Schicksal eines Übersiedlers: Nach 25 Jahren Arbeit als Arzt kein Anspruch

Oft geht der Arzt im Winter nach der Arbeit in der Höhenklinik an den Fichtelsee, um im eiskalten Wasser zu schwimmen. Oder er läuft barfuß auf Schnee. Jürgen Schulz will fit bleiben, damit er mindestens bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten kann. Seine Rentenansprüche aus 25 Jahren Tätigkeit als Arzt in der Sowjetunion und in Russland hat der Russe mit deutschen Wurzeln verloren, seit er einen deutschen  Pass hat.

1967 bis 1977 hat er Medizin studiert in Saratow und Kasan. Das Thema seiner Doktorarbeit ist zufälligerweise genau das Feld, auf dem er als Stationsarzt in der Bischofsgrüner Höhenklinik arbeitet: Kardiologische Reha. In Russland war er nicht nur als Arzt sondern auch als Funktionsdozent an einer medizinischen Akademie tätig. Die wilden 90er Jahre im postkommunistischen Russland überstand er, in dem er zusätzlich zu seiner Arzttätigkeit nachts Taxi fuhr: „Ich habe manchmal monatelang kein Gehalt bekommen."

Arzt wechselt seinen Vornamen

Die Heirat mit einer seit 1990 in Deutschland lebenden Russlanddeutschen mit deutschem Pass führte ihn 2002 nach Deutschland. Damals waren – anders als heute –die Hürden noch hoch für ausländische Ärzte, um in ihrem Beruf in Deutschland arbeiten zu können. Dazu gehört beispielsweise eine „Gleichwertigkeitsprüfung", mit der die Qualifikation nachgewiesen wird. Und auch danach gibt es in der Regel nur befristete Berufserlaubnisse. Keine Perspektive für Schulz, dessen Ziel es ursprünglich war, als Facharzt zu arbeiten. 2004 bekam er es vom Thüringischen Landesverwaltungsamt schriftlich, dass nur eine deutsche Approbation als Arzt dauerhaft zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt. Und die bekommt man von der Ärztekammer am besten, wenn man einen deutschen Pass hat. Den bekam er 2007. Und wechselte bei der Gelegenheit seinen Vornamen von Jurij zu Jürgen.

Als Schulz vergangenen September im russischen Kaliningrad seine Tochter besuchte, ging er auf die dortige Behörde der staatlichen Rentenversicherung, um Auskunft über seine künftige russische Rente zu erhalten. Die niederschmetternde Auskunft: Es gibt nichts. Als nunmehriger Nichtrusse, der weder in Russland wohnt noch arbeitet, bekommt er keinen Rubel Rente für seine 25 Jahre Arbeit in Russland.


Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Freitagsausgabe (1. März) des Nordbayerischen Kuriers.

Foto: Wittek

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