Schweinepest rückt näher

Dennoch hat Fuchs Informationen über die Tierseuche und die entsprechenden Schutzmaßnahmen an die zuständigen Stellen im Landkreis weitergeleitet. Die Hinweise gingen per E-Mail an die Bayerischen Staatsforsten, an alle Hegegemeinschaften, die Jagdberater und die Jägervereine. Die gute Nachricht: Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht.

Risiko: Anbindung an Fernstraßen

Das bundeseigene Friedrich-Loeffler-Institut in Jena weist darauf hin, dass erste Fälle der Tierseuche im Juni 2007 in Georgien festgestellt wurden. Die Afrikanische Schweinepest breitete sich weiter aus und erreichte 2012 bis 2014 die Ukraine, Weißrussland sowie Litauen, Polen, Lettland und Estland, wo die Seuche bei zahlreichen Wildschweinen, aber auch bei etlichen Hausschweinen ausgebrochen war. Das Loeffler-Institut schätzt die Gefahr, dass die Schweinepest zunächst in deutsche Wildschweinbestände eingeschleppt wird, größer ein als einen Ersteintrag in die Hausschweinpopulation. Als Risikofaktoren nennt das Institut ein mögliches Einschleppen nach Deutschland durch die Anbindung von Fernstraßen und Eisenbahnen an die Tschechische Republik. Das Risiko, dass die Seuche durch belastetes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang der Fernstraßen durch Fahrzeuge oder Personen eingeschleppt wird, sei hoch.

Virus überlebt sechs Jahre

Nach den Angaben von Iris Fuchs überlebt der Virus in Schlachtkörpern sieben Monate, in Gefrierfleisch sechs Jahre, in Holzteilen 190 Tage und in blutverseuchter Erde 205 Tage. „Ich gehe davon aus, dass der Virus irgendwann bei uns sein wird“, sagt die Amtsveterinärin. „Wir sind immer in Hab-Acht-Stellung“, fügt sie hinzu. Wird in Tschechien der Ausbruch der Seuche bei Wildschweinen innerhalb einer Entfernung von zehn Kilometern von der deutschen Grenze festgestellt, wird in Deutschland zum Schutz ein regionaler, gefährdeter Bezirk ausgewiesen. Erlegte und verendete Wildschweine müssen dann entsprechend untersucht, Warnschilder aufgestellt und Auflagen für Schweinehalter erfüllt werden.

Bauernverband fürchtet Riesenprobleme

Der Bauernverband beobachtet die Entwicklung kritisch. „Wenn man sich die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Europa anschaut, sieht man, dass sie sich entlang der länderübergreifenden Verkehrswege ausbreitet“, sagt Harald Köppel, Geschäftsführer des Bauernverbandes in Bayreuth, Kronach und Kulmbach. Es könne sein, dass Lastwagen- oder Autofahrer Salamisemmeln aus den Fahrzeugen werfen und ein Wildschwein die mit dem Virus belastete Salami frisst. „Schon ist die Schweinepest da“, warnt Köppel. „Sollte die Seuche eingeschleppt werden, gibt es Riesenprobleme.“ Denn in der Sperrzone gibt es ein Verkaufsverbot von Schweinen, in der engeren Sperrzone müssen die Tiere vorsorglich getötet werden. „Ich hoffe, dass die Schweinepest nicht über uns hereinbricht“, zeigt sich Köppel zweckoptimistisch. Lastwagen- und Autofahrer sollten keine möglicherweise belasteten Lebensmittel illegal entsorgen. Und die heimischen Jäger sollten Wildschweine verstärkt schießen, „weniger Tiere bedeuten auch weniger Infektionsgefahr.“

4000 Wildschweine im Landkreis

Der Jägerverein Bayreuth spricht beim Einschleppen der Schweinepest von einem nicht kalkulierbarem Risiko. Je mehr Wildschweine es gebe, desto größer sei auch die Gefahr einer Verbreitung, sagt Vorsitzender Adolf Reinel. „Wir versuchen alles, die Wildschweinplage einzudämmen“, versichert er. Reinel glaubt nicht, dass infizierte Wildschweine aus der Tschechischen Republik nach Oberfranken kommen, die Gefahr besteht seiner Meinung hauptsächlich durch den grenzüberschreitenden Verkehr. Im Landkreis Bayreuth leben seiner Schätzung nach rund 4000 Wildschweine in den Wäldern, etwa 1000 seien im vergangenen Jahr erlegt worden.

Nicht bewertet

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Kommentare

Vielleicht löst sich das Wildschweinproblem dann ja auf natürlichem Wege. Wird nur blöd für unsere Schweinemastbetriebe.
Die Natur hilft sich selbst, wenn man sie lassen würde.
Montag, 13. November 2017 - 11:06