Sein Freund, der Baum

„Der Wald ist faszinierend, hier kann ich gestalten und es ist toll zu beobachten, wie sich die Bäume entwickeln, wenn man etwas ausprobiert“, sagt Escherich, der fast 50 Jahre Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz war. Rund 42 Hektar Wald bewirtschaftet der gelernte Landwirtschaftsmeister und Gastwirt. „Wir haben hier Karstgebiet mit einer guten Kalkversorgung“, erklärt er. Allerdings gibt es teilweise nur eine geringe Bodenauflage. Das komme daher, dass bis 1950 in den Kiefernbeständen, Buchenhängen und auf den Kuppen das Laub als Streu in den Ställen genutzt wurde. Dadurch hat sich kein Humus gebildet und die Bäume – besonders die Buchen – sind nur sehr kümmerlich gewachsen.

Vom Borkenkäfer gefährdet

Etwa zwei Drittel seiner Wälder in Spies und Stierberg besteht aus Buche, Kiefer, Lärche und Ahorn. Der Rest ist meist Fichte im Reinbestand. „Die Fichte ist vor allem durch den Borkenkäfer gefährdet“, so Escherich. Aber auch die Rotfaul, eine Fäule im Stamm, befällt die Bäume. Buchen und Kiefern sind zum Teil sehr alt und verdreht. Sie liefern einen hohen Anteil am Energieholz. Escherich hat in seinem eigener Landwirtschaft schon immer mit Holz geschürt. Seit zwölf Jahren verwertet er ausschließlich Hackschnitzel in zwei Kesseln.

In seiner Funktion als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft hat er die energetische Verwertung des Holzes immer vorangetrieben. Und so heizen das Cabriosol, die Rastanlage Pegnitz, die Mietshäuser am Kellerberg, die Hohe Warte, das Y-Haus sowie die landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth seit rund zehn Jahren auch mit Hackschnitzeln.

In Mischbestände umbauen

Escherichs Ziel ist es, den Wald in Mischbestände umzubauen, die dem Klimawandel stand halten. „Dabei kommt es auf die richtige Standortwahl für die verschiedenen Arten an, ihre Bestandsstabilität, das Beachten von Gefährdungen durch Frost und Insekten und Verwertungspotenziale“, listet er auf. Auch Verjüngungsverfahren müssen beachtet werden. Das heißt bei alten Bäumen werden die Äste gestutzt, damit sie Platz schaffen, um sich weiter auszusäen. Auch was das Holz für einen wirtschaftlichen Wert erzielen kann, müsse beachtet werden, erläutert der 75-Jährige. Nicht alles ist Energieholz, vieles ist auch für die Möbelindustrie geeignet.

Er zählt viele Arten auf

Escherich hat schon viel ausprobiert. An Nadelhölzern hat er neben der Fichte auch die Weißtanne, Douglasie, Lärche und Küstentanne. Bei den Laubbäumen sind es Buche, Berg- und Spitzahorn, Vogelkirsche, Berg- und Flatterulme – ein sehr wertvolles Holz, sagt Escherich – die Schwarz- und die Hybridnuss, Wildobst, Winter- und Sommerlinde sowie Rot- und Traubeneiche. Es ist faszinierend, welche und wie viele Arten er aufzählt. In den geringeren Lagen hat er noch Speierling, Elsbeere, Walnuss und Baumhasel. Dann sind da noch die sogenannten dienenden Baumarten, erklärt Escherich, astfreier Bestand: Zuckerahorn, Birke und Pappel.

Der Landwirtschaftsmeister schützt seine Kulturen mit selbst gebauten Zäunen vor Wildverbiss. „Das ist oft ein Zwiespalt zwischen Reh und Jungbeständen“, sagt er. Escherichs Wunsch ist ein klimatoleranter und schädlingsresistenter Wald, Artenreichtum mit mindestens fünf Baumarten auf der Fläche, ein guter Markt und ein bedarfsgerechter Holzvorrat.

Keine Chemie wird eingesetzt

Und Escherich wünscht sich, dass der Wald wieder mehr gewürdigt wird. „Das ist ein einzelner Bereich, wo keine Chemie eingesetzt wird“, sagt er, „das ist reine Natur. Das unterstreicht auch sein Nachfolger bei der Forstbetriebsgemeinschaft, Werner Lautner. „Der Wald ist Naherholungsort Nummer eins und bietet vielen Insekten einen Lebensraum“, sagt er. Das werde oft nicht erkannt. Die Arbeit im Wald müsste mehr gefördert werden, findet Lautner.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth hat Escherich für den Staatspreis, der alle zwei Jahre verliehen wird, vorgeschlagen. Heuer steht die Auszeichnung unter dem Aspekt des Klimawandels. „Hans Escherich arbeitet vorbildlich im Wald und baut ihn aktiv in einen klimatoleranten Wald um“, sagt Forstdirektor Georg Dumpert. Das mache ihn zum Vorbild für andere Waldbesitzer.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06