Seltener China-Baum hat gute Chancen

70:30, so schätzt Friedhelm Haun, der Kreisgartenfachberater in Kulmbach, die Überlebenschancen der Rarität auf dem Gelände des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums ein. Der Nachfahre des seltenen Mandschurischen Nussbaums werde gut geschützt, um seine Chancen zu erhöhen.

In den vergangenen Jahren, als sich abzeichnete, dass der Mutterbaum dem Schwefelporling, einem aggressiven Pilz zum Opfer fallen würde, versuchten Experten aus den Samen ein neues Bäumchen zu ziehen, jedoch ohne Erfolg. Umso größere jetzt die Freude über den neuen Trieb.

Spekulationen über die Geschichte

Fest steht, dass der damalige Stadtgärtner Wilhelm Kühn den Mandschurischen Nussbaum vor 120 Jahren pflanzte, als er einen botanischen Garten anlegte.

Wie der ungewöhnliche Baum nach Kulmbach gelangte, ist unbekannt. Jedenfalls ist die Art auch heute noch nicht in Baumschulen erhältlich.

So bleiben nur Spekulationen über die Vergangenheit, die in die deutsche Kolonialgeschichte führen: Fest steht, dass 1860 eine preußische Expeditionsflotte nach Asien aufbrach, um die Gegend um die ostchinesische Kiautschou-Bucht zu erkunden. Schon ein Jahr später wurde ein chinesisch-preußischer Handelsvertrag unterzeichnet. Später gründete das Kaiserreich dort einen Marinestützpunkt und machte die Bucht und Teile ihres Hinterlandes zum deutschen Schutzgebiet. Der Güteraustausch florierte und mit den Handelsschiffen kamen auch asiatische Pflanzen ins Kaiserreich – als Botschafter aus einer fremden Welt und koloniale Besitztümer gleichermaßen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges belagerte die japanische Marine die Bucht mit der Metropole Tsingtau und setzte der deutschen Kolonialherrschaft ein Ende. Tsingtau gilt heute als die Bierstadt Chinas und so verbindet der kleine Mandschurische Nussbaum am Gymnasium China mit der Bierstadt Kulmbach.

ub/Foto: red

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