Schnelle Rettung beim Unfall

Murmurachi (66) war in Bayreuth in der Ständigen Wache und in der Feuerwehreinsatzzentrale Landkreis München. „Wir hatten damals noch keine Rüstwagen, nur ein leichtes Löschfahrzeug mit einer Minimalausstattung für Unfalleinsätze“, erzählt er. Mit beschränkten Mitteln habe man die eingeklemmten Leute aus den Fahrzeugen geholt.

Rettungsschere kam aus der USA

1974 kamen dann die ersten Rettungsscheren aus den USA – von der Firma Hurst – nach Deutschland. Sieben Stück, zwei davon nach Bayreuth. Dazu gab es schriftliche Anweisungen, wie sie zu verwenden sind. Der Spreizer wurde damals im Einsatz auf die Schere aufgesteckt. „Es gab zwar eine mobile Schulung der Feuerwehrschule, aber den eigentlichen Umgang mit den Geräten haben wir uns selbst beigebracht – learning by doing“, sagt Murmurachi. Anfang der 1980er Jahre habe der damalige Kreisbrandinspektor Leonhard Birkner zu ihm gesagt: „Du musst nach Creußen und das denen beibringen“, erinnert er sich. Man habe alte Autos gesammelt und auf einem Gelände in Schmellenhof bei Schnabelwaid geübt. In manche Fahrzeuge wurden Puppen gesetzt, um die möglichen Unfallsituationen so realistisch wie möglich nachzustellen. Auf dem Dach, auf der Seite, frontal, manche Fahrzeuge wurden extra um einen Baum „gewickelt“ Murmurach sagt: „Insgesamt 43 Autos haben wir zerlegt.“ Rund 15 bis 20 Aktive waren bei den Übungen dabei. „Die waren begeistert, denn es war was völlig Neues“, sagt er.

Mittlerweile zwei Rettungssätze

Otmar Faßold gehörte zu den Ersten, die dabei waren. Die Einführung der Rettungsscheren und -spreizer seien ein Riesenfortschritt gewesen, sagt auch der 53-Jährige, der seit 1980 bei der Creußener Wehr ist. „Den richtigen Einsatz lernt man beim Umgang, beim Zerlegen. Jedes Fahrzeug verhält sich anders“, sagt er. Creußen war die erste Wehr des Landkreises Bayreuth, die über die Rettungsgeräte verfügte. Es war in einem Tanklöschfahrzeug, das 1981 bis 2016 im Dienst der Creußener Wehr stand. Mittlerweile verfügen die Creußener über zwei solcher Rettungssätze. Etwa 25.000 Euro kostet ein Satz aus Schere, Spreizer und Pumpaggregat.

Fahrzeug muss stabilisiert werden

Am Schwersten ist ein Unfall, bei dem das Fahrzeug auf dem Dach liegt, erzählt Faßold. Da sei es nicht einfach, den Patienten rauszuholen. Denn es muss erst ausreichend stabilisiert werden. Der Einsatz der Rettungsschere erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Notarzt, sagt er. „Es muss immer abgewogen werden, wie groß die Verletzungen sind, wie schnell die Person raus muss“, so Faßold weiter. Dann müsse schnellstmöglich ein großer Zugang geschafft werden,um gut arbeiten zu können. Dazu werde als Erstes die Tür entfernt, Scharniere und Türbänder aufgeschnitten – unter schonendem Einsatz von Schere und Spreizer. „Das Opfer soll beim Einsatz ja nicht noch mehr verletzt werden“, sagt Faßold. Gruppenführer und Notarzt entscheiden je nach Unfalllage, ob es eine sogenannte schonende oder Crash-Rettung gibt. Faßold wird deutlich: „Crash-Rettung heißt, wenn zum Beispiel ein Brand des Unfallfahrzeugs droht.“ Da könne es auch sein, dass der Fuß drin bleibt. Aus Erfahrung weiß er, dass die Fahrer der am Schlimmsten beschädigten Autos überleben. „Bei kaum beschädigten Fahrzeugen, sind die Fahrer oft tot“, sagt Faßold. Und man müsse immer darauf achten, dass beispielsweise der Spreizer beim Einsatz das Auto nicht so verformt, dass der Patient noch mehr eingedrückt wird.

"Wir geben unser Bestes"

„Wir sind fit“, sagt der Feuerwehrmann. Inzwischen bringen die Älteren den Jüngeren den Umgang mit den Rettungsscheren und -spreizern bei. Ein Problem beim Einsatz sei oft, dass die Fahrzeuge immer sicherer werden. „Da stoßen wir mit unseren Rettungsgeräten im Notfall oft an unsere Grenzen“, sagt er, „aber wir geben jedes Mal unser Bestes.“ Und man muss jedes mal hundertprozentig bei der Sache sein und schnell entscheiden. „Spätestens nach zehn bis 15 Minuten muss das Opfer geborgen sein“, sagt Faßold.

5 (1 vote)

Anzeige