Reservisten lassen Gemeinderat tanzen

Pleiten, Pech und Pannen, Menschlich-Allzumenschliches nahmen Mönch Balthasar (Volker Ruckdeschel) und die Bavaria (Hannelore Fick) aufs Korn, nach dem Motto: "Des is alles nemmer schee, wie soll des nur weitergeh'". Sei es die fehlende Weihnachtsbeleuchtung an der zugenagelten Warmensteinacher "Einkaufsmeile", die Einnahmen am Parkplatz Fleckl (7,50 Euro), ein Ortsprospekt mit Grußwort vom längst abgewählten Bürgermeister, die Einbruchserie, die die Reservisten zur Gründung einer Bürgerwehr veranlassen, das künftige Seniorenheim im Überschwemmungsgebiet, der nun fehlende Briefkasten vorm Rathaus, der so viel Lärm machte, dass die Bediensteten wenigsten ab und zu aufwachten oder der Bürocontainer, der extra für eine werdende Mutter als Ausweichquartier aus dem radonbelasteten Rathaus angeschafft, aber nie bezogen wurde - nichts war sicher vor den scharfen Zungen des Mönchs und der Bavaria. Auch das nach Fichtelberg ausgelagerte Standesamt, das die Bavaria zur Ansage verleitete: "Ich geh zum Andi nach Berneck". (Ex-Bürgermeister Andreas Voit ist nun dort Standesbeamter.)

Ein Ort, den keiner kennt

Eine Werbesendung für das "versponnene Örtchen im Fichtelgebirge" war ebenfalls Teil des Programms. Ein Ort, den niemand kennt, weswegen die sanierten Genossenschaftswohnungen nun Zuflucht für Zeugen im polizeilichen Zeugenschutzprogramm werden. Eine Werbesendung, die in die Tourist-Information führte, wo die beiden Damen schon längst von Spinnweben überzogen sind, weil so lange schon keiner mehr da war. Und kommt dann doch mal einer (Wolfgang Nickl als sächsischer Kurgast), will der nur wissen, wie er nach Bischofsgrün kommt ... Die Seilbahn von Bindlach zum Ochsenkopf fährt bereits. Und die Wasserpreise sind so hoch, dass Goldtaler aus dem Wasserhahn kommen - alles mit phantasievollen Requisiten und teils sogar mit Toneffekten ins Szene gesetzt.

Die Alpträume des Bürgermeisters

Und fester Bestandteil des Starkbierfestes sind immer auch Szenen aus dem Rathaus und dem Gemeinderat. Angefangen mit Bürgermeister Herrmann (Gerhard Fick), der schon länger ohne Sekretärin auskommen muss. Und es trotzdem schafft, sich selbst einen Kaffee zuzubereiten, weil er improvisieren kann: "Da kommt halt der Handwerksmeister raus. Ein Beamter wäre da schon längst aufgeschmissen". Das Problem mit der zu engen Brücke am Promenadenweg hat der Bürgermeister bereits gelöst: Er hat einen Hol- und Bringservice für Müll eingerichtet. Doch seit der Prophezeiung einer Zigeunerin plagen ihn Albträume. Geschäftsleiter Matthias Dorner (mit Perücke: Wolfgang Nickl) hat die rettende Idee: eine außerordentliche Gemeinderatssitzung. Auf der die Gründung einer Boygroup beschlossen wird, die "Knieschieber". Sie sollen Warmensteinach genauso berühmt machen, wie die Altneihauser Feuerwehrklappeln ihren Heimatort bekannt gemacht hat.

Auch der echte Gemeinderat kann's

Und die Knieschieber hatten am Starkbierfest gleich einen dreifachen Auftritt: Die Gemeinderatsdarsteller kamen nicht ohne Zugabe von der Bühne. Und dann musste noch der echte Gemeinderat unter das große weile Laken schlüpfen, die Köpfe duch die ausgeschnittenen Löcher und die Hände in die Schuhe stecken. Und beweisen, dass sie es ebenso gut können.

Hannelore Fick (sie hatte Regie geführt und mit Bettina Zaus auch die Texte geschrieben) brachte die gelungene Veranstaltung auf den Punkt: "Es ist eine schwere Zeit, aber man braucht einen Abend, wo man ein bisschen lachen kann." Mit rund 250 Besuchern war das Haus des Gastes voll ausgebucht.

Nicht bewertet