Seniorenwohnheim erschreckt Anwohner

Etwa ein Dutzend Anlieger des Projekts aus dem Wohngebiet hätten dabei gerne Genaueres über das Projekt von Senivita erfahren, doch einen konkreten Plan gebe es noch gar nicht, betonte Bürgermeister Hans Wittauer. Mit dem sei frühestens im April 2017 zu rechnen. 

Das Projekt: Wie berichtet, plant die Senivita Social Estate AG (SSE) im Ortsteil Weidig ein Seniorenwohnheim nach dem Modell der Altenpflege 5.0 mit 48 Pflegewohnappartements mit integrierter Sozialstation sowie 60 Tagespflegeeinheiten mit 60 Plätzen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus drei Bausteinen: Seniorengerechtes Wohnen, Pflege in der eigenen Wohnung und Tagespflege unter einem Dach. Dieses seit acht Jahren erprobte und immer weiterentwickelte Modell biete gegenüber der stationären Pflege höheren Wohnkomfort, mehr Privatheit, individuelle Versorgung und sehr gute Betreuungsqualität bei Demenz oder Intensivpflege, heißt es.

Anlieger fordern: Wiese sinnvoll nutzen

Die Anlieger: Zuvor hatte Walter Schütz, einer der Anlieger, drei Punkte im Zusammenhang mit dem Bau des Seniorenwohnheims vorgebracht. „Wir wollen alle, dass die Wiese sinnvoll genutzt wird“, sagte Schütz, „aber es muss auch passen, muss stimmig sein.“ Erstens müsse man eine sinnvolle Parkregelung finden, damit die Autos von Heimbesuchern vor allem an den Wochenenden nicht die Straßen im Weidig zuparken. Zwar seien 24 Stellflächen geplant, doch reichten die wohl nicht aus. Zweitens handle es sich in Weidig um ein intimes Wohngebiet mit vielen spielenden oder Rad fahrenden Kindern. Deshalb müsse die Zufahrt zum Seniorenheim unbedingt über die Industriestraße erfolgen. Drittens seien Größe und Form des Gebäudes diskussionswürdig. Das hohe und aus zwei Kuben und einem Verbindungsgebäude bestehende Haus soll seines Wissens an die Grundstücksgrenze gebaut werden. „Hier stellt sich die Frage: Passt das zum Baugebiet Weidig?“ Das Vorhaben müsse stimmig sein und dürfe die Homogenität des Gebiets nicht kaputt machen. Man sollte überlegen, ob das Ganze nicht eine Nummer kleiner realisiert werden könnte, mit mehr Grün drum herum wie beim Awo-Seniorenheim. Nicht so gut kam bei den Zuhörern eine Bemerkung des Bürgermeisters an, der zum Ende der Fragestunde die Möglichkeit eines Flüchtlingswohnheims ins Spiel brachte. „Das ist Erpressung. Das hätte es nicht gebraucht“, rief ein aufgebrachter Anlieger beim Verlassen des Sitzungssaals Wittauer zu.

Gebäude ist kein Stilbruch

Der Bürgermeister: Das Projekt habe schon lange auf der Agenda der Seniorenarbeit der Gemeinde gestanden und man freue sich, dass man mit Senivita einen kompetenten Investor gefunden habe, sagte Wittauer nach der SSE-Zusage im September. „Daran hat sich auch nichts geändert“, betonte der Bürgermeister gestern gegenüber dem Kurier. Es gebe eine immer größere Nachfrage nach solchen Einrichtungen, der man als Kommune gerecht werden müsse. Er sehe keine größeren Probleme bei der Realisierung des Projekts. Das mit einem Flachdach geplante Gebäude sei auch kein Stilbruch, wie von einigen Anwohnern befürchtet. „Wir haben beim Bahnhof und im Bereich der Schule auch Sattel- und Flachdächer nebeneinander. Das harmoniert durchaus“, so Wittauer. Die Anlieger führten Punkte ins Feld, die noch gar nicht bekannt seien. „Wir haben zwar die Änderung des Bebauungsplans beschlossen, aber noch keinen konkreten Bauplan für das Seniorenheim vom Investor vorliegen.“ Dennoch werde man die Anregungen der Bürger sehr ernst nehmen und versuchen, die Planungen so zu steuern, dass am Ende alle zufrieden seien. Auch der Marktgemeinderat sei sich bewusst, dass die Pläne zum Umfeld passen müssten.

