Säckeklauer kamen in der Nacht

 

Auslöser war ein Rundschreiben, das Steffi Reinl von der evangelischen Jugend an alle Organisationen schickte, die mit dem Sammeln von Altpapier und Altkleidern zu tun haben. Darin schilderte sie das Geschehen - „das war ein Hinweis, eine Warnung“. Die Feuerwehr reagierte als einzige auf den Brief und nahm sich dessen Inhalt zu Herzen, wie Vorsitzender Helmut Graf sagt. In der von Schriftführer Herbert Lauterbach formulierten Ankündigung für den 18. November ist von „Vorkommnissen“ die Rede, von denen die evangelische Jugend betroffen war.

Auslöser war ein Anruf aus Buchau

Steffi Reinl erinnert sich noch gut an das, was da am 23. September ablief. Die Geschichte begann schon am Abend zuvor, „da räumten wir gerade die Kleiderkammer der Diakonie aus, das machen wir immer am Vorabend“. Weil dafür am Sammeltag selbst kaum Zeit bleibt. Aussortiert wird dabei alles, was als nicht mehr verwertbar eingestuft „Da werden schon oft Sachen abgegeben, die man wirklich niemand mehr zumuten kann.“

Tschechisches Kennzeichen

Mitten beim Ausräumen kam der Anruf einer Frau aus Buchau. Sie teilte mit, dass ein weißer Kleinbus mit tschechischem Kennzeichen unterwegs sei und bereits an den Sammelstellen abgelegte Säcke einkassiere.Diese Information rief Karin Weiss von der Kirchengemeinde auf den Plan. „Sie sagte, denn schnapp ich mir und fuhr gleich los“, so Reinl. Allerdings war dieses Unternehmen nicht von Erfolg gekrönt. Tags darauf startete die evangelische Jugend ihre Sammlung. Und wunderte sich am Ende, dass sie zwei statt wie gewohnt drei Container vollbrachte. Eine Erklärung gab es zunächst nicht. Eine Woche später dann erneut ein Anruf. Diesmal rührte sich eine Frau vom Wohngebiet Am Arzberg. Auch sie hatte einen weißen Kleinbus am Tag vor der eigentlichen Sammlung beobachtet, „gestopft voll bis unters Dach mit Altkleidermaterial“. Auch die Säcke der Anruferin hatte sich der Fahrer bereits geschnappt, so Steffi Reinl - „sie hat sie ihm dann abgenommen und darauf hingewiesen, dass sie für uns bestimmt sind“.

Sie kamen wieder

Doch das hielt den „Einsacker“ nicht ab, nachts wiederzukommen. Zwischen 2 und 3 Uhr war das, so eine Nachbarin der Frau, die den Kleinbus sah, aber zu spät kam, um ihn erneut aufzuhalten. Sie notierte sich jedoch immerhin das Kennzeichen. Die evangelische Jugend entschloss sich, Anzeige zu erstattetn. Denn: „Denn es handelt sich um Diebstahl, weil die Sammlung für einen bestimmten Zweck angekündigt war, das hat uns auch die Polizei gesagt.“

Polizei: Bitte gleich melden

Das bestätigt Harald Düplois, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Pegnitz. Ja, es sei Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden, ja, die Polizei habe ermittelt. Aber nein, der oder die Übeltäter sind nicht erwischt worden bisher. Das sei auch alles andere als leicht, wenn es sich um ein ausländisches Kennzeichen handle, das wohl auch nur unvollständig notiert und zum anderen erst mit erheblicher Verzögerung gemeldet wurde. „Da sind uns dann schon irgendwie die Hände gebunden“, so Düplois.

Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig

Grundsätzlich sei es natürlich immer gut, wenn sich Bürger rühren, denen etwas aufgefallen ist. Das gelte für alles, was mit „verdächtigen Wahrnehmungen“ zu tun habe. Da gelte die Regel: „Lieber die Polizei einmal zu oft rufen als einmal zu wenig.“ Aber zeitnah sollte das dann schon sein, „nach einer Woche bei einem ausländischen Fahrzeug bringt das nur noch bedingt etwas“.

Nur für Kleidung gibt's Geld

Das ist auch Steffi Reinl klar. Deshalb ihr Aufruf an alle, die das genauso betreffen könnte, besonders wachsam zu sein. Denn unter dem Strich geht es um Geld. Die evangelische Jugend - und nicht nur sie - bekommt dort nur Altkleider bezahlt, für Altpapier gibt es keinen Cent mehr - „weil sich das angeblich nicht lohnt“: Damit reduziere jeder verloren gegangene Kleidersack den Erlös für diejenigen, die eine solche Aktion starten. Und zwar nicht für den Selbst-, sondern für den guten Zweck.

Prinzip Hoffnung

Deshalb hofft sie, dass die Bürger künftig nicht nur die Augen offen halten, sondern auch schnell reagieren. Wenn da wieder ein Fahrzeug auf Sammeltour unterwegs ist, das mit dem Sammelgut gar nichts zu tun hat. „Dann werden wir sofort aktiv und sehen nach dem Rechten“, sichert Harald Düplois von der Pegnitzer Polizei zu.

Immer 120 Euro von der Stadt

Die Stadt Pegnitz hat mit dem Ganzen direkt nichts zu tun, betont Herbert Lauterbach, nicht nur Schriftführer der Feuerwehr, sondern auch geschäftsleitender Beamter im Rathaus. Nur soviel: Die Kommune „spendiert“ den sechs Papier und Kleidung sammelnden Vereinen und Verbänden von den ASV-Handballern über das BRK bis zum katholischen Dekanat 120 Euro pro Sammlung.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06