Richard Wagner litt schwer an Aufstoßen

Die vielleicht unerbittlichste Art, den Marktwert einer Sache zu ermitteln, ist die Auktion. In Sekundenschnelle wird entschieden: Bringt das aufgerufene Los ein kleines Vermögen – oder überhaupt nichts? Was Briefe und Notenskizzen aus dem Umfeld um Richard Wagner betrifft, ist die Berliner Autographenhandlung Stargardt längst zu einer führenden Adresse für Sammler, Forscher und Händler geworden. Aber auch für Einlieferer, die darauf spekulieren, mit ihren Fundstücken den großen Reibach zu machen.

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Regelmäßig finden sich in den Katalogen des Hauses auch Objekte mit Bayreuth-Bezug. An diesem Dienstag und Mittwoch ist es wieder so weit. Im Hotel Bristol am Kurfürstendamm kommen insgesamt mehr als tausend Briefe, Manuskripte, Urkunden und Fotografien zum Aufruf. Auch die Namen Richard Wagner und Jean Paul tauchen im aktuellen Auktionskatalog auf.

72 Takte

Wagner ist unter anderem gelistet mit einer Kompositionsskizze zur Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“. 72 Takte aus der vierten Szene des zweiten Akts kommen hier mit unterlegtem Text unter den Hammer. Laut Stargardt ist die Skizze zwischen Sommer/Herbst 1843 und Herbst 1844 entstanden, der Text zwischen Juni 1842 und April 1843. Auf winzige Randeinrisse und Klammerspuren an Kopf und Fuß weist der Katalog hin. Was den Einlieferer aber nicht daran hindert, 40 000 Euro für Wagners Handschrift aufzurufen. In wessen Besitz sich das Blatt derzeit noch befindet? Ob die Spur nach Bayreuth führt? Zu diesen Fragen wird freilich kein Auktionator der Welt Auskunft geben. Auf Diskretion legt man in der Branche großen Wert.

Brief Siegfried Wagners an den Arzt J. Koopman

Deutlich günstiger zu haben ist in der Auktion ein Brief aus dem Jahr 1928 von Siegfried Wagner an den Arzt J. Koopman in Den Haag, der sich nach der Krankheitsgeschichte Richard Wagners erkundigt hatte. Darin heißt es: „... Sie wissen ja, dass ich 13 Jahre alt war, wie mein Vater starb. Ich weiss solche Sachen also nicht mehr. Meine Schwestern, die älter sind, könnten Ihnen besser Bescheid geben. Mama bei ihren 90 Jahren zu fragen, ist nicht so ganz leicht. Ich erinnere mich nur, dass mein Vater schwer an Aufstossen litt, gearbeitet hat er aber immer regelmässig, stand früh auf (7 Uhr) nahm sein Bad (27 Grad Reaumur) ass leider zu viel Fleisch! Wäre Schweninger sein Arzt gewesen, hätte er noch 15 Jahre leben können, denn die Constitution war sehr gut, elastisch. Nur das schreckliche Aufstossen ...“

Man rechnet bei Stargardt offenbar nicht mit einem heißen Bietergefecht um diesen Brief, denn das Limit liegt bei 300 Euro. Aber auch die muss erst mal jemand berappen. Preislich weitaus höher angesiedelt – zwischen 2500 und 800 Euro – sind drei Briefe des Dichters Jean Paul, die in Bayreuth beziehungsweise Hof geschrieben wurden. Sie sind an einen Schriftsteller, einen Philosophen und an Jean Pauls Freundin „Demoiselle Renate“ Wirth gerichtet. Letzterer endet mit dem Gruß „Adieu, Liebe / R“.

Nicht bewertet

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