Rockbunker: Testlauf für umstrittene Disko

Es ist genau zehn Jahre her, dass ein Großaufgebot der Polizei das Gewerbegebiet an der Goldkronacher Straße in Bindlach absperrte. Polizisten kontrollierten über mehrere Stunden die Gäste einer angeblichen Geburtstagsparty. In deren weiterem Verlauf sollten Rockbands auftreten, die eindeutig der Neonaziszene zugeordnet werden konnten. Der Eigentümer des Bunkers war damals der gleiche wie heute: Michael Terwart aus Eckersdorf. Hauptberuflich betreibt er ein Abfallentsorgungsunternehmen.

Ein "Werbegag"

Terwart hatte vor zehn Jahren beteuert, nichts von dem Auftritt der Neonazibands gewusst zu haben. Dass Oliva, der neue Betreiber des Bunkers, jetzt im Internet mit der anrüchigen Vergangenheit der Böhsen Onkelz wirbt, nennt Terwart einen „Werbegag“. Er sagt: „Rechtsradikale und Rocker wollen wir nicht. Ich will in erster Linie meine Ruhe haben.“

Oliva bestreitet gar, dass er bei der Gestaltung seiner Flyers an die verbotenen Frühwerke der Onkelz gedacht habe. Für Rechtsrock, für den die Böhsen Onkelz in Deutschland als Wegbereiter gelten, gebe es in der Region doch überhaupt keine Szene, sagt Oliva. Er sagt: „Die zensierten Lieder will heute keiner mehr hören.“ Die Band hätte sich verändert, stehe heute weder links noch rechts in der Gesellschaft und Gäste, die einem extremen Lager angehören, werde er am Samstag nicht in die Diskothek lassen. Oliva beteuert: „Wir sind ganz normale Menschen, die gerne Rock’n Roll hören.“ Und er sagt: „Ich wäre ja bescheuert, etwas Verbotenes zu tun. Wir wollen doch, dass der Laden läuft.“

Rock im Park übersehen

Keine leichte Aufgabe. Denn als Oliva seine „Böhse Onkelz- und Freiwild-Night“ plante, hatte er übersehen, dass am gleichen Wochenende in Nürnberg Tausende Rockfans bei „Rock im Park“ erwartet werden. „Ich denke schon, dass wir dadurch weniger Zulauf haben werden“, sagt Oliva. Übrigens: Auch die Band Freiwild aus Südtirol, deren Lieder Dj Dinky aus Ingolstadt am Samstag spielen soll, ist nicht unumstritten. Deren Sänger Philipp Burger gehörte der 2001 aufgelösten Rechtsrockband Kaiserjäger an.

Mehr als 150 Personen dürfen am Samstag aber sowieso nicht in den Bunker. Das erlaubt das Landratsamt nicht. Bei einer Art Probelauf Mitte Mai seien rund 100 geladene Gäste gekommen, sagt Oliva. Gespielt hatte die Band Berserker aus Berlin. Auch die genießt einen eher zweifelhaften Ruf. Die Band hatte vor neun Jahren einen Auftritt bei einem Spiel des Fußballbundesligisten Hertha BSC Berlin geplant. Der Verein untersagte den Auftritt aber, nachdem das Landeskriminalamt davor gewarnt hatte. Die Gründe damals: Gewaltverherrlichende Texte, Hinweise auf Rechtsradikalismus, Aufruf zur Lynchjustiz. Berserker distanzierten sich daraufhin von rechtsradikalen Fans.

Eine Generalprobe

Betreiber Oliva sieht in der Veranstaltung am Samstag daher eine Art Generalprobe für einen regelmäßigen Diskobetrieb im Rockbunker. Das planen Terwart und Oliva schon seit drei Jahren. Immer wieder mussten Veranstaltungen aber abgesagt werden, weil das Landratsamt keine Genehmigung erteilte. Immer wieder hieß es von Seiten der Behörde, der Eigentümer hätte Auflagen zum Brandschutz und zur Sicherheit der Gäste nicht erfüllt. Dagegen hatte Terwart geklagt. Noch während des Verfahrens habe der Betreiber die Mängel beseitigt, sodass es zu keinem Gerichtsurteil gekommen sei, heißt es aus dem Landratsamt. Mittlerweile stünde einem Diskobetrieb nichts mehr im Wege.

Mehr Gäste sollen kommen

Eigentümer Terwart sagt: „Wenn am Samstag alles gut geht, kann Oliva den Bunker weiter mieten.“ Der Busbacher sei aber nicht der einzige Mietinteressent. Gelingt der Testlauf, ist auch eine Ausweitung der Genehmigung auf 300 Gäste in Planung. Dazu müssten aber unter anderem weitere Parkplätze vorgehalten werden. Die Bauanträge dafür seien bereits gestellt.

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