Schnupperwerkstatt für das Handwerk

„Viele junge Menschen haben zwei linke Hände und können mit einfachstem Werkzeug nicht umgehen“, hat Handwerksmeister Siegfried Neukam festgestellt. In seinem Betrieb lernte er schon viele Jugendliche kennen, die zwar gute Noten, aber keinerlei technisches Geschick hatten. Das ist in einem handwerklichen Beruf aber sehr wichtig.

Schon vor etwa drei Jahren sprach er mit Peter Koch darüber. Nachdem die Idee inzwischen gereift ist, sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden. Am 19. Mai findet um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses die Gründungsversammlung für den Verein „Schnupperwerkstatt für das Handwerk“ statt. Fast 200 Einladungen werden in diesen Tagen verteilt. Jeder Betriebsinhaber kommt als Mitstreiter oder wenigstens als Sponsor in Frage.

Einblicke in Berufe

Mittelfristig soll es in der Schnupperwerkstatt Einblicke in die unterschiedlichsten Berufe geben. Ein Bäcker kann ebenso mitmachen wie ein Elektriker, ein Maurer oder ein Metallbauer. Der Verein braucht neben den aktiven Mitgliedern, die mit den jungen Leuten arbeiten, auch Förderer, die mit ihrem Mitgliedsbeitrag den Verein einfach unterstützen wollen.

Schließlich muss immer wieder Material beschafft oder es sind neue Werkzeuge erforderlich. Doch so weit sind die vier Organisatoren – neben den beiden Männern helfen auch Helga Trenz und Gaby Koch bei den Vorbereitungen – noch nicht. Nach der Gründung gibt es drei Prioritäten: Die Suche nach interessierten Jugendlichen, die Organisation eines ersten Workshops und das Finden einer Werkstatt, die vom Verein genutzt werden kann.

Flüchtlinge willkommen

Vor allem in den Schulen möchten die Macher der Schnupperwerkstatt junge Menschen finden, die Spaß daran haben, sich handwerklich zu betätigen. Dabei wird zwischen Mädchen und Jungen kein Unterschied gemacht. Auch die Nationalität spielt keine Rolle. Junge Flüchtlinge sind genauso gern in der Schnupperwerkstatt gesehen wie lernwillige deutsche Kids, Mädchen mit technischem Interesse ebenso wie aufgeschlossene Jungs. Wenn der erste Workshop gut angenommen wird, sollen durch Mundpropaganda weitere Jugendliche angesprochen werden.

Ursprünglich war der Lokschuppen am Neptunplatz als Werkstatt für den Verein angedacht. Aus Gründen der schlechten Statik des Gebäudes fiel diese Möglichkeit aus. Ein erster Workshop wird in einem Werkraum der Auerbacher Mittelschule stattfinden, hat Peter Koch mit Rektor Ferdinand Höllerer vereinbart. „Ich hoffe, dass eine Verlängerung möglich ist, wenn der Verein bis dahin nicht eigene Räume hat.“ Die Organisatoren starten positiv gestimmt in das ehrgeizige Projekt. Sie wollen nicht nur kurz-, sondern möglichst langfristig mit Auerbacher Jugendlichen arbeiten.

Einzigartiges Projekt

„Wir wünschen uns, dass die jungen Leute ihr handwerkliches Geschick entdecken und dieses ausprobieren.“ Ein weiteres Ziel ist eine spätere Ausbildung in einem Handwerksberuf. Gerade am Anfang soll laut Koch, der als Lehrer an der FOS Bayreuth tätig ist, nicht ein „Riesenprojekt“ durchgeführt werden. Vielmehr solle sich die handwerkliche Arbeit am konkreten Interesse der Jugendlichen orientieren. Einer habe vielleicht Interesse an der Reparatur seines Fahrrads, ein anderer möchte etwas über Holzbearbeitung wissen, ein Dritter einen Kuchen backen. Dann werde in kleinen Gruppen mit den jungen Leuten gearbeitet, so Koch.

Mitmachen können Kinder und Jugendliche, die mindestens zehn Jahre alt sind. „Wir brauchen in Auerbach guten Nachwuchs im Handwerk. Das ist unser Ziel“. Ein ähnliches Projekt gebe es in der Region nicht, haben sie festgestellt. „Der Anfang wird schwer“, meinen sie, gehen aber engagiert an die Sache heran. In den Schulen wollen sie sich vorstellen und beim Altstadtfest einen Infostand aufbauen.

In Workshops, die zunächst über die Volkshochschule laufen, wird das Interesse der Jugendlichen abgefragt, werden Ideen gesammelt. Denkbar ist auch ein gemeinsamer Besuch in einem Fachbetrieb, meint Peter Koch. Auch ein eigener Raum ist noch nötig. Mittelfristig wäre es schön, wenn erfahrene „Schrauber“ den Jüngeren helfen und so auch die Gemeinschaft und das soziale Miteinander gefördert werden, meint Helga Trenz. Alle sind sich einige: „Wir wollen den Jugendlichen viel für ihr Leben mitgeben.“

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