Anregungen und Bedenken einbringen

Das Ergebnis: Der ersten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans folgt nun eine zweite vom 7. Dezember bis zum 7. Januar 2017. Bürger sowie die Träger öffentlicher Belange werden insofern einbezogen, als sie sich darüber in der Gemeinde informieren und ihre Bedenken und Anregungen vorbringen können. Der Bau selbst wird wohl nicht vor Sommer nächsten Jahres beginnen. Geplant ist auf Anregung von Bürgermeister Hans Wittauer auch ein runder Tisch mit Bürgermeister, Marktgemeinderäten und Anliegern in Weidig. Darüber freut sich auch Walter Schütz: „Es ist sehr gut, dass der Bürgermeister das angeregt hat. Wir wollen ja schließlich, dass am Ende alle zufrieden sind.“

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Kommentare

Die Weidenberger können ja noch froh sein, daß Bürgermeister Wittauer nicht mit einem
Atommüllendlager gedroht hat.
...statt eines Flüchtlingswohnheims.
Es droht auch das nächste Projekt der Marktgemeinde aus dem Ruder zu laufen. Die Größe, der Investor, der Standort wären ernsthaft zu hinterfragen. Es begann schon damit, dass die früheren Planungen aus den Zeiten des Bürgermeisters Fünfstück einfach verworfen wurden. Will man ein Projekt möglichst bürgernah und kosteneffektiv verwirklichen oder will man ein Monument errichten.
Die ursprüngliche Planung, ein Haus für betreutes Wohnen direkt neben dem AWO-Seniorenwohnheim zu bauen war ein schlüssiges Konzept. So hätte alles sowohl von der Betreuung als auch der notwendigen Infrastruktur gut zusammengepasst.
Dort würde sich auch ein höheres Gebäude gut einfügen.
Schon komisch, das die Bürger erst ihre Bedenken einbrinen, nachdem die erste öffentliche Auslegung abgeschlossen ist - und dazu mWn auch die dazugehörigen Einspruchsfristen abgelaufen sind.
Kann man denn von einem Bürger erwarten, dass er sich ständig auf dem Laufenden hält? Wären nicht Informationen der Verwaltung an ihre Bürger der richtige Weg, wenn man eine Mitwirkung wünscht?
Meines Wissens nach gab es im amtlichen Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg nur einen kleinen Text nach der Unterzeichnung des Grundstück-Kaufvertrages! Hätte man nicht vorher in einem bebilderten Beitrag die Vorstellungen des Investors öffentlich machen können?
Letztendlich gab es für dieses Grundstück schon einen jahrelang gültigen Bebauungsplan, der an dieser Stelle sogar Dachhöhen bis zu 14m zulassen würde. Das aktuelle Projekt bleibt da sogar 1,5m drunter. Sollte vielleicht jede Gemeinde ihre Bürger in regelmäßigen Abständen informieren, was auf Ihren Flächen theoretisch so alles machbar wäre?
Wer die Situation dort kennt, weis dass das alles von einer Dame ausging, die per WhatsApp-Gruppe weitere Anlieger um sich scharte. Letztendlich will sie das Gebäude dort einfach nicht und es werden - wie so oft - viele andere Gründe vorgeschoben. Parkplätze, spielende Kinder (die will zwar sonst dort auch keiner, als Argument sind sie jetzt aber willkommen) und fränkische Baukultur (die sonst im Baugebiet auch nicht ganz so wichtig ist) sind jetzt die großen Probleme an diesem Projekt.
Feuerwehrhaus ---> Bestechung
Seniorenheim ---> Bestechung

was kommt als nächstes???
Ich denke, dass unsere Gemeindeverwaltung eine echte Mitarbeit der Bürger fürchtet. Das bringt nur zusätzliche Probleme. Man kann sie ja wieder abwählen. Nur müssen dann die Bürger mit diesen Projekten leben. Ich glaube nicht, dass viele Weidenberger sich das Betreute Wohnen in einem Senivita-Heim leisten können. Außerdem ist dieses Projekt keine naheliegende Ergänzung zum AWO-Heim, sondern primär ein Investitionsprojekt für Geldanleger.
Senivita_Weidenberg
Leider stößt eine sachliches Abwägung zum Projekt "Betreutes Wohnen" in Weidenberg auch hier auf kein Interesse. So konnte auch die Abwicklung alleine ohne Bürgerbeteiligung durchgeführt werden. Am sog."Runden Tisch" saßen vor der Unterschriftsleistung leider keine Bürger, wie es anfänglich einmal öffentlich für die "Neue Mitte" angekündigt wurde.
Das Gute ist, dass die Gemeinde wieder über mehr Finanzmittel verfügt.