Reserviert - und keiner kommt

Es ist eine Unsitte, die die Gastronomen nervt und Geld kostet: Erst einen Tisch bestellen und dann kurzfristig absagen oder gar nicht erst auftauchen. Die Düsseldorfer Wirtin Kerstin Rapp-Schwan will jetzt durchgreifen und Reservierungsregeln aufstellen. Ab einer Zahl von zehn Personen muss persönlich angerufen und ein Tisch bestellt werden; ab einer Gruppe von 20 Gästen müssen 50 Prozent der vereinbarten Kosten vor dem Besuch angezahlt werden. Mit dieser Maßnahme hofft sie, ihre Gäste zu disziplinieren.

Oft bleiben Tische leer

Die heimischen Gastronomen haben ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Reservierungen gemacht. „Es kommt immer wie mal vor, dass reservierte Tische leer bleiben“, sagt Thomas Schlabeck, der am Ortsausgang von Pegnitz Schlabecks Fränkischer Hof betreibt. Gäste würden selten telefonisch absagen. Bei größeren Gruppen versichere er sich vorher selbst, ob die Gäste auch kommen. „Wir haben den Vorteil und kennen unsere Gäste.“ Mit ihnen gebe es wenig Probleme. In der Regel halte er einen Tisch eine halbe Stunde frei.

Bei größeren Gruppen oder Gesellschaften werde ein Mindestumsatz, eine Raummiete oder eine Anzahlung vereinbart, um sich finanziell abzusichern. „Das wird akzeptiert.“ Ärgerlich sei Anfang des Jahres ein Klassentreffen gewesen, bei dem 50 Personen angekündigt waren. „Dreißig bis vierzig Leute kommen auf jeden Fall hieß es“, erzählt Schlabeck. Aber nur acht seien schließlich erschienen. Dabei hatte er anderen Gästen wegen des Klassentreffens absagen müssen.

Bei normalen Reservierungen will er weiterhin auf eine Anzahlung verzichten. „Wenn wir vorab Geld verlangen, kommen sie gar nicht mehr.“ Schlabeck will Reservierungen nicht schlechtreden. „Sie sind gut, weil man sich auf die Zahl der Gäste einstellen und so planen kann, dass der Gast einen schönen Abend hat.“

Man kann ja anrufen

In der Pizzeria La Romantica an der Hauptstraße Pegnitz ärgert sich eine Mitarbeiterin, weil erst am Mittwoch eine Reservierung für acht Leute geplatzt ist. „Der Tisch war eingedeckt und die Leute sind nicht gekommen.“ Es habe auch keine Absage gegeben. „Man kann anrufen“, sagt die Mitarbeiterin, die von einer „tief gesunkenen Moral“ spricht. Es könne immer etwas dazwischenkommen, aber dann sollte man rechtzeitig Bescheid sagen.

Noch etwas hat die Mitarbeiterin festgestellt: Es gebe Leute, die zu gleicher Zeit Tische in verschiedenen Lokalen reservieren. „Diese Taktik ist auch schon zu beobachten.“ Trotz dieser negativen Erlebnisse ist sie der Ansicht, dass Anzahlungen für Reservierungen in einer Kleinstadt wie Pegnitz nicht möglich seien. Deshalb wird sie weiterhin zum Telefonhörer greifen, wenn ein bestellter Tisch leer bleibt, und fragen: „Leute, was ist los?“

Am Wochenende total ausgebucht

„Das Problem ist bekannt, aber in einer ländlichen Region wie bei uns verschwindend gering“, sagt hingegen Michael Laus vom Restaurant Soulfood in Auerbach. Es sei natürlich unschön, wenn ein reservierter Tisch unbesetzt bleibe, während „wir anderen Gäste absagen müssen“. „Doch krank kann immer jemand werden“, meint er. Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant sei am Wochenende immer voll ausgebucht. Wenn am Vormittag eine Absage erfolge, finde er über eine Warteliste schnell Ersatz. Von einer Ausfallgebühr wie in Düsseldorf hält Laus wenig. „Das ist eine Grauzone und macht keinen Sinn.“

Für Günter Schenk vom Gasthaus Schenk in Michelfeld ist das Thema kein Aufreger. „Das ist bei uns nicht so krass und kommt selten vor.“ Es passiere schon mal, dass bei einer Geburtstagsfeier drei oder vier Gäste weniger als mitgeteilt erscheinen. Aber so etwas sei nicht vermeidbar, so Schenk. Es gebe bei den Reservierungen keinen großen Schwund. Solange kein großer Einbruch komme, bleibe er gelassen. Ein Anzahlung bei Reservierungen sei deshalb nicht geplant.

Es gibt fliegende Wechsel

Ähnlich ist die Meinung im Brauerei-Gasthof Herold in Büchenbach, wo die Tochter des Hauses mitteilt, es könne schon vorkommen, dass Gäste nicht kämen, die reserviert hätten. Die meisten Gäste seien freundlich und würden anrufen, wenn ihre Reservierung hinfällig sei. Eine halbe Stunde werde ein reservierter Tisch freigehalten, dann an andere Gäste vergeben. Als großes Problem sieht sie das Wegbleiben nicht, denn beim Beck’n gebe es fliegenden Wechsel und meist werde ein Tisch frei. 60 bis 70 Prozent der Gäste würden reservieren. „Dann können wir uns auch besser darauf einstellen.“

„Das Problem haben wir nicht“, sagt Gerhard Schuster vom Landgasthof Zur Traube in Plech und fügt hinzu: „Wir haben viele Stammgäste, und die sagen nicht ab.“ Wenn von zehn Reservierungen eine abgesagt werde, sei das schon viel. Ist der Grund eine Krankheit, könne man ja nichts dazu sagen, meint Schuster.

Problem hält sich in Grenzen

Nicht das größte Lokal ist die Zaußenmühle in Pegnitz. „Hin und wieder kommt es vor, dass Gäste nicht rechtzeitig anrufen, um eine Reservierung abzusagen“, sagt Markus Geyer, der das Lokal an der Pegnitzquelle betreibt. Aber grundsätzlich halte sich das Problem in Grenzen. Einmal habe sich jemand beim Reservieren mit dem Datum vertan, so Geyer, der so einen Lapsus als entschuldbar betrachtet – auch wenn jemand kurzfristig erkrankt. „Das passiert.“ Bei Elternstammtischen würden manchmal nicht alle kommen.

Bei Geburtstagsfeiern würden die Leute häufig selbst fragen, ob sie was anzahlen sollen. Auch wenn Geyer selbst keine Anzahlung bei Reservierungen erheben will, sagt er: „Ich kann die Lokale verstehen, die bei einer Reservierung fünf Euro pro Person verlangen.“

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