Schulstart kostet 577 Euro

Für die Familie Söllheim aus Laineck ist es eine aufregende Woche. Am Dienstag ist der erste Schultag ihrer jüngeren Tochter Lana (6) und am Freitag wird Lana sieben Jahre alt.  Ab morgen besucht Lana die Grundschule Laineck, so wie ihre große Schwester Thea (8). Die geht in die dritte Klasse und hat die Aufregung schon hinter sich. Wenn am Dienstagabend Tochter Lana erschöpft ins Bett fällt, machen ihre Eltern die Rechnung auf, was ihnen der Schulanfang gekostet hat. Mit allem Drum und Dran 576,95 Euro.

Schultüte selbst gebastelt

Wie kommt es zu dieser enormen Summe?  Die Schultüte ist selbst gebastelt und kostet mit der Füllung 35 Euro. „Wir haben nur ein paar Süßigkeiten gekauft, damit sie nicht zu schwer wird“, sagt Mama Tanja. „Das muss auch reichen“. Der Schulranzen war ein Kombi-Set für 216  Euro. Mit dabei waren Sporttasche, Federmäppchen und Schlampermäppchen. Lana hat sich die mit weißen Einhörnern und Sternen bedruckten lila Taschen selbst aussuchen dürfen. „Natürlich hätte es auch billigere Modelle gegeben oder günstigere Taschen aus dem Vorjahr, aber sie hat sich eben dafür entschieden“, sagt Papa Stefan (36). Den Eltern war es wichtig, dass die Sechsjährige einen rückenentlastenden Schulranzen bekommt. Der Grund: „Theas Schultasche wiegt jetzt sechs Kilogramm“, sagt Tanja Söllheim. „Das ist ein Drittel von Lanas Körpergewicht“.

Kein neues Kleid

Und das steht noch auf der Rechnung: Sportsachen und Hausschuhe kommen zusammen auf 40 Euro. Ein besonders hübsches Kleid für den Schulanfang hat die Familie nicht gekauft. „Sie hat so viele schöne Sachen im Schrank, da brauchen wir nicht extra Kleidung für den Tag“, sagt Mama Tanja. Weiter mit den Ausgaben: Malsachen kosten 20 Euro und Bastelpapier drei Euro. Lineal, Spitzer, Radiergummi und Buntstifte waren im Federmäppchen schon enthalten. „Einen Füller mit Tintenpatronen braucht sie erst ab der zweiten Klasse“, sagt Stefan Söllheim. Stattdessen muss sie einen Folienstift, der 1,95 Euro gekostet hat, benutzen. Kleber und Schere haben zusammen vier Euro gekostet. Arbeitshefte kommen mit Blöcken, Hüllen und Heften auf 50 Euro. Zum Durstlöschen gibt es eine Trinkflasche für zehn Euro. Eine Brotzeitdose hat Lana schon.

Mittagessen mit Großeltern und Paten

Mit dem reinen Unterrichtsmaterial ist es noch nicht getan. Die Erstklässlerin braucht zu Hause einen Schreibtischstuhl, ein Ablagesystem, eine Schreibtischunterlage und einen Papierkorb. Das sind dann noch mal 197 Euro. Der Schreibtisch ist in ihr Hochbett integriert, musste also nicht extra angeschafft werden. Alles zusammengerechnet ergibt rund 577 Euro. In der Summe nicht enthalten ist das Mittagessen mit Lanas Großeltern und ihrem Paten. Für viele Familien läuft der Tag ganz anders ab. Da wird die Einschulung fast so groß wie eine Konfirmation gefeiert. Die Söllheims sehen das entspannt: „Alles andere würde den Rahmen sprengen“.

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Kommentare

...na ja! Wenn die das so sagen...
„Alles andere würde den Rahmen sprengen“ - in meinen Augen wurde der schon gesprengt.
Hmm. Ja. Kann man ausgeben. Oder auch mehr, oder auch weniger. So recht verstehe ich jetzt die Aussage des Artikels nicht. Ja, Kinder kosten Geld, erst recht wenn sie in die Schule kommen. Ob man jetzt immer 577€ ausgeben muss, oder ob das ein Durchschnitt ist, oder das Maximum, oder das Minimum, lässt der Artikel offen. Familie S. aus L. hat gerade 577€ ausgegeben ist die einzige verwertbare Aussage. Wenn in der nächsten Zeitung noch viel Platz ist, hätte ich meinem letzten Kassenbon vom Lidl im Angebot, waren fast 100€, und da waren noch nicht mal Schulsachen dabei.
Familie Söllheim arbeitet hart, um ihrer Tochter alles finanzieren zu können.
Wieder andere arbeiten nichts und lassen uns Steuerzahler, sprich das Sozialamt, bezahlen.
Montag, 13. November 2017 - 11:06