Schulen in Nepal wieder aufgebaut

Dort baute Horn zusammen mit anderen Freiwilligen aus aller Welt vom Erdbeben zerstörte Schulen wieder auf. Dreieinhalb Monate arbeitete sie unter widrigen Bedingungen, die für die meisten Europäer unannehmbar wären. Nach Nepal kam die junge Frau, die im November des vergangenen Jahres ihr Medizinstudium in Erlangen abgeschlossen hatte, nur zufällig. Am 4. Dezember 2016 flog sie nach Bangkok, bereiste einen Monat Myanmar und besucht dann die Philippinen. Sie fand Freunde, die ihr Arbeit in einem Slum auf der Insel Mindanao vermittelten – in einem Gebiet, in dem muslimische Rebellen immer wieder Gewalttaten verüben. „Ich habe mich nie bedroht gefühlt“, sagt Horn – auch weil sie sich nicht freizügig kleidete.

Eine Woche in einer Klinik gearbeitet

Vier Wochen unterrichtete und kochte sie für Kinder, die in keiner Schule aufgenommen werden, weil ihre Eltern nicht einmal die Geburtsurkunde bezahlen können. Und wer „nicht existiert“, kann sich auf den Philippinen in keiner Schule einschreiben. Sie arbeitete noch eine Woche in einer Klinik für Verbrennungsopfer und lernte einen Filipino kennen, der ihr riet, sich bei „All Hands“ zu bewerben, einer US-Organisation, die sie nicht kannte. Am 27. April flog sie in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Von dort ging es mit dem Bus in das sechs Stunden entfernte Dorf Thula Pakhao. Etwa 100 Freiwillige lebten dort in einem Camp und nächtigten in Zelten und Schlafsälen, hinzu kamen 20 Mitarbeiter. Ihr Auftrag: Die zwei beim Erdbeben im April und Mai 2015 zerstörten Schulen wieder aufbauen.

Ausgewählte Helfer

Sie entschied sich für die Schule, in der Kinder bis 15 Jahre unterrichtet werden. „Die ersten zwei Wochen waren hart, die Arbeit war ich nicht gewohnt.“ Sie schaufelte Sand und ging in die Wälder, um Bambus zur Baustelle zu tragen. Mit dem Holz errichten sie ein Gerüst. Aufgrund ihrer medizinischen Kenntnisse war Horn Teamleiterin für Sicherheit und Gesundheit. Nach fünf Wochen gehörte sie zu acht ausgewählten Helfern, die in einem zwei Stunden entfernten kleinen Dorf eine Schule aufbauen sollten. „So was habe ich mein Leben nicht gesehen, wie glücklich die Menschen waren, dass jemand kommt und für ihre Kinder die Schule errichtet“, sagt die 27-Jährige. Die Helfer stellten ihre Zelte auf und bauten zwei Toiletten und Duschen.

„Man gewöhnt sich daran“, sagte Horn, die 2009 am Gymnasium Pegnitz ihr Abitur ablegte. Die beschädigte Schule wurde abgebrochen, nur das Wellblechdach blieb stehen als Schutz vor dem Regen. Die Freiwilligen errichteten das Fundament und zogen zusammen mit Maurern aus der Region die Wände aus Backstein hoch. Diese Männer erhielten Englischunterricht, damit sie auch in Zukunft für die Hilfsorganisation arbeiten können. „Wir haben jeden Tag mit ihnen geübt.“ Auch die Kinder lernten die englische Sprache. Dreimal pro Woche wurden sie mit Hilfe von Übersetzern unterrichtet.

Mit den Freiwilligen feiern

Jede Woche kamen die Bewohner der Gemeinde zusammen, um mit den Freiwilligen zu feiern. Sie führten Tänze auf und ein Heiler rief die Götter an, damit sie über den Bau wachen mögen. Die Bewohner gaben den 20 Helfern auch Brot, Pflaumen und Reis. Denn das Essen war karg: Zum Frühstück Eier, Toast und Haferflocken, mittags Reis und einmal die Woche Fleisch. Die hygienischen Verhältnisse waren unzureichend. „Ich hatte Glück, weil ich nicht krank geworden bin“, berichtet Horn. Innerhalb von knapp zwei Monaten war der Bau vollendet. Auch das Mobiliar war rechtzeitig eingetroffen, sodass am 29. Juli die Schule mit vier Klassenräumen feierlich übergeben werden konnte. Sogar einen kleinen Spielplatz legten die Helfer an. Aus alten Reifen und Metallstäben hatten sie eine Wippe und eine Schaukel errichtet.

Ins Heimatdorf eingeladen

„Für mich war es sehr traurig zu gehen. Man ist einfach stolz, weil man weiß, was man hinterlässt“, sagt Horn. Am vorletzten Tag kam der Bürgermeister und sagte: „Inge, wenn du wiederkommst, dann wohnst du in meinem Haus.“ Einige der Maurer luden sie noch in ihr Heimatdorf ein, das von Kathmandu 24 Busstunden entfernt liegt. Sie schlachteten ihr zur Ehre ein Schaf und einen Büffel und schenkten ihr eine Decke und einen selbst geflochtenen Weidenkorb. Horn betont, wie freundlich die Menschen waren. „Sie haben sich immer wieder bedankt.“ Trotz der unbezahlten Arbeit mit täglichen Arbeitszeiten von 7 bis 16 Uhr, manche machten auch am Samstag weiter, betont Inge Horn: „Ich würde es wieder machen.“ Derzeit schreibt sie Bewerbungen, um eine Stelle als Assistenzärztin zu erhalten. „Vielleicht gehe ich irgendwann zu Ärzte ohne Grenzen.“

Nicht bewertet

Anzeige