Rettung aus der "Kaninchenhölle"

Der Rettungseinsatz für die Tiere fand am Mittwoch statt, erklärte der Chef des Veterinäramtes, Kai Braunmiller. Auf den Fall hatten Nachbarn die Stadt bereits zuvor aufmerksam gemacht. Laut Braunmiller habe man den Halter, einen Pensionär, aufgesucht, seine Tiere und Käfige überprüft und dabei festgestellt, dass die Haltungsbedingungen "schwankend" gewesen seien: Schlecht gemistete Ställe, zu wenig Platz. Acht Tiere mussten dem Mann zunächst weggenommen werden. Der Mann sei aufgefordert worden, die Tierhaltung zu verbessern.

Dies jedoch, so Braunmiller weiter, habe der Halter nicht getan. "Er war nicht in der Lage, Männlein und Weiblein zu unterscheiden. Die Tiere haben sich fleißig vermehrt. Wir mussten feststellen, dass sich die Lage nicht verbessern würde." Deshalb hätten Veterinär- und Ordnungsamt auf der Grundlage des Tierschutzgesetzes einen Beschluss zur "Bestandsauflösung" erlassen und diesen Beschluss am Mittwoch vollzogen.

Tiere saßen im eigenen Dreck

Das Problem des Veterinäramtes: Das Bayreuther Tierheim ist voll. Besonders jetzt im Winter sei dort der Bestand an Kleintieren sehr groß. Deshalb holte sich das Veterinäramt am Freitag vergangener Woche den deutschen Tierschutzbund zu Hilfe. Dieser Verband hat in Speichersdorf ein Vorstandsmitglied sitzen, den 55-jährigen Andreas Brucker. Der sagt über den Fall: "Das war ein schlimmer Anblick, eine Kaninchenhölle."

Brucker sagt, er habe in jahrelanger Tätigkeit im Tierschutz schon viel Tierelend gesehen, aber so etwas noch nicht. Laut Brucker waren die Tiere in engen Käfigen und Kisten gehalten, die nicht ausgemistet waren. Die Kaninchen vegetierten zum Teil im Dunkeln. Vier Kaninchen seien am Wochenende "euthanasiert" worden, sie wurden durch Einschläfern von ihrem Leiden erlöst. Die Haltung, so bestätigt auch Veterinär Braunmiller, habe die Tiere aggressiv gemacht. Sie hätten sich gegenseitig gebissen und verletzt.

Braunmiller ist sehr froh, dass der Tierschutzbund der Stadt bei der Versorgung und Unterbringung so geholfen habe. Andreas Brucker organisierte Plätze in Tierheimen in Coburg, Kulmbach, Pfaffengrün, Wunsiedel und Regensburg. Er und sein Nürnberger Vorstandskollege Robert Derrbeck verfrachteten die Kaninchen in saubere Transportboxen. In den Tierheimen, wo die Vierbeiner Asyl fanden, wurden sie gesäubert und werden gepflegt. Zum Teil werden die Tiere auch von Tierärzten behandelt und wegen Milbenbefalls unter Quarantäne gestellt.

Tierhalter soll überfordert gewesen sein

Der betroffene Tierhalter hat der Auflösung seines Bestandes im übrigen zugestimmt. Veterinäramtsleiter sagte auf Anfrage, dass der Mann letztlich völlig überfordert gewesen sei und dann eingesehen habe, dass die Wegnahme der Kaninchen für die Tiere am besten sei. Nichtsdestotrotz wird geprüft, ob der Fall der Staatsanwaltschaft vorgelegt werde.


Info: Laut Andreas Brucker sind derartige Rettungsaktionen "leider Normalität". Der Tierschutzbund finanziert solche Rettungen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Wer dem Tierschutzbund eine Spende zukommen lassen will, findet den Kontakt auf der Internetseite www.tierschutz-bayern.de

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