Roßbach: "Die Rente wird weiter steigen"

Die Rente wird im kommenden Jahr voraussichtlich um rund drei Prozent steigen, für private Altersvorsorge geht die Rendite gerade gegen null. Soll man da überhaupt noch privat vorsorgen?

Gundula Roßbach: Ob das drei Prozent werden, wird man erst im kommenden Jahr sehen. Wir haben  uns in Deutschland für ein Drei-Säulen-Modell entschieden: Neben der gesetzlichen Rentenversicherung die betriebliche und die private Vorsorge. Ich kann jedem Ihrer Leser nur empfehlen, das zu tun. Nicht vorzusorgen, wäre die schlechteste Lösung. Die Zinslandschaft wird sich auch wieder ändern.

 

Rentennahe Jahrgänge können ihre Rentenbeiträge selber erhöhen. Ist das Geld dort derzeit besser aufgehoben als in einer privaten Anlage?

Roßbach: Das hängt ganz von den individuellen Umständen ab. Ich kann jedem nur empfehlen, sich von uns beraten zu lassen. Bei unseren Beratungsstellen wird ermittelt, wieviel man in die Rentenversicherung einzahlen müsste, um zum Beispiel Abschläge auszugleichen.

 

Vielen ist die private Vorsorge zu kompliziert. Wäre es nicht besser, die Rentenversicherung würde auch einen Fonds für die private Vorsorge managen?

Roßbach: 16,5 Millionen Menschen haben es geschafft, sich für eine Riester-Rente zu entscheiden. Der Markt lebt von Vielfalt und gibt den verschiedenen Risikogruppen verschiedene Möglichkeiten. Ein Fonds, der von staatlicher Seite gemanagt werden würde, könnte auch keine besseren Renditen erzielen. Die Rentenversicherung legt ihre Gelder immer nur kurzfristig an. Die erforderliche Kompetenz für langfristige Anlagen hätten wir als Rentenversicherung derzeit nicht zu bieten.

 

Die Rentenversicherung zahlt derzeit sogar Strafzinsen für ihre angelegten Gelder, die Rede ist von zehn Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das ist Geld der Beitragszahler, das an die Banken fließt. Sollte die Regierung das nicht ändern?

Roßbach: Im Moment kommt niemand darum herum, für die Verwahrung von Geldern zu zahlen. Das betrifft zum Beispiel auch den Gesundheitsfonds. Von Seiten der Bundesregierung gibt es bisher keine Überlegungen, in den Markt einzugreifen und öffentlichen Institutionen andere Konditionen zu bieten.

 

Würden Sie sich das wünschen?

Roßbach: Natürlich würden wir uns darüber sehr freuen. Niemand zahlt gerne dafür, dass er Geld anlegt.

 

Die Rentenversicherung steht derzeit finanziell viel besser da, als noch vor kurzem vorhergesagt wurde. Wie verlässlich sind jetzt die Prognosen, die stark steigende  Rentenbeiträge und stark sinkendes Rentenniveau in 20, 30 Jahren vorhersagen?

Roßbach: Den hohen Beschäftigungsstand, den wir in Deutschland jetzt haben, und die damit verbundenen hohen Beitragseinnahmen hat man nicht vorhergesehen. Ein nicht unerheblicher Anteil dieses Zuwachses stammt von Zuwanderung von Arbeitnehmern aus anderen europäischen Ländern. Auf der anderen Seite wissen wir um die demografische Entwicklung. Es ist vorprogrammiert, dass die geburtenstärksten Jahrgänge in zehn, 20 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden und Rente erhalten. Die Anzahl der prognostizierten Rentner steht somit schon heute fest. Wenn wir aber weiterhin eine hohe Erwerbstätigkeit von Frauen und Zuwanderern haben, würde das zu einem weiterhin hohen Beschäftigungs- und Beitragsniveau  beitragen.

 

Heute 30-Jährige müssen damit rechnen, später länger zu arbeiten, viel höhere Beiträge zu zahlen und dafür ein deutlich niedrigeres Rentenniveau zu bekommen. Läuft die Rentenversicherung in eine Legitimationsfalle? 

Roßbach: Die Rentenreformen haben dazu geführt, dass die Renten künftig weniger stark steigen als in der Vergangenheit. Weniger stark wachsen heißt nicht sinken. Wenn das Zahlenverhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern sich verändert, werden die Rentner nicht mehr so stark vom Einkommenszuwachs der Arbeitnehmer profitieren können. Aber die Rente wird weiter steigen. Das müssen wir auch den jungen Leuten sagen. Die Rente hat auch bei einem sinkenden Niveau noch eine positive Rendite. Der demografische Buckel ist übrigens zeitlich begrenzt. Die heute 20-Jährigen und Jüngere müssen für die geburtenstarken Jahrgänge in der Rente nicht mehr aufkommen.

 

Die Jamaika-Unterhändler wollen spätestens am Freitag ihre Ergebnisse verkünden. Wenn Sie sich von ihnen etwas wünschen könnten, was wäre das?

Roßbach: Wenn man sich für eine Ausweitung der Mütterrente auf ein drittes Jahr für nach 1992 geborene Kinder entscheiden sollte, sollte das von allen aus Steuermitteln finanziert werden. Und man sollte gut auf die Versicherten schauen, die stärker von Altersarmut bedroht sind: Erwerbsgeminderte,  Selbstständige und Menschen, die im Niedriglohnsektor gearbeitet haben.

 

Viele Menschen haben Angst vor Altersarmut. Was sagen Sie denen?

Roßbach: Wir müssen von den jungen Leuten einfordern, dass sie sich über ihre Alterseinkünfte informieren und aufklären lassen. Je früher sie sich darum kümmern, desto eher haben sie Möglichkeiten vorzusorgen. Die Rentenversicherungen bieten dazu produktneutrale Beratungen an. Ein allgemeingültiges Rezept gibt es nicht.

 

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