt auch BRK-Geschäftsführer Peter Herzing. Das Rote Kreuz betreut über 80 Senioren, die in der Peter-Rosegger-Straße im Stadtteil Moritzhöfen in einer Wohnanlage leben. Alle noch sehr selbstständig. Mitten in der Anlage befindet sich ein BRK-Stützpunkt, in dem Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ansprechpartner für die Hausbewohner sind - auch für Notfälle.

Doch den "dreisten Überfall" vom Dienstag, wie es eine Rot-Kreuz-Bedienstete nennt, konnten auch die BRK-Leute nicht verhindern. Zum größten Teil der Wohnungen kommt man zwar durch den Haupteingang, wo man am Empfangstisch des BRK vorbei muss. Aber am späten Abend sitzt hier niemand mehr. Dann ist die Haustüre verschlossen. Es gibt aber auch ein paar wenige Wohnungen, die einen separaten Eingang haben. Eine dieser Wohnungen bewohnt die 87-Jährige.

Erst gebettelt, dann geklaut

Dort klingelten am Dienstag gegen 17 Uhr zwei Frauen. Nach den Ermittlungen der Polizei bettelten sie die Seniorin, die zur Tür kam, zunächst um Lebensmittel an. Dann zeigte eine einen Zettel vor mit einer Aufschrift, die sie als behindert ausweisen sollte. Die 87-Jährige entschloss sich, den vermeintlich armen Menschen vor ihrer Türe zu helfen.

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Da zeigte sich, dass es Gaunerinnen waren: Laut Polizeisprecher Czech drängten sich beide plötzlich in die Wohnung und durchwühlten ungerührt die persönliche Habe der Frau. Die 87-Jährige musste hilflos mitansehen, wie die Frauen ihr Bargeld, Dokumente und ihre EC-Karte an sich nahmen und sich aus dem Staub machten.

Das geschockte Opfer kam zum BRK-Stützpunkt. "Sie war durch den Wind", sagt eine Mitarbeiterin. "Sie war am Dienstag nicht vernehmungsfähig", sagt Polizeisprecher Czech. Am Mittwoch konnten Kriminalbeamte die 87-Jährige sprechen. Leider gibt es keine konkrete Beschreibung der Diebinnen. Eine war schlank, eine war korpulent. Auch die Höhe der Beute ist noch unklar, dies muss erst noch genauer ermittelt werden.

Der "Überfall" spricht sich herum

Die bestohlene Seniorin bekam am Mittwochnachmittag Besuch und Zuspruch von Angehörigen. In der Wohnanlage hat sich der "Überfall" herumgesprochen. Eine ältere Frau auf der Straße, die mit Rollator unterwegs ist, sagt nur: "Gemeinheit."

Polizeisprecher Czech zufolge sind vor allem ältere, alleinstehende Menschen bevorzugtes Ziel von derartigen Straftaten. Seit langem bekannt als "Glas-Wasser-Trick" - dabei bittet jemand, dem es angeblich schlecht geht, um etwas zu trinken - gibt es unzählige Variationen dieser Tat. Mal klingelt ein falscher Polizist, mal jemand vom Wasserwerk oder ähnliches. Die Polizei warnt ältere Menschen, Unbekannten mit derartigen Anliegen die Türe zu öffnen. Man soll durch den Türspion schauen, eine Kette vorlegen, falls vorhanden.

In der Wohnanlage in der Peter-Rosegger-Straße findet kommende Woche ein Vortrag der Kripo zu solchen und anderen Tricks statt.

Wer zu der aktuellen Tat Hinweise geben kann, soll sich unter der Telefonnummer 0921-5060 bei der Polizei melden.

 

Nicht bewertet

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Kommentare

Bei derartigen Delikten erwacht bei mir eine gewisse Sympathie für dosierte Prügelstrafe
als Teil der Bestrafung.
Wer schützt in diesem Land unsere SenorInnen???
Worauf wollen Sie mit dieser Frage hinaus?

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