Samba des Janeiro in der Fränkischen

Die 17-jährige Halb-Brasilianerin Cindy ist in diesem Jahr zum ersten Mal in Streitberg. Zusammen mit ihrer Mutter Tenilde sorgt sie in der Fränkischen Schweiz für einen Hauch von Exotik. Unterstützt von einer Bamberger Trommelgruppe ignorieren sie mit ihren pächtigen Kostümen und  ihrer guten Laune den Frühherbst. Streitberg ist bereits seit dem ersten Fränkische-Schweiz-Marathon ein Außenposten von Rio des Janeiro in Oberfranken.

 Gut gelaunter Toni Eckert

Für gute Laune und manches Grinsen in den Gesichtern der Zuschauer sorgen auch die Moderatoren, unter ihnen Toni Eckert. Er ist seit dem ersten autofreien Sonntag und Marathon im Jahr 2000 mit dabei. Man bekommt den Eindruck, als ob er jeden Läufer und jede Läuferin persönlich kennt. Er erinnert an manch lustige Episode aus früheren Wettbewerben und spornt unentwegt die Läufer an: „Nur noch vier Kilometer bis Ebermannstadt!“ Er weist auch den wenigen ortsunkundigen Läufern am Ortseingang den richtigen Weg: „An der Kreuzung scharf nach rechts abbiegen!“

Prächtige Kostüme

Manche Sportler sind so angespannt, dass sie das überhören und trotzdem geradeaus laufen. Direkt auf die Trommelgruppe und die Tänzerinnen zu. Das ist aber die Ausnahme. Die meisten lachen und winken, wenn sie den Sambarhythmus hören und die prächtigen Kostüme der Brasilianerinnen sehen. Solch ein Outfit kostet, obwohl relativ wenig Stoff verarbeitet wurde, bis zu 3000 Euro. Der prächtige Federschmuck macht da wohl viel wieder wett. „Wir sind seit 9 Uhr hier und tanzen“, berichtet Cindy in einer der wenigen Pausen, denn es sollen schließlich ja alle Teilnehmer angefeuert werden. „Es freut mich besonders“, so die 17-Jährige, „wenn Läufer auf mich zukommen und wir uns abklatschen. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass jemand ein Foto von uns macht.“

Auf die Frage, ob ihr bei solch einem Dauertanz nach einigen Stunden nicht die Füße wehtun, schüttelt Cindy verneinend den Kopf. „Nein, ich finde es nicht anstrengend." Das Tanzen ist für die junge Forchheimerin nur eine Nebenbeschäftigung, hauptberuflich arbeitet sie in einem großen Schuh-Geschäft. Folgerichtig verneint sie auch die Frage, ob es sie bei diesen Temperaturen angesichts ihrer spärlichen Bekleidung nicht friert. „Nein, überhaupt nicht! Ich bewege mich ja die ganze Zeit“

Trommelgruppe aus Bamberg

Zu kalt wird es auch den Mitgliedern der Trommelgruppe „Batteria quem e“ nicht. Nach Streitberg ist etwa die Hälfte des der etwa 50 Personen umfassenden Ensembles, das von Albert Fuchs geleitet wird, gekommen. Trotzdem ist es laut, sehr laut. Doch je lauter, desto besser – so die übereinstimmende Meinung vieler Läufer.

Toni Eckert hat auch kein Problem mit dem satten Sound, er benutzt für seine Ansagen ein Mikrophon. Er weiß auch, dass eine zweite Trommelgruppe an der Strecke zwischen Muggendorf und der Sachsenmühle die Läufer und Skater anfeuert. Aber ohne Tänzerinnen. Die gibt es nur in Streitberg.

Doch noch ein Regenguss

„Die Idee hatte vor dem ersten Marathon die Ortsgruppe Streitberg des Fränkische-Schweiz-Vereins. Der jetzige Vorsitzende Wolfgang Römer war 2000 zwar noch nicht dabei, aber auch er findet die Idee gut. „Fränkische Blasmusik hört man an der Strecke öfter. Brasilianische Trommeln sind viel besser geeignet, um keuchende Läufer für den Endspurt zu mobilisieren. Und was passt besser dazu als ein paar Sambatänzerinnen?“

Römer hat für das Gespräch einen Schirm aufgespannt, denn die Wolken haben schließlich doch noch Regen mitgebracht. Die „Batteria quem e“ packt ein und nimmt sich vom Grill noch eine Stärkung mit auf den Heimweg. Trommeln macht hungrig. Auch Cindy und ihre Mutter nehmen ihren Schmuck aus Pfauenfedern ab. Auf der Strecke biegen die letzten Marathonmänner um Ecke. Sie haben am allerwenigsten etwas gegen die Erfrischung von oben. Außerdem sind es ja nur noch vier Kilometer bis Ebermannstadt.

Nicht bewertet

